Alsdorf: Robert Pelzer denkt noch lange nicht ans Aufhören

Alsdorf: Robert Pelzer denkt noch lange nicht ans Aufhören

Bis heute hat er keinen einzigen Viertel-nach-Acht-Film im Fernsehen gesehen. Dazu hat er gar keine Zeit. Und wenn er sie hätte, hätte er nicht die Ruhe dafür. Das wird sich vermutlich auch nach seinem 80. Geburtstag am 4. November nicht ändern. Jedenfalls hat Robert Pelzer, der seit 44 Jahren für unsere Zeitung schreibt, nicht vor, kürzer zu treten. „Ich muss fit bleiben“, sagt er.

Und das ist er, das steht außer Frage. Pelzer ist schnell, im Kopf und auf den Beinen. Unermüdlich klappert er Jahreshauptversammlungen, Schützenfeste und Spendenübergaben ab. An die 170 Termine hat er innerhalb eines Jahres.

Das allein ist aber nicht der Grund für seine Rastlosigkeit.

Der berufliche Werdegang

Pelzer engagiert sich für seine Wardener Schützen, für die Interessengemeinschaft Wardener Bürger zur Abwehr von Umweltbelästigungen und Gefahren (dazu später), in der Gemeinde St. Jakobus und springt ein, wenn irgendwo Not am Mann ist. Mit seiner offenen und ausgleichenden Art eckt er selten an. Er ist volksnah, hat zwar eine Meinung, die er auch vertritt, ist aber keiner, der provozieren oder Streit suchen würde. „Immer im anständigen Ton — damit habe ich viel erreicht“, so sagt es der Jubilar selbst.

In Mariadorf als jüngster von vier Brüdern aufgewachsen, hat er nach zweijährigem Besuch der Handelsschule eine dreijährige Verwaltungslehre bei der Gemeindeverwaltung Hoengen absolviert (1954-1957). Dort hatte er später als stellvertretender Amtsleiter Soziales die Betreuung der Flüchtlinge, der Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten, zur Aufgabe.

„Jede Woche habe ich 20, 25 Menschen am Aachener Bahnhof abgeholt“, erzählt er. „Das hat mein Leben geprägt.“ Sein großes Verständnis für die Nöte der Menschen in schwierigen Verhältnissen und seine Liebe zu Kindern sind in dieser Zeit gewachsen. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Im Gegensatz zu seinen drei Brüdern, die alle das Parteibuch der CDU hatten und wovon einer (Richard Weidenhaupt-Pelzer) der letzte Bürgermeister Hoengens war, blieb Robert Pelzer parteilos. „Ich hab mich immer neutral gehalten“, sagt er.

Nach Laufbahnlehrgängen für den mittleren und höheren Dienst wurde Robert Pelzer 1965 verbeamtet. Rund 20 Jahre blieb er an der Spitze des Sozialamts, nach 1972 im Alsdorfer Rathaus. Danach wurde er Amtsleiter des Liegenschaftsamtes. 1990 wurde er schließlich, als Ende der Karriereleiter, zum Städtischen Oberverwaltungsrat ernannt. Am 30\. November 2001 ging er in den Ruhestand.

Daneben investierte er — nach dem Umzug von Mariadorf nach Warden — viel Zeit in die St.-Jakobus-Schützenbruderschaft, deren Schützenfest er erfolgreich wiederbelebte und wo er den Klompenball einführte. In diesem Jahr wurde er zum Ehrenbrudermeister ernannt — was nicht die einzige Auszeichnung in seinem Leben war.

Er hatte zuvor beispielsweise den Silbertaler der Stadt Alsdorf und die Ehrenplakette des Landrats des Alt-Kreises Aachen erhalten. Diese sind in Pelzers Arbeitszimmer zu finden, dessen Wände über und über mit Karnevalsorden und anderen Andenken dekoriert sind, darunter auch die letzte Grubenlampe des Schwiegervaters.

Vieles stammt von seinen über 800 Auftritten im Akkordeon-Duo Schillings-Pelzer. Mit sechs Jahren hatte sich Pelzer das Akkordeonspiel selbst angeeignet. „Ich kann aber nur C-Dur. Wenn eine andere Tonart kam, habe ich einfach aufgehört und nur gesungen. Das hat keiner gemerkt“, gesteht der Jubilar und lacht.

Über 20 Jahre hat Pelzer darüber hinaus den Karnevalsabend des MGV Aachen moderiert und 25 Jahre den Bauernball der Ortsbauernschaft Hoengen organisiert — „was mir sehr weitergeholfen hat beim zum Teil schwierigen Grunderwerb für das Industriegebiet Hoengen“, erzählt Pelzer mit Blick auf seine Tätigkeit im Liegenschaftsamt.

Ebenfalls eine Herausforderung, aber vergleichsweise aussichtslos, war der Kampf gegen die Mülldeponie. Quasi über Nacht und ohne Beteiligung der Bevölkerung sei damals der Beschluss für den Standort getroffen worden; als das die Runde machte, war Pelzer einer der ersten, der sich zur Stelle meldete und die Interessengemeinschaft mitgründete. Deren Geschäftsführer ist er bis heute.

„Wir haben damals noch versucht, die Deponie nach Aldenhoven verschieben zu lassen, aber das war nicht durchführbar. Wegen des Wasserschutzgebietes“, sagt Pelzer. Aber: Immerhin sei es gelungen durchzusetzen, dass die Deponie erst nach Fertigstellung der Umgehungsstraße K10 eröffnet wurde. „Und der Betreiber AWA teilt uns bis heute jede anstehende Veränderung mit“, sagt Pelzer nicht ohne Stolz.

Wovon er träumt

Am Akkordeon hat er gedichtet: „Mit 17 hat man noch Träume.“ Und welche Träume hat man mit 80? Pelzer überlegt. „Im Rückblick muss ich sagen, ich wundere mich selbst, dass ich das gesundheitlich alles so geschafft habe. Ich kann mir das nur mit dem tollen Rückhalt meiner Familie erklären.“ Und schaut zu seiner Frau Regina (77). Und seine Tochter, Marietta, die mit ihrem Mann und Sohn Marius nebenan wohnt, sei wie „ein Sechser im Lotto“.

Die Träume? „Solange weitermachen, wie es geht“, sagt Pelzer knapp. Dann muss er los, der nächste Termin drängt.

Robert Pelzer feiert am Freitag, 4\. November, seinen 80\. Geburtstag. Zwischen 11 und 14 Uhr gibt er zu Hause, an der Goethestraße 205, einen kleinen Empfang.

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