Aachen/Herzogenrath: Rammstoß im Parkhaus: Fünf Jahre Haft für Auto-Rambo

Aachen/Herzogenrath: Rammstoß im Parkhaus: Fünf Jahre Haft für Auto-Rambo

Für eine Rambo-Aktion mit einem starken BMW 320i GT in einem Herzogenrather Parkhaus gegen vereinigte Polizeikräfte kassierte Kevin N. (26) aus Kerkrade am Mittwoch happige fünf Jahre Haft vor dem Aachener Schwurgericht. Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel hatte für die in „außerordentlicher Rücksichtslosigkeit“ am 6. September 2014 begangene Crash-Aktion sogar sieben Jahre Haft gefordert.

Doch die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann machte einige Abstriche zu Gunsten des jedenfalls in Deutschland nicht vorbestraften Niederländers aus der Grenzregion. Ebenfalls wurde er nicht, wie es ursprünglich in der Anklage hieß, wegen versuchten Totschlags, sondern wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ verurteilt.

Im Verlaufe der Rambo-Aktion, die der Mann aufführte, mussten zwei Beamte der insgesamt acht an der Überwachung des zuvor in Kerkrade gestohlenen und in Herzogenrath „zwischengeparkten“ BMW zur Seite springen, um nicht verletzt zu werden. Einen Beamten traf es sogar zweimal.

Als die Polizisten vor der Parkhausausfahrt eine Sperre mit einem ihrer Wagen errichtet hatten, machte der Crash-Fahrer kurzen Prozess. Er nahm trotz gezückter Pistole eines Polizisten mit dem BMW Anlauf und raste seitlich in die Absperrung, demolierte direkte zwei Fahrzeuge, schaffte sich eine kleine Lücke.

Der Polizist sprang über eine Motorhaube zur Seite, war dort zunächst sicher. Bis der rasende Autoabholer erneut Anlauf nahm, um die Blechkisten-Barriere gänzlich zur Seite zu schieben. Da musste der Polizist erneut springen, um sich in Sicherheit zu bringen. Richter Bormann sah keinen „Tötungsvorsatz“ bei dem Angeklagten, allerdings Verletzungen der Beamten — auch eine Polizistin konnte sich nur mit einem Sprung retten — habe der Mann sehr wohl in Kauf genommen.

Kevin N. schaffte den Durchbruch und war nach der Aktion gegen 17.30 Uhr im Parkhaus bereits um 17.55 Uhr auf niederländischer Seite angekommen und von dortigen Beamten festgenommen worden, mit dem Autoschlüssel in der Hand. Der BMW war seit dem Diebstahl durch GPS überwacht worden. N. hatte zunächst versucht zu fliehen. Er werde nichts sagen, weil er „keine Kugel im Kopf haben wollte“, hatte er bei der Polizei angegeben, anscheinend gehört er einer gefährlichen Gruppe der niederländischen Auto-Mafia an.

Verteidiger Wilfried Schäfer forderte einen Freispruch, weil es außer dem Besitz des Schlüssels keine weiteren Beweise gebe. Den Schlüssel habe er mutmaßlich gefunden, bot er eine Möglichkeit an. Diese und weitere Versionen verwies die Kammer ins Reich der Fantasie und verurteilt Kevin N. zu der genannten Strafe.

Dafür brachte N. wiederum überhaupt kein Verständnis auf und begann, das Gericht noch während der Urteilsverkündung zu beschimpfen. Den Gesamtschaden an drei Polizeifahrzeugen und vier Privat-Pkw bezifferte die Anklage auf rund 60.000 Euro.

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