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Alsdorf: Protest gegen Lohnverzicht

Alsdorf : Protest gegen Lohnverzicht

Mit einer Protestaktion auf dem Anna-Gelände ging am Dienstag die Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) und dem Aachener Bauunternehmer und Innungsobermeister Georg Quadflieg in eine neue Runde.

Am Vormittag fanden sich etwa 15 Gewerkschaftsmitglieder mit ihrem Bezirksgeschäftsführer Jürgen Czech unter dem alten Förderturm ein.

Worum es ihnen ging, wurde schnell klar, als einer der Gewerkschafter auf den Turm stieg, um ein Banner zu entrollen: „Hier baut Quadflieg der ,Obermeister und seine Arbeiter besch... er”, stand dort in großen Buchstaben zu lesen.

Hintergrund der Protestaktion ist eine Betriebsvereinbarung, die die Firma Quadflieg im April mit einem Teil ihrer insgesamt 40 gewerblichen Mitarbeiter abgeschlossen hat. Darin verpflichten sich die Arbeitnehmer, im Zeitraum zwischen Anfang Mai und Ende Oktober wöchentlich 4,5 vergütungsfreie Arbeitsstunden mehr zu leisten sowie die Produktivität um 15 Prozent zu steigern.

Ein Teil der Angestellten weigerte sich, die Vereinbarung zu unterschreiben und wurde in der Folge von Quadflieg gekündigt. Die Entlassungen beschäftigen nun das Aachener Arbeitsgericht. Nachdem Quadflieg die Kündigung gegen einen seiner Mitarbeiter aus „prozesstaktischen Gründen”, wie er betonte, wieder zurückgenommen hatte, spricht die IG BAU mittlerweile von 17 Entlassungen.

„Tariflohn unbezahlbar”

Derzeit entsteht auf dem Anna-Gelände derzeit eine Wohnsiedlung mit am Ende 400 bis 500 Häusern - gebaut von der Firma Quadflieg. Die Gewerkschafter waren nun angetreten, um ihre Kollegen vor Ort auf die Situation aufmerksam zu machen und ihre Solidarität einzufordern. „Sklave zu vermieten 8 Euro”, war unter anderem auf den Umhängeschildern zu lesen, mit denen sie in Richtung Baustelle zogen.

Jürgen Czech rechnete vor: „Bei 4,5 vergütungsfreien Wochenstunden Mehrarbeit und 40 Mitarbeitern ergibt sich in einem Zeitraum von zehn Monaten ein Lohnverzicht von knapp 14.4000 Euro, die sich Herr Quadflieg in die eigene Tasche steckt.”

Für Czech ist dies ein Bruch der Tarifvereinbarungen. Besonders pikant ist für den Gewerkschafter dabei, dass Quadflieg als Innungsobermeister der höchste Vertreter des Handwerks in Aachen ist. „Außerdem”, so Czech weiter, „betrügt Quadflieg damit die Sozialkassen um gut und gerne 86.700 Euro.”

Ein sichtlich erboster Georg Quadflieg sieht die Sache freilich anders: „Ich habe oft genug gesagt: Wir können den deutschen Tariflohn nicht mehr zahlen, wir kriegen keine Aufträge.” Selbstverständlich bezahle er seine Mitarbeiter nach den tariflichen Bestimmungen.

„Das Problem ist aber, dass viele Betriebe mittlerweile billige Arbeiter aus Osteuropa beschäftigen - zum Teil illegal”, warf der den Gewerkschaftern entgegen. Der Bauunternehmer sieht sich somit zunehmend nicht mehr wettbewerbsfähig. Deshalb habe er die Schritte unternehmen müssen, um Arbeitsplätze zu erhalten, nicht um sie zu vernichten.

Arbeiter der Firma Quadflieg trafen die Protestler auf den Baustellen gestern nicht an. Während die Vertreter der IG BAU vermuteten, der Unternehmer habe sie „aus dem Verkehr gezogen”, lieferte Quadflieg eine viel einfachere Begründung: „Sie arbeiten vermutlich auf einer anderen Baustelle.”

Da die Lohntarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe jedoch gerade laufen, lässt die nächste Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten wahrscheinlich nicht lange auf sich warten.