Würselen: Rock, Pop und Jazz im besonderen Gewand

Würselen: Rock, Pop und Jazz im besonderen Gewand

Gitarre, Blockflöte, Kontrabass — hört sich alles sehr klassisch an, vielleicht sogar brav und konventionell. Ist es aber nicht, zumal wenn sich die Gruppe vorne auf der Bühne „Wildes Holz“ nennt.

So geschehen, gesehen und vor allem gehört im Kulturzentrum Altes Rathaus zu Würselen. Tobias Reisige (Flöte), Anto Karaula (Gitarre) und Markus Conrads (Bass) rockten den voll besetzten Saal, dass es nur so ein Fest war.

Das Trio aus Recklinghausen spielt nicht etwa mehr oder minder Jahrhunderte alte Musik treu ergeben vom Blatt herunter. Ihr Auftreten haben die Jungs den Kollegen aus der Comedybranche abgeschaut. Ihre Musik: Rock, Pop und Jazz, aber auch Gedudel aus dem Rufton-Speicher im Handy, im Mixer gut durchgemischt und dann fetzig dargeboten: In Würselen hat das bei jeder Nummer gut funktioniert, und das zur hellen Begeisterung des Publikums.

Die einzelnen Stücke, die die Drei präsentieren, sind ganz unterschiedlichen Charakters. Eher ruppige Töne sind ebenso dabei wie ruhige Balladen a la „Viva La Vida“ von Coldplay und „Snow“ von den Red Hot Cili Peppers. Das Rezept klappt immer; das neue Klanggewand sitzt wie angegossen, zumal es von einer so angenehm selbstironischen Bühnenshow begleitet wird.

Nichts ist zu trivial, um im Fleischwolf von „Wildes Holz“ noch einmal gründlich durchgedreht zu werden, ganz besonders nicht der Klingelton „Mozart 40“, der in Wahrheit auf Bachs viel gespielter Badinerie beruht. Wer sich die Klassik von gestern und heute derart parodistisch vornimmt, muss präzise hinhören.

Ein ums andere Mal haben Tobias Reisige und seine Mitstreiter im Alten Rathaus bewiesen, dass sie ihre Nummern genau so erarbeiten. Kombiniert mit einer ebenso genauen Komik und Körpersprache musste das einfach zum Erfolg führen, zumal das Ganze auch noch mit einer ebenso mitreißenden Musizierfreude einherging.

(ch)