Würselen: Rick Takvorian als Talkgast bei Kulturreihe „Schwarz auf Weiß”

Würselen: Rick Takvorian als Talkgast bei Kulturreihe „Schwarz auf Weiß”

Er koordiniert nicht nur Kunst in Aachen und in der Euregio, sondern ist selbst ein vielseitiger Künstler.

Dafür trat der in Massachusetts geborene Rick Takvorian, Leiter des Veranstaltungsmanagements in der Kaiserstadt, bei der Kulturreihe „Schwarz auf Weiß” den Beweis an. Offen stellte er sich den Fragen des gut vorbereiteten Moderators Ralf Pütz. So gestaltete sich für das Publikum ein gleichermaßen interessanter und unterhaltsamer Abend. Denn Rick Takvorian, der von sich behauptet, ein emotionaler Mensch zu sein, ist kein Kind von Traurigkeit.

Nach seinem Beruf gefragt, antwortet der Manager in Sachen Kultur, der in den USA und in Paris Literatur- und Theaterwissenschaften sowie Französisch studiert und seine „deutsche Frau aus Aachen” an der Universität in Massachusetts kennengelernt hatte, kurz und bündig: „Kultur!” Musik und Reisen spielten in seinem Leben eine große Rolle. Weil ihn die französische Literatur reizte, sei er nach Paris gegangen. Was zur Folge hatte, dass der „Macher” des Aachener Schrittmacher-Festivals, das schon bald seine 18. Auflage in einer Fabrik in Aachen und im Theater Heerlen erleben wird, Europa und am Ende Aachen zu seiner neuen Heimat machte.

Schließlich landete Rick Takvorian in Aachen am Ludwig-Forum, dem Museum für zeitgenössische Kunst. Dort entwickelte er die Idee von der Verleihung eines Innovationspreises Kunst. „Ich sprach den großen Mäzen Peter Ludwig darauf an. Nach einer Nacht Bedenkpause gab er seinen Segen.” Seit 2002 wird der mit 10.000 Euro dotierte Preis von der Ludwig-Stiftung jährlich an darstellende innovative Künstler verliehen. Es gehe darum, „die Arbeit von Künstlern zu würdigen, die ihre Kunst neu definiert haben”. Über diese Schiene gelang es Rick Takvorian, auch den Gründer und ehemaligen Frontsänger der englischen Rockgruppe „Genesis”, Peter Gabriel, nach Aachen zu holen. Seine Augen leuchteten, als er von den Begegnungen mit diesem Weltstar erzählte. Für musikalische Crossover-Projekte machte sich der Interviewgast von Ralf Pütz ebenfalls stark.

Legendär in Aachen ist mittlerweile „Ricks Café”. Mit Ausnahmemusikern aus der Euregio („Die gibt es hier!”) führt er im „Alten Zollhaus” nicht nur Gespräche, sondern musiziert auch mit ihnen. „Das ist die Bedingung, wenn sie auf die rote Couch” kommen wollen.” Auch in Würselen griff der Talkgast zur Gitarre.

Das „Schrittmacher-Tanzfestival” ist seine große Nummer, obwohl er selbst ein schlechter Tänzer sei. Über seine journalistische Tätigkeit habe er in Köln den Zugang zur Kunst des Tanzes gefunden. „Wenn man sich auf die Tanzkunst einlässt, dann hat man auch etwas davon.” Als Kulturmensch schätze er sich glücklich, in der Euregio leben zu dürfen. „Ich bin überzeugt davon, dass es noch viele unbekannte darstellende Künstler in der Euregio gibt.”

Rick Takvorian und seine Frau machten sich auch einen Namen als Übersetzer. Sie übersetzen erst für einen englischen und dann für einen amerikanischen Verlag deutsche Werke ins Englische, als erstes ein Buch der DDR-Regimekritikerin Christa Wolf. „Wir rangen um jedes Wort”, schilderte der Kulturmensch mit den vielen Facetten. Dafür fehle ihm heute die Zeit.

Wichtig sei ihm, dass er als Vater einer 21-jährigen Tochter und eines 17-jährigen Sohnes neben seinem Beruf mit seinen vielen Abendterminen immer noch Zeit für die Familie finde. Schließlich stellte Ralf Pütz die Frage nach der Religion. Takvorian: „Ich bin ein spiritueller Mensch. Dass ich glaube, bedarf keiner Frage.” Woran er glaube, ändere sich allerdings von einer zur anderen Phase des Lebens. Kirche habe in seinem Leben eine große Rolle gespielt, heute jedoch nicht mehr so. Rick Takvorian sehe den Sinn seines Lebens darin, anderen Menschen etwas zu geben, in Form von Kunst.

Keine karnevalistische Ambitionen zu haben, gestand er offen ein. Seine Begründung: „Wenn man nicht hier geboren ist, bleibt man Außenseiter.” Trotzdem sei der Karneval für ihn ein Kulturphänomen. Der leidenschaftliche Sänger freut sich schon auf sein nächstes Konzert mit der Bass-Ikone Peter Sonntag, der bereits Ende der 1970er Jahre aufgrund seiner Experimentierfreudigkeit ein Highlight in der Rock- und Jazzszene war.