Kerkrade/Herzogenrath: Prüfung der Seligsprechung geht weiter

Kerkrade/Herzogenrath: Prüfung der Seligsprechung geht weiter

Gut Ding will Weile haben, diese Redensart passt ziemlich gut, wenn es darum geht, dass jemand in den Kreis der Seligen und Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen werden soll. So folgt das einer Seligsprechung vorausgehende Verfahren einem genau festgelegten Ablauf, der eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Das gilt erst recht, wenn das Leben des möglichen Seligen schon so lange zurückliegt, wie das des am 19. September 1122 verstorbenen Gründers des Klosters Rolduc, Ailbertus von Antoing. Nun ist in das vom Herzogenrather Theo Kutsch 2004 beim Bistum Roermond angestoßene Verfahren zur Seligsprechung des Klostergründers wieder ein wenig Bewegung gekommen.

Eine Ailbertusfigur steht in der Abteikirche Rolduc.

In einem Schreiben beantwortet die „Congregatio de Causis Sanctorum“, die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren, des Vatikan in Rom, die Frage nach der „Gültigkeit der Befragung der Diözese bei der kirchlichen Kurie Roermond über das Leben und die Tugenden und ebenso den Leumund an Heiligkeit und Wundern des Dieners Gottes Ailbertus D’Antoing, Gründers der Abtei Rolduc“ mit „bejahend“.

Das bedeutet, dass die von der „Stichting Ailbertus Rolduc“ und dem Bistum Roermond beim Vatikan eingereichten Dokumente und Nachweise gesichtet, auf Übereinstimmung mit den geltenden Richtlinien geprüft und dem sogenannten „Congressus ordinarius“ vorgelegt wurden, wie Dr. Philipp Thull, Referent für kirchliches Recht beim Bischöflichen Generalvikariat in Aachen, auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt.

Bei dem genannten „Congressus“ handelt es sich um ein Gremium der Kongregation, zu dem unter anderem der Kardinalpräfekt, der Glaubensanwalt und der Generalrelator der Kongregation gehören. Sie entscheiden über den weiteren Verlauf des Seligsprechungsprozesses.

Der nächste Schritt ist dann die Beauftragung eines für diesen Fall zuständigen „Relators“. Seine Aufgabe ist es, die sogenannte „Positio“ (Lage) zu erstellen. „Bei der Positio handelt es sich um eine unter Hinzuziehung aller zur Verfügung stehenden Quellen in chronologischer Reihenfolge abgefasste Abhandlung über Leben und Wirken des Dieners Gottes, um den es geht, die sich vor allem auf die Übung der Tugenden beziehungsweise das Martyrium und Zeugnisse über die Heiligkeit konzentriert. Freilich geschieht dies unter wissenschaftlichem Anspruch und nach den Maßstäben der historisch-kritischen Methode“, erläutert Kirchenrechtler Thull.

Das dürfte nicht so ganz einfach sein, da es sich bei dem Gründer von Rolduc um einen historischen Fall handelt, bei dem nur auf historische Quellen und Zeugen vom Hörensagen zurückgegriffen werden kann. Die fertige „Positio“ wird dann im nächsten Schritt von fünf Historikern, die sich mit der Person oder der Zeit, in der sie gelebt hat auskennen, sowie von einer Kommission aus Theologen geprüft. Fällt sowohl die Prüfung der Positio als auch die Anerkennung der ihm zugeschriebenen Wunder positiv aus, wäre damit ein großer Schritt Richtung Seligsprechung des Ailbertus von Antoing gemacht.

Das kann jedoch erfahrungsgemäß noch einige Zeit, Jahre oder gar Jahrzehnte, dauern. Gut Ding will eben Weile haben.

(ath)
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