Nordkreis: Reformationstag: Evangelische Gemeinden laden zum Gottesdienst

Nordkreis: Reformationstag: Evangelische Gemeinden laden zum Gottesdienst

500 Jahre Reformation — ein Grund zum Feiern für die evangelischen Gemeinden des Kirchenkreises Aachen. Insgesamt 14 Gottesdienste werden in dessen Wirkungskreis am Dienstag, 31. Oktober, angeboten — mit besonderer Musik, Kinder-Aktionen, gemeinsamem Essen und intensivem Austausch.

Die evangelischen Nordkreisgemeinden Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen laden am Reformationstag um 11 Uhr zum Jubiläumsgottesdienst mit Abendmahl im PZ des Gymnasiums Baesweiler, Otto-Hahn-Straße 16, ein.

Die Predigt zum Thema „Gnädig sein“ hält Pfarrer Jochen Gürtler aus Baesweiler. Gemeinsam mit ihm werden den Gottesdienst gestalten: Pfarrerin Petra Hartmann, Mariadorf, Pfarrer Harry Haller, Würselen, Prädikant Erhard Lay, Merkstein, und Pfarrer Joachim Wehrenbrecht, Herzogenrath. Den musikalischen Part übernehmen der Posaunenchor Hoengen-Broichweiden unter Leitung von Dr. Harmut Engelbrecht und der Martin-Luther-Chor aus Merkstein unter Leitung von Heinz Dickmeis. Markus Lind, Baesweiler, wird den Gemeindegesang am Flügel begleiten.

Parallel zu diesem Gottesdienst findet eine Kinderkirche „Rund um Luther“ unter Leitung von Ulrike Gutmann, Mitarbeiterin der Kinderkirche in Würselen, und Heinz Wolke, Jugendreferent der Christusgemeinde Alsdorf, statt. Ein Grußwort der Katholischen Kirche wird Ferdi Bruckes, Pfarrer der Katholischen Gesamtgemeinde St. Marien Baesweiler, sprechen.

Nach dem Gottesdienst sind alle zu einem Sektempfang und Imbiss eingeladen.

Warum die Wahl des Veranstaltungsortes nicht auf die Friedenskirche Baesweiler fiel, sondern auf das Pädagogische Zentrum? „Hier haben wir über 450 Plätze und damit erheblich mehr Raum als in unserer Kirche“, erklärt Pfarrer Jochen Gürtler. Das Thema seiner Predigt hätte passender nicht sein können. Es geht um die Gnade Gottes und um „Gnädig sein“ in der heutigen Zeit.

Luther selbst wurde von quälenden Gedanken heimgesucht, etwa der Angst vor ewigen Höllenqualen. Die große Wende erlebte der Reformator beim intensiven Studium des Römerbriefes, in dem es heißt, dass Gott sich eines Menschen aus reiner Gnade erbarmt — ohne Wenn und Aber. Luther erkannte, dass der Mensch allein aus Gnade und aus dem Glauben von Gott angenommen wird.

Diese Erkenntnis stand im krassen Gegensatz zum damaligen Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche. Menschen wurde versprochen, dass sie durch den Kauf von Ablassbriefen einen verstorbenen Angehörigen oder sich selbst vor ewigen Höllenqualen retten könnten.

Ist die Zeit — 500 Jahre nach Martin Luthers Kirchengründung — reif für eine neue Reformation? „Kirche ist stets reformbedürftig und muss sich immer wieder neu auf das Wort Gottes hin orientieren. Da darf es keinen Stillstand geben“, sagt Prädikant Erhard Lay. „Wir müssen neue Wege finden, Menschen für das Evangelium zu begeistern und ihnen Hilfestellungen geben, das Wort Gottes in ihrem Alltag zu verankern.“

Dies sieht Pfarrer Harry Haller ähnlich: „Kirche muss den Mut haben, auch mal andere Weg zu gehen und Menschen dort aufzusuchen, wo sie sich gern aufhalten. Dies gilt sowohl für die Kinder- und Jugendarbeit als auch für die Arbeitswelt der Erwachsenen und den Alltag von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen.“

Pfarrerin Petra Hartmann liegt vor allem auch die Kinderkatechese am Herzen. „Gemeinsam spielen, erzählen, singen und beten: All das schafft ein Fundament, für das sich jeder Einsatz lohnt.“

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