Würselen: Rhein-Maas-Klinikum: Schwertbad erhält Vortritt in Bardenberg

Würselen: Rhein-Maas-Klinikum: Schwertbad erhält Vortritt in Bardenberg

Klingt gut: „Bad Bardenberg“. Die damit verbundene Vision: Immer mehr Patienten halten sich wochenlang in dem Würselener Stadtteil auf, um sich von Eingriffen oder gesundheitlichen Rückschlägen im Rahmen der Rehabilitation zu erholen und auch andere Gesundheitseinrichtungen dort zu nutzen.

„Kurgäste“ also, die zumeist mobil genug sind, um die medizinischen Einrichtungen in ihrer Freizeit zu verlassen und im Umfeld Gastronomie und Geschäfte aufzusuchen.

Auch wenn sicherlich der Ausdruck „Bad Bardenberg“ manchen schmunzeln lässt, trifft dies den Kern der anstehenden grundlegenden Veränderungen am Standort des Rhein-Maas-Klinikums Würselen (RMK). Mittlerweile geht es offenbar bei den Verhandlungen potenzieller Projektpartner nicht mehr vorrangig um das Ob, sondern „nur noch“ das Wie des weiteren Engagements der Reha-Klinik Schwertbad und der Inoges AG, welche die Aachener Einrichtung 2015 übernommen hatte.

Das Schwertbad hat bereits seine Abteilung für Psychosomatik von Aachen dorthin verlegt und arbeitet intensiv daran, sein Engagement dort auszuweiten.

Jetzt hat der Aufsichtsrat der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW), an die nach Vorstellung der Gesellschafter des RMK, also der Städteregion und der Knappschaft Bahn-See, das Areal des ehemaligen Knappschaftskrankenhauses nebst Gebäuden verkauft werden sollte, dem Schwertbad den Vortritt eingeräumt.

Sollte sich das Schwertbad mit der RMK über den Kaufpreis und die weiteren Modalitäten einig werden, so würde die SEW nur dann noch tätig werden, wenn ein Rest des Grundstücks zur Vermarktung übrig bliebe, um dort zum Beispiel barrierefreien Wohnraum zu schaffen.

SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen bestätigte auf Nachfrage diese Richtungsentscheidung. Es mache keinen Sinn, als SEW die weitere Entwicklung des Standortes zu übernehmen, wenn die Gesellschaft hierfür mangels eigener entsprechender Fachkompetenz Know-how extra einkaufen müsse. „RMK und Schwertbad sind vom Fach“, hält es Zitzen für nicht zweckdienlich, als Dritter im Bunde zwischen den beiden Partnern die stille Post zu spielen. „Wir stehen aber weiterhin Gewehr bei Fuß, wenn wir gebraucht werden.“

Die Stadt Würselen sei natürlich weiter als Genehmigungsbehörde für die Baumaßnahmen mit im Boot. Da das RMK in Teilen das Gelände weiter nutzen wolle und die Städteregion Aachen dort ihr Amt für Altenpflege und die neue Schule für Gesundheitsberufe angesiedelt wissen möchte, sollte das entsprechende Konzept mit den Plänen des Schwertbades direkt abgestimmt werden.

Zudem sei auch der Abriss von Gebäudeteilen und des ausgedienten Schwesternheims aufwendig und müsse im laufenden Betrieb der verbliebenen medizinischen Einrichtungen koordiniert werden. „Es spricht also vieles dafür, dass alles in eine Hand gelegt wird“, sagte Zitzen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der Geschäftsführer der Schwertbad GmbH, Reinhard Strauch, dass derzeit intensiv mit der RMK verhandelt werde. Auch die SEW und Würselens Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen seien einbezogen. Das Schwertbad habe verschiedene Modelle entwickelt, die geprüft werden. So ist beispielsweise eine „Zielplanung für die Rehabilitation in der Region“ Thema und würde mit anderen Anbietern besprochen.

Mit Region sei das Umfeld gemeint, das mit einem Wagen innerhalb von 45 bis 60 Minuten erreicht werden könne.

Strauch bestätigte den Zeitplan, dass das Schwertbad bis November ein konkretes Kaufangebot dem Finanzausschuss des RMK vorlegen soll, der wiederum den Gesellschaftern eine Empfehlung gibt.

Das Rhein-Maas-Klinikum will mindestens drei Millionen Euro für die Liegenschaft haben — gerne natürlich mehr, um weitere Investitionen finanzieren zu können. Knackpunkt dürfte sein, wie die Kosten für den Abriss von Gebäuden „unterzubringen sind“.

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