Rhein-Maas-Klinikum in Würselen investiert 55 Millionen Euro folgt

Pläne für die Zukunft : Rhein-Maas-Klinikum investiert 55 Millionen Euro

Der Blick ist optimistisch in die Zukunft gerichtet, und hinzu gesellt sich ein ordentliches Selbstbewusstsein: Von „medizinischen Leuchttürmen auf universitärem Niveau“, von einem „Maximalversorger mit universitärem Anspruch“ ist in der Pressemitteilung die Rede, die das Würselener Rhein-Maas-Klinikum am Montagabend nach einer durchaus richtungsweisenden Aufsichtsratssitzung verschickt hat. Und Interimsgeschäftsführer Andreas Schlüter spricht darin sogar vom „Anspruch auf Qualitätsführerschaft in der Region“.

Starke Worte für ein Krankenhaus, das im vorigen Jahr Negativschlagzeilen schrieb und mit knapp 3,5 Millionen Euro ein dickes Defizit in der Bilanz stehen hatte. Doch den Worten sollen Taten folgen: Mit Investitionen von insgesamt 55 Millionen Euro soll das 600-Betten-Haus auf der Marienhöhe in den nächsten Jahren fit für die Zukunft gemacht werden. So sieht es ein „Strukturplan 2025“ der Geschäftsführung vor, für den der Aufsichtsrat am Montag nach mehrstündiger Sitzung grünes Licht gegeben hat. Fließen soll das Geld in die Neugründung und den Ausbau klinischer Zentren, in moderne Gerätetechnik und den Ausbau der IT, in Sanierungen und Neubauten und nicht zuletzt in Maßnahmen für die rund 2000-köpfige Belegschaft.

Neue Chirurgie-Kliniken

„Das ist eine sehr vernünftige Zukunftsperspektive“, kommentiert Städteregionsrat Tim Grüttemeier auf Anfrage die „weitreichenden Entscheidungen“ des Aufsichtsrats, dem er selbst vorsitzt. Und betont dabei vor allem, dass man den personellen Aderlass nach dem Abgang diverser Ärzte mittlerweile kurieren konnte: „Kandidaten für alle offenen Chefarztpositionen haben sich im Aufsichtsrat vorgestellt, für alle gab es ein einstimmiges Votum.“ Damit hat das Haus, das zu gleichen Teilen der Städteregion und der Knappschaft Bahn-See gehört, nun vier neue Chefärzte an Bord – für die neuen Kliniken der Gefäßchirurgie und der Thoraxchirurgie sowie für die Lungenheilkunde und die Geriatrie.

Gestemmt werden soll das große Investitionsprojekt zum Teil durchaus in Eigenleistung. „Wir gehen davon aus, ab sofort wieder Jahresüberschüsse zu erwirtschaften“, sagt Grüttemeier. Diese Gewinne sollen dann in den Strukturplan fließen. Nur für größere Sanierungs- oder Neubauprojekte müssten wohl Kredite aufgenommen werden, was aber auch kein Problem sei. Das Krankenhaus habe relativ geringe Verbindlichkeiten, und Probleme mit der Sparkasse, die es zwischenzeitlich gegeben hatte, seien mittlerweile ausgeräumt, so der Aufsichtsratschef. Dass man im vorigen Jahr derart rote Zahlen geschrieben habe – ohne den Buchgewinn durch den Verkauf des Betriebsteiles Bardenberg läge das Defizit sogar bei 5,4 Millionen Euro –, habe auch mit Sondereffekten und Korrekturen bei den Rückstellungen zu tun. Wobei zu letzterem vor allem die Trennung vom früheren Geschäftsführer René A. Bostelaar Anfang dieses Jahres gehört, der dem Vernehmen nach eine beträchtliche Abfindung kassiert.

Während der Abschied des in der Belegschaft höchst umstrittenen Geschäftsführers die Bilanzen belastet, will man an den Mitarbeitern nicht weiter sparen. Im Gegenteil: Hatte Bostelaar noch im vergangenen Oktober 17 Kollegen während der Probezeit entlassen, wolle man nun „ein Stückweit den Druck rausnehmen“, so Grüttemeier. „Wir haben die Maxime, dass die Höher-, Schneller-, Weiter-Zeiten vorbei sind.“ Statt Patientenzahlen um jeden Preis zu steigern, sind „erhebliche Investitionen in die Mitarbeiterschaft“ vorgesehen – wozu die Aus- und Weiterbildung, Projekte zur Verbesserung der Work-Life-Balance und „zeitgemäße Arbeitszeitmodelle“ gehören sollen. Angst um seinen Job muss laut Grüttemeier keiner haben: „Wir werden eher Personal aufbauen als abbauen.“

Zehn Millionen für Geräte

Zu den „medizinischen Leuchttürmen“ soll in Zukunft zum Beispiel ein neues Gefäßzentrum gehören, in dem zahlreiche spezielle Gefäßkrankheiten behandelt werden können. Zehn Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in den Ausbau der medizinischen Gerätetechnik fließen. Unter anderem soll kurzzeitig ein zweiter Herzkathetermessplatz angeschafft und auf moderne Robotertechnik gesetzt werden. Weitere 4,5 Millionen will man in die Digitalisierung des Krankenhauses stecken. 15 Millionen Euro sind für Sanierungen vorgesehen. So soll jährlich eine Etage des Altbaus renoviert werden. Insgesamt will man bis 2025 stufenweise Zimmer für 200 Patienten erneuern. Außerdem werden der Neubau einer Cafeteria und die Umgestaltung des Eingangsbereichs geplant. Und nicht zuletzt soll der in die Jahre gekommene OP-Trakt kernsaniert und um zwei Säle erweitert werden.

Die beiden Gesellschaft jedenfalls „stehen fest zum Krankenhaus“, wie auch Georg Greve von der Knappschaft Bahn-See, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, betont: Mit den jetzt beschlossenen Investitionen mache man das Rhein-Maas-Klinikum „zukunftsfest“.