Rechtsextremismus ist Thema in Herzogenrath

Vortrag : Rechtsextremismus ist Thema in Herzogenrath

In Herzogenrath wird Michael Klarmann am Donnerstag im Pfarrheim von Sankt Willibrord einen Vortrag halten, der intensiv die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die regionale rechte Szene beleuchtet.

Michael Klarmann recherchiert seit knapp 20 Jahren zum Rechtsextremismus im Raum Aachen. Die Zeiten einer noch aktiven „Kameradschaft Aachener Land“ hat er ebenso hautnah miterlebt wie zahllose Kundgebungen, Entwicklungen und Strategiewechsel der extremen Rechten. Diese Arbeit birgt ein hohes Risiko – Klarmann riskiert bei seiner Arbeit fortwährend seine eigene Gesundheit. Öffentliche Auftritte sind bei ihm eher rar gesät, die Sicherheitsvorkehrungen müssen entsprechend ausgeprägt sein.

In Herzogenrath wird der Publizist am Donnerstag Abend im Pfarrheim von Sankt Willibrord einen Vortrag halten, der intensiv die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die regionale rechte Szene beleuchtet. In Kooperation haben das „Bündnis gegen Rechtsradikalismus“ sowie die Naturfreunde Merkstein sich für eine gemeinsame Aktion gegen Rechts entschieden. Die Stadt unterstützte in Person von Bürgermeister Christoph von den Driesch das Vorhaben von der ersten Minute an. Unter dem Motto „Wäret den Anfängen“ möchte man der Thematik, die laut allen Beteiligten kein akutes Problem in Herzogenrath darstellt, früh genug entsprechende Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Im Vorfeld der heutigen Veranstaltung informierten Bruno Barth (Naturfreunde), Manfred Radermacher (Bündnis gegen Rechtsradikalismus) sowie der Bürgermeister über die Ziele des Abends. Seitdem die Kameradschaft Aachener Land 2012 offiziell verboten wurde, ist die Vereinigung verschwunden. Nicht aber die handelnden Personen – sie sind größtenteils immer noch in der Region wohnhaft. Der Bürgermeister lobte die gute Vernetzung der Stadt mit der Polizei: Ein stetiger Austausch erbringe wichtige Prävention.

Die Nachfolgeorganisationen der Kameradschaft (Partei „Die Rechte“, „Identitäre Bewegungen“ u.ä.) hätten nicht nur in der Region dafür gesorgt, dass die Hemmschwelle bei rechtem Gedankengut merklich gesunken ist. Die „moderateren“ Töne der Rechten im Fahrwasser der „Pegida-Bewegung“ finden immer mehr Einfluss in die bürgerliche Mitte. Mit Blick auf die Europawahl im nächsten Jahr und die Kommunalwahl 2020 mahnte der Bürgermeister an: „Wir können nicht vorhersagen, wer noch alles aus seinen Löchern gekrochen kommt.“

Prävention durch Aufklärung ist auch für Barth das wichtigste Werkzeug, das die Gesellschaft gegen die extreme Rechte besitzt. Herzogenrath ist in den letzten Jahren glücklicherweise von rechtsradikalen Aktionen verschont geblieben. Laut dem Bürgermeister wolle man weiter sensibilisieren, jedoch auch kein Problem herbei diskutieren, das in dieser Form in der Stadt gar nicht existiert. Der Vortrag sei laut Radermacher bei freiem Eintritt „interessant für jedermann“. Man müsse nicht studiert haben um den kurzweiligen Ausführungen von Klarmann folgen zu können.

Nachdem bereits im vergangenen Jahr Richard Gebhardt mit seinem Vortrag zum Wandel im Rechtspopulismus in Herzogenrath auf großes Interesse stieß, erhoffen sich die Initiatoren vom heutigen Abend einen ähnlichen Erfolg. Ensprechende Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz des bei den Rechten verhassten Journalisten Klarmann sind getätigt. Ab 19 Uhr geht es los.

(yl)
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