Rhein-Maas-Klinikum mit neuem Geschäftsführer Andreas Schlüter

Neuer Geschäftsführer im Rhein-Maas-Klinikum : Schlüter will dem Personal Atempause gönnen

Nach dem schlechten Geschäftsjahr 2018 und der Trennung von der Geschäftsführung soll das zweitgrößte Krankenhaus in der Städteregion Aachen nun etwas Ruhe bekommen. Das verspricht Andreas Schlüter, der seit einigen Tagen die Geschäfte des Rhein-Maas-Klinikums in Würselen leitet. Um wirtschaftlich zu werden, müsse sich das Haus aber weiterhin verändern.

Atempause. Ruhe. Weniger wirtschaftlicher Druck. Das sind die Dinge, die Andreas Schlüter, der neue Geschäftsführer des Rhein-Maas-Klinikums (RMK), dem Haus in Marienhöhe verordnet. Die wirtschaftlichen und personellen Turbulenzen inklusive der Trennung vom ehemaligen Geschäftsführer René A. Bostelaar haben Spuren bei den knapp 2000 Mitarbeitern hinterlassen. Auch der Ruf des Krankenhauses, räumt Schlüter ein, hat in dieser Zeit gelitten. Das soll sich ändern. „Die Mitarbeiter sollen stolz darauf sein, dass sie in einem tollen Krankenhaus arbeiten“, sagt Schlüter.

Die Worte, die der 46-Jährige aus dem Ruhrgebiet wählt, werden dem stresserprobten Personal gut gefallen. Das ändert nichts daran, dass die Aufgabe, die sich dahinter verbirgt, komplex und schwierig ist. Der wirtschaftliche Druck, der auf dem 600-Betten-Haus lastet, kommt nicht von innen. In den zurückliegenden Jahren sind Millionen investiert worden, um das RMK marktfähig zu halten.

Die Verbindlichkeiten die dadurch entstanden sind, müssen bezahlt werden. Das schlechte Geschäftsjahr 2018 war da nicht hilfreich. Endgültige Zahlen gibt es erst im März. Doch allgemein wird ein Minus erwartet. Schlüter selbst hat nur wenige Monate Zeit, um den neuen Kurs festzulegen. Als amtierender Hauptgeschäftsführer der Knappschaft Kliniken GmbH wird er nur für einige Monate als Übergangslösung an der RMK-Spitze fungieren.

Nach einer neuen Geschäftsführung für das Würselener Haus wird derzeit gesucht. Die soll dann Schlüters Kurs fortsetzen. „Wir haben gute Bewerbungen, aber es ist viel zu früh für irgendwelche Tendenzen“, sagt Städteregionsrat Tim Grüttemeier (CDU) in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender. Das Würselener Krankenhaus gehört jeweils zur Hälfte der Städteregion und der Knappschaft Bahn See.

Als tiefgreifende strategische Veränderung will Schlüter die „Jagd“ auf Patienten beenden. „Der bisherige Wirtschaftsplan basierte darauf, jedes Jahr zwischen 1000 und 2000 Patienten mehr zu behandeln. Das kann auf Dauer nicht funktionieren“, sagte Schlüter.

Stattdessen sollen die Schnittstellen zwischen starken Abteilungen verbessert werden. Lungenzentrum, Gefäßzentrum, Notfallaufnahme, dies seien medizinische Schwerpunkte des RMK in Zukunft, die maximal vernetzt und ausgebildet werden sollen. Das Krankenhaus müsse sich spezialisieren. Abteilungen und Fachbereiche, in denen andere Häuser stärker sind, könnten aufgegeben werden – wie die Geburtsstation.

„Am Ende ist das die Entscheidung des Aufsichtsrates. Meine Empfehlung ist, den Betrieb der Geburtsstation nicht mehr aufzunehmen“, sagt Schlüter. Der Markt zeige, dass Eltern heutzutage bei der Geburt eine medizinische Infrastruktur erwarten, die das RMK nicht vorhalten könne. In diesem Punkt ist er sich mit der alten Geschäftsführung einig.

Einsparpotenzial sieht Schlüter auch beim Einkauf. Das RMK könne vom Verbund der Knappschaftskrankenhäuser profitieren, um bessere Einkaufspreise zu erzielen. Außerdem sollten die Arbeitsprozesse im Haus optimiert werden, um die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter zu reduzieren. „Die Abteilungen müssen so strukturiert werden, dass ein Bett nicht vom ersten in den sechsten Stock transportiert werden muss“, sagt Schlüter.

Beide Punkte können auch als indirekte Kritik an der alten Geschäftsführung verstanden werden. Das finanziell angeschlagene Haus hätte nämlich auch schon in Vorjahren vom Knappschaftsverbund profitieren können, da es ja zur Hälfte ein Knappschaftskrankenhaus ist. Und die Optimierung der Arbeitsprozesse stand auch damals schon ganz oben auf der Masterplan-Agenda des ausgeschiedenen Geschäftsführers René A. Bostelaar. Die entsprechenden Ergebnisse sind aber wohl ausgeblieben.

Dass das RMK in absehbarer Zeit wieder in der Gewinnzone ist, daran lässt Schlüter keinen Zweifel. „Alle Knappschaftskrankenhäuser arbeiten wirtschaftlich. Das sollte uns erst recht bei diesem Haus mit 600 Betten, sehr gutem Personal und ausgezeichneter Lage gelingen.“

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