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Alsdorf: Rätsel um die Entstehung Wardens ist weiter ungelöst

Alsdorf : Rätsel um die Entstehung Wardens ist weiter ungelöst

Für das Jahr 1990 hatten die Vertreter der Vereine und der Pfarre St. Jakobus in Warden Großes vor: die Planung des 700-Jahr-Jubiläums ihres traditionsreichen Ortes.

Doch nach eingehender Beratung rückte man von diesem riskanten Vorhaben ab.

Riskant war es deshalb, weil die erste urkundliche Erwähnung von Warden damals nicht mehr unzweifelhaft für das Jahr 1290 festgemacht werden konnte. Es sprach nämlich auch einiges dafür, dass Warden schon 1223 in einer Schenkungsurkunde des mit dem Nachbarort Hoengen eng verbundenen Norbertinerstiftes Heinsberg erwähnt wurde.

Doch die Wissenschaft, die aus Zweifel zur Erkenntnis kommt, schreitet fort. Und sie schiebt vermutlich neue Wahrheiten auch wieder korrigierend zur Seite. Ein erster Zweifel hinsichtlich der Urkunde von 1223 kam dem Wardener Reiner Spiertz, der derzeit ein Buch über die Muttersprache seines Heimatortes verfasst. War mit dem Ort „Werde” in der Schenkungsurkunde wirklich die spätere Freie Herrschaft Warden im Herzogtum Jülich gemeint? Spiertz Zweifel sollten sich als richtig erweisen.

Des Rätsels Lösung lieferte der an der Aachener Hochschulbibliothek tätige Regionalhistoriker Günter Breuer (Würselen). Nach genauer Auslegung der Urkunde kam der vom Alsdorfer Geschichtsverein um Rat gefragte Breuer zu der Auffassung: Das 1223 genannte „Werde” ist nicht der heutige Alsdorfer Stadtteil Warden.

Es handelt sich vielmehr um ein (heute nicht mehr existierendes) kleines Weiler in einem Wald südlich von Roermond. Untermauert wird die aus dem Urkundentext hervorgehende These durch eine von Breuer beigelegte Karte der niederländischen Provinz Limburg aus den Jahren 1837 bis 1844. Da entdeckt man zwischen St. Odilienberg und Montfort ein heute nicht mehr existierendes Dörflein aus drei Gehöften namens „De Wart” - eben jenes frühere „Werde”. Die Moral von der Geschichte? Warden hätte 1990 doch sein Jubiläum feiern sollen.

Oder doch nicht? Breuer: „Es könnte sein, dass Warden schon vor 1290 in einer Urkunde erwähnt ist.” 1290 war ein „Heinrich von Warden” in der Ritterliste des Deutschen Ordens in Siersdorf ausgewiesen. Vielleicht, so Breuer, löst sich das Rätsel im fernen Wien. Denn dort lagert das Zentralarchiv des einstmals mächtigen und auch in der Jülicher Region mit Ländereien bestückten Deutschen Ordens.