Gelbe Tonne oder Sack?: Regioentsorgung sieht Wunsch der Würselener Politik kritisch

Gelbe Tonne oder Sack? : Regioentsorgung sieht Wunsch der Würselener Politik kritisch

Der politische Wille ist klar: In der Stadt Würselen sollen die Bürger möglichst bald zwischen gelbem Sack und gelber Tonne wählen dürfen. Mit dem am 1. Januar 2019 in Kraft tretenden neuen Verpackungsgesetz besteht die Chance dazu, dies für die Zukunft auch durchzusetzen. Aber ganz so einfach ist die Sache nun doch nicht, wie jetzt im Technik- und Bauausschuss deutlich wurde.

Grund: Der Zweckverband Regioentsorgung, der nach Vorstellung der Stadt Würselen durch den Stadtrat ermächtigt werden soll, für die Kommunen (wie auch für alle anderen im Zuständigkeitsgebiet) die Modalitäten zu verhandeln und zu regeln, sieht die Einführung der gelben Tonne — und wenn es nur als Wahlmöglichkeit sein soll — kritisch. Stephanie Pfeifer, Projektleiterin der Regioentsorgung und auch mit Unternehmensstrategie befasst, sagte in der Sitzung des Fachausschusses: „Bei gelben Tonnen sind Fehlwürfe schwerer nachvollziehbar.“

Heißt: Während im recht transparenten gelben Sack eher Müll, der nicht dort hineingehört, bei der Abfuhr erkennbar ist, müsste der Müllwerker bei der Tonne schon vor Ort ordentlich wühlen, um zu entscheiden, ob der Inhalt korrekt ist oder die Tonne stehen bleibt. Laut Pfeifer wollten und müssten aber „die dualen Systeme rigoroser kontrollieren, da sie die Verwertungsquoten erfüllen müssen“. Das würde dazu führen, dass den Kommunen, aus deren Beritt verstärkt durchmischter Müll in der gelben Tonne angeliefert werde, der damit bei der Entsorgung/Verwertung hervorgerufene Mehraufwand konsequenter in Rechnung gestellt werde — so auch Würselen.

Hinzu komme, dass die Regioentsorgung in den anstehenden Verhandlungen mit Blick auf den Aufwand und die Finanzen gerade im Interesse der Kommunen auf einheitliche Regelungen abziele. „Es wird bei der Vielschichtigkeit der Politik eine Herausforderung, zu einer Meinung zu gelangen“, so Pfeifer.

Womit — salopp formuliert — klar sein dürfte, dass die gelbe Tonne in Würselen noch längst nicht „im Sack“, also ausgemachte Sache ist.

Ungeachtet dessen machten Sprecher der Fraktionen deutlich, dass sie an einer Wahlfreiheit zwischen gelbem Sack und Tonne festhalten. Allerdings ging es bei dem Votum des Ausschusses nicht um die Inhalte der Verhandlungen mit dem Systembetreiber, die die Regioentsorgung führen soll, sondern lediglich um die grundsätzliche Ermächtigung dazu und den damit verbundenen Aufgaben, Rechten und Pflichten.

Die aktuelle Abstimmungsvereinbarung zwischen der Stadt Würselen und dem Systembetreiber Bellandvision endet am 31. Dezember 2019. Nun werden im kommenden Jahr Ausschreibungen erfolgen und neue Abstimmungsvereinbarungen ab 2020 diskutiert.

In Würselen waren zuletzt die Probleme mit dem gelben Sack ausgiebig diskutiert worden, nachdem sich Bürger über bei Wind herumfliegende Leichtverpackungen beschwert hatten. Bislang war mit dem Systembetreiber aber eine Einführung der (wahlweise) gelben Tonne nicht realisierbar, weil dieser auf Einhaltung der bestehenden Verträge gepocht hatte. Das wird nun anders.

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