Würselen: Richtfest der Wohnanlage für betreutes Wohnen am Lindenplatz

Würselen: Richtfest der Wohnanlage für betreutes Wohnen am Lindenplatz

Lange dauert es nicht mehr, dann ist die Wohnanlage am Lindenplatz fertig. Ende des Jahres sollen die ersten beiden Gebäude bezugsbereit sein. Im Würselener Zentrum entstehen 18 Einheiten für ein „betreutes Wohnen” und 14 Tagespflegeplätze.

Nun feierten Planer von der Würselener Stadtentwicklungsgesellschaft (SEW), die Stadtverwaltung, Architekten, Handwerker und der künftige Mieter das Richtfest.

Die Besonderheit der Anlage: Zwischen 1875 und 1925 stand an dieser Stelle eine Synagoge. Diese wurde damals von der jüdischen Gemeinde geschlossen, nicht von Nationalsozialisten. Zwei erhaltene Giebelwände der Synagoge wurden in den Neubau integriert. „Wir wollen die Giebelwände noch ins richtige Licht setzen”, sagt SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen. Die historischen Relikte sollen angestrahlt werden. Zudem plant man die Geschichte des Hauses - mittels einer Vitrine oder Informationstafel - zu erklären.

„Städtebaulich aufwerten”

Im Vorfeld hatte es einen Disput darüber gegeben, ob man damit der Historie ausreichend Rechnung trage. Für Bürgermeister Arno Nelles ist das gelungen. „Was hier an Relikten jüdischen Lebens gefunden wurde, wurde erhalten”, sagt er. Das erschwerte die Abrissarbeiten, die „zu Fuß” erledigt werden mussten, um die Giebelwände nicht zu beschädigen. Man habe den Umbau in enger Zusammenarbeit zwischen Stadt, SEW, der Unteren Denkmalbehörde, dem Landeskonservator und dem „Jüdisch-Christlichen Arbeitskreis” realisiert.

Zudem sei es gelungen, den Lindenplatz „städtebaulich aufzuwerten”, sagt Nelles. Bevor der Umbau begann, habe es an dieser Stelle einen „Schandfleck” gegeben, sagt Zitzen. An der ehemaligen Synagoge stand ein Anbau, darin war eine Spielhalle. Das angrenzende Einfamilienhaus war „unterwohnt”. Zudem gab es ein „islamisches Gebetshaus”, das „von der Polizei geschlossen wurde”.

Hinter dem Seniorenwohnzentrum plant die SEW, ein weiteres Zweifamilienhaus zu bauen, das sie im Anschluss vermieten möchte.

Nelles lobte zudem, dass man eine wirtschaftliche Lösung gefunden habe. Schließlich werden beim Umbau öffentliche Gelder eingesetzt. Zudem schaffe diese Lösung „Nachhaltigkeit” für die historischen Dokumente jüdischen Lebens. Betrieben werden das betreute Wohnen und die Tagespflegeeinrichtung vom Würselener Senioren- und Pflegezentrum St. Antonius. Geschäftsführer Joachim Classen berichtete, dass es bereits „sehr reges Interesse” an den Wohnungen gebe.

Architekt Heinz-Josef Schüller geht derweil davon aus, dass die beiden Gebäude, die vorne an der Straße liegen, bis zum Jahresende fertig sind. Beim Richtfest galt der Dank der Verantwortlichen besonders den Handwerkern, die dafür gesorgt hätten, dass der Bau zügig und qualitativ hochwertig vorangetrieben wurde.

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