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Alsdorf: Renesas: „Ein schwarzer Tag für Alsdorf”

Alsdorf : Renesas: „Ein schwarzer Tag für Alsdorf”

„Das ist ein schwarzer Tag für die Stadt.” Helmut Klein, Kämmerer und Bürgermeisterkandidat, will es noch nicht so richtig fassen. Nichts hatte für ihn daraufhingedeutet, dass es bei Renesas im Hoengener Gewerbepark irgendwelche Schließungsabsichten gab. Kein Wunder.

Denn selbst die Betriebsleitung wurde von der Nachricht aus Japan überrascht. Die Konsequenzen aus der Schließung der High-Tech-Firma kann er noch gar nicht richtig übersehen. Jedenfalls so viel, dass es nicht bei 520 Arbeitslosen bleiben wird. Schließlich sieht er eine größere Anzahl von in zweiter Reihe betroffenen Firmen.

Eine „dicke Nummer” sei zu verkraften, empört sich Bürgermeister Wolfgang Schwake und sucht das Gespräch mit der Betriebsleitung.

„Tränen sind ausgebrochen”

Die Belegschaft wird am Mittwoch informiert, dass per 30. September die Produktion stoppt. Unwiderruflich. Ein Schock für alle 520 Beschäftigten, nicht nur für den Betriebsratsvorsitzenden Detlef Herpers und seine Stellvertreterin Heidi Peschke. „Tränen sind ausgebrochen”, berichtet Herpers von Reaktionen unter der Belegschaft. Er macht einen hilflosen Eindruck: „Die Region, die sieht nicht so aus, dass wir genügend Arbeitsplätze zur Verfügung haben.”

Eine „möglichst faire Lösung” strebe das Unternehmen für die vor der Entlassung stehenden 520 Menschen an, deren Altersdurchschnitt unter 40 Jahren liegt. Betriebsleiter Michael Andrae fällt das Sprechen über die bevorstehende Schließung schwer. Er wirkt noch wie benommen. Schließlich steht über Nacht auch seine Zukunft in den Sternen. „Besonders am Herzen liegen uns die 18 Auszubildenden”, sagt er. Fünf von ihnen seien gerade vor zwei Wochen eingestellt worden. Die Azubis müssten auf jeden Fall ihre Ausbildung zu Ende führen können.

Wie eine „wirkungslose Reparaturkolonne”

Als Landrat Carl Meulenbergh die Hiobsbotschaft erfährt, räumt er für den Abend andere Termine beiseite, um mit der Betriebsleitung darüber zu reden, wie es nun weitergehen könne. Wie die Belegschaft in Arbeit zu vermitteln sei, wie ein Interessent für das Gebäude gefunden werden könne. Mit von der Partie: Wirtschaftsförderer Axel Thomas. Der nimmt kein Blatt vor den Mund. Man komme sich vor wie eine „wirkungslose Reparaturkolonne”.

NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau reagiert in Düsseldorf auf die Nachricht aus Alsdorf pikiert. Ist er doch noch unlängst mit einer Delegation in Japan gewesen. „Keine Signale auf Schließungen” habe er erhalten, versichert der SPD-Landtagsabgeordnete Hans Vorpeil, den das Thema am Mittwoch trotz einiger nebenher laufender Kampfabstimmungen im Parlament heftig umgetrieben hat. „Man wollte auf Dauer ein festes Standbein in Europa haben”, erinnert sich Vorpeil an die Anfänge, die - damals noch - Mitsubishi mit 90 Millionen D-Mark versüßt wurden.

Für die Landesregierung sei klar: Die japanische Mutter stehe gegenüber der Belegschaft und ihrem beruflichen Schicksal moralisch in der Pflicht und müsse sich auch um die Weitervermarktung der Immobilie kümmern.