Herzogenrath: Radschnellweg Euregio: Jetzt wieder an der Bahn entlang

Herzogenrath: Radschnellweg Euregio: Jetzt wieder an der Bahn entlang

Jetzt werden auch die Befürworter des Radschnellwegs in Herzogenrath vorstellig: Genau 1712 seit Juni gesammelte Unterschriften überreichten Claudius Wettstein, Begründer der Bürgerinitiative „Pro Radschnellweg Aachen“, und seine Mitstreiter am Mittwoch an Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU). „Wir sammeln so lange weiter, bis der Radschnellweg gebaut wird“, kündigte er an.

Und ging hart ins Gericht mit den Gegnern, die seit Monaten Stimmung gegen das vom Land geförderte Projekt machen und dabei „erhebliche Flächenversiegelung, jede Menge Erdbewegungen zum Ausgleich der natürlichen Höhenunterschiede und Abholzungen im erheblichen Umfang“ ins Feld führen (Naturfreunde).

„Hier werden bewusst diffuse Ängste geschürt“, sagt indes Wettstein im Gespräch mit unserer Zeitung und verweist unter anderem auf eine Suggestivfrage auf dem an die Haushalte verteilten Flyer der Projektgegner: „Möchten Sie an einer (Rad-)Autobahn wohnen?“, heißt es da. „Aber mit einer Autobahn und deren Emmissionen hat ein Radschnellweg nichts zu tun“, betont Wettstein: „Im Gegenteil: Radfahrer sind leise und umweltfreundlich!“

„Nicht barrierefrei“

Mehrheitlich hatte Rodas Politik im Juni beschlossen, die ursprünglich geplante Trasse entlang der Bahnlinie zwischen Kohlscheid und Herzogenrath nicht weiter zu verfolgen, sondern stattdessen die Neustraße zu präferieren. Was Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel, Befürworter des Radschnellwegs, seinerzeit im Interview mit unserer Zeitung als „vorschnelle Festlegung“ kritisierte. Fasel befürchtete zudem planungsrechtliche und fördertechnische Probleme, da davon auszugehen sei, dass eine Wegeführung entlang der Neustraße auch niederländisches Gebiet tangiere.

Diese Bedenken wurden seitens des Landesministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr dann auch bestätigt, im September auf schriftliche Anfrage der Städteregion Aachen als federführender Behörde hin: Eine grenzüberschreitende Trasse sei „nicht förderfähig“. Zudem sei mit dieser neuen Achse der lückenlose Anschluss Richtung Merkstein nicht gegeben, die von der Politik gewünschte Verlängerung nach Merkstein als Radschnellweg des Landes somit nicht denkbar.

Überdies wird ein negativer Einfluss auf die erforderliche Mindestnutzung längerer Abschnitte befürchtet. Und vor allem: Wegen der dann deutlich über sechs Prozent liegenden Steigung an der Aachener Straße sei diese Lösung nicht barrierefrei. Alles Argumente, die letztlich gegen eine Einstufung als Radschnellweg des Landes sprächen, so das Ministerium.

Ein Umdenken bei Rodas politischer Mehrheit war also vonnöten. Überzeugungsarbeit sollte Ministeriumsvertreter Peter London bei einem interfraktionellen „Arbeitsgespräch“ leisten. Die Ergebnisse der Beratungen, die seitens der Verwaltung als „sehr konstruktiv“ gekennzeichnet werden, sind in den Beschlussvorschlag für die Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses (Donnerstag, 18 Uhr, Rathaus) eingeflossen: In der erweiterten Machbarkeitsstudie sollen die Trasse zwischen Kohlscheid und Herzogenrath entlang der Bahnlinie, die Erweiterung des Radschnellwegs nach Merkstein sowie die sichere Verknüpfung aller drei Standorte der weiterführenden Schulen in Herzogenrath untersucht werden.

„Wenn dies zum Tragen kommt, sind wir zufrieden“, sagt BI-Mitglied Ralf Homrighausen. Ihm als Jugendkoordinator im Radsportbezirk Aachen ist es vor allem ein Anliegen, Kinder in ihrer Mobilität zu fördern, sie so früh wie möglich mit der Motorik eines Fahrrads vertraut zu machen und somit letztlich auch den gefahrenträchtigen Bring- und Holverkehr vor Schulen einzudämmen: „Doch dazu bedarf es sicherer Schulwege!“ Die Trasse an der Bahn entlang wäre ein solcher — in Richtung Gymnasium.

Bürgermeister von den Driesch freut es, dass es nun durch „sehr intensive politische Abstimmung“ möglich werde, alle drei weiterführenden Schulen an Radwege anzuschließen, „zu 100 Prozent durch das Land gefördert“.

Und eine neue Brücke von Straß ins Wurmtal — die sich die Stadt Herzogenrath aus haushalterischen Grünen lange nicht leisten könnte — würde für die Radfahrer auch gebaut, ebenfalls auf Kosten des Landes.