Herzogenrath: Radschnellweg: Kritik schon vor der Machbarkeitsstudie

Herzogenrath: Radschnellweg: Kritik schon vor der Machbarkeitsstudie

Er könnte einmal — eine genaue Trasse steht noch nicht fest — unter anderem von Herzogenrath-Mitte die Bahnstrecke entlang über Straß, Pannesheide in zwei möglichen Varianten an Bleierheide vorbei nach Kerkrade führen.

Den bislang angepeilten Verlauf eines Radschnellwegs nahmen auf Einladung der Naturfreunde Merkstein und mit großer Anteilnahme auch von SPD-Mitgliedern und Vertretern von Linken und Grünen, die die so genannte „Gestaltungsmehrheit“ bilden, jetzt rund 40 Interessierte ins Visier. „Vor Ort ist einfach vieles besser zu erklären und nachzuvollziehen“, meinte Bruno Barth, stellvertretender Vorsitzender der Naturfreunde. Schon am Startpunkt der Exkursion, der Eisenbahnbrücke über die Schütz-von-Rode-Straße, übten Barth und Naturfreundin Marika Jungblut Kritik an der Grobplanung.

So benötige die Trasse auf Höhe der Bahnlinie am bisher vorgesehenen Zielpunkt „Am Schürhof“ eine ausgefeilte und teure Brückenkonstruktion, um die Radautobahn hier wieder auf Straßenniveau kommen zu lassen. Gut 300 Meter weiter, auf bislang freiem Feld, spannten Barth und Jungblut ein sechs Meter langes Absperrband, um die Dimensionen eines Radschnellweges zu verdeutlichen.

„Wir haben eine Mindestbreite von vier Metern plus mindestens zwei Meter Randstreifen“, sagte Barth, „und wenn noch Fußgänger hinzukommen, die nicht auf der Radautobahn gehen dürfen, kommen noch einmal zwei Meter für den Fußweg hinzu.“ Ein Radschnellweg könne wie beschrieben schnell mal mindestens acht Meter breit sein. Das Ganze ist vorfahrtsberechtigt oder kreuzungsfrei zu planen, unterliegt nach dem Bau regelmäßigen Reinigungsintervallen und dem Winterdienst, kann auch Querungshilfen für Fußgänger durch Ampeln beinhalten und ist innerörtlich grundsätzlich beleuchtet.

„Derartige Eingriffe in die Natur sind nicht hinnehmbar, um ein ‚Leuchtturmprojekt‘ durchzuboxen“, findet Marika Jungblut. Und Bruno Barth ergänzt: „Die Planer haben die Skizzierung sicher nur vom Schreibtisch aus gemacht, ohne die Örtlichkeit zu kennen.“

Dass es sich um einen „gigantischen Raumverbrauch“ handele, darin waren sich alle Anwesenden einig, der an manchen Stellen auch dazu führe, dass Bäume am Wegesrand entfernt werden müssten und somit auch deren Biotop-Funktion wegfalle. „Wir halten die Radautobahn auf der skizzierten Trassenführung von Herzogenrath nach Aachen quer durch Wald und Flur für überflüssig, unsinnig und zum Teil ökologisch bedenklich“, schloss Marika Jungblut aus der mehrstündigen Begehung. Bruno Barth fordert indes: „Vor einer Planung für Radschnellwege sollte man die Bürger fragen, ob so etwas überhaupt gewollt ist!“

So geht es den Initiatoren der Begehung auch darum, auf die angepeilten Kosten von derzeit 15 Millionen Euro hinzuweisen, die aus (Steuer-)Mitteln des Landes NRW und der Europäischen Union kommen. Geld von der Stadt, das wissen alle Beteiligten, kann keines oder nur sehr wenig kommen, denn die Haushaltslage lässt im Moment nichts anderes zu. Angesichts der derzeitigen Situation, dass bestehende Radwege mit Blick auf den Haushalt nicht saniert werden könnten, schlug Bruno Barth abschließend vor, die vorgesehenen Landesmittel lieber nicht für die Radautobahn zu nutzen. „Denn das Geld soll aus dem Etat „Radwegebau und -ausbesserung“ genommen werden, so dass für das Instandhalten der bestehenden noch weniger Geld bleibt“, schloss er.

So gibt es schon vor der Machbarkeitsstudie eine Vielzahl an Meinungen, die so unterschiedlich sind wie die Herangehensweisen an die Begehung.

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