Würselen: Projektwoche zu Rechtsradikalismus: Für mehr Vielfalt und Toleranz

Würselen: Projektwoche zu Rechtsradikalismus: Für mehr Vielfalt und Toleranz

Autor Helmut Clahsen hat die Verfolgung durch die Nationalsozialisten hautnah miterlebt. Ein Elternteil war jüdischen Glaubens, das andere Katholik. Er selbst galt in der Zeit der NS-Diktatur als „Judenbalg”.

Verarbeitet hat er seine Erlebnisse in seinem Buch „Mama, was ist ein Judenbalg? Eine jüdische Kindheit in Aachen”. Damit niemand die Greueltaten der Nazis vergisst und damit sich die Geschichte nicht wiederholt, ist er regelmäßig in den Schulen der Städteregion zu Gast, um zu erzählen.

Jüngst auch in der Albert-Schweitzer-Schule in Würselen. Eine ganze Woche lang setzten sich die Jungen und Mädchen der Förderschule mit dem Thema „Rechtsradikalismus damals und heute” auseinander.

Besonders beeindruckt hat sie dabei der Besuch des Zeitzeugen Clahsen. „Herr Clahsen ist die älteste Mumie Deutschlands, so sagt er selber. Immerhin hat er das 1000-jährige Reich überlebt und ist heute 1067 Jahre alt”, erinnert sich Lars (15 Jahre) an den Besuch des Zeitzeugen. Konzipiert hat die Projektwoche Silke Peters, Kooperationsprojekt „Demokratie stärken - für Vielfalt und Toleranz in der Städteregion Aachen”, gemeinsam mit den Lehrerinnen Eva Paul, Lena Schulze und Brigitte Walther.

Gerade junge Leute werden zunehmend gezielt von rechten Gruppierungen angeworben. Die beste Maßnahme gegen Rechtsextremismus ist eine gezielte Prävention. Aus diesem Grund macht der Kreis Aachen seit Jahren Projekte mit Kindern und Jugendlichen. „Wenn man Kinder und junge Erwachsene stark gegen Rechtsextremismus machen möchte, ist es wichtig, die jungen Leute in ihrer Lebenswelt zu erreichen”, sagt Silke Peters.

In verschiedenen Arbeitsgruppen haben die Schüler sich mit dem Thema beschäftigt. Eine Gruppe befasste sich mit dem Thema „Musik”, eine andere informierte sich ausführlich über rechte Codes und Symbole. Zudem begaben sich die Schüler auf Spurensuche in Würselen. Wo haben jüdische Mitbürger gewohnt? Was ist mit ihnen geschehen? Begleitet wurden die Jugendlichen dabei vom Arbeitskreis „Kein Vergessen”. Seit 2006 arbeiten die Mitglieder des Arbeitskreises ehrenamtlich, um an das Schicksal jüdischer Menschen aus Würselen zu erinnern.

„Wir haben auch Leute auf der Straße gefragt, was sie über diese Zeit wissen, ob sie die geheimen Symbole der Neo-Nazis kennen”, erzählt Jacqueline. Sie selbst sagt, dass sie viel Neues erfahren habe: „Als Herr Clahsen uns aus seiner Kindheit erzählte, das war sehr beeindruckend. Ich habe mir das nicht so schlimm vorgestellt”, sagt die 16-Jährige.

100 Schüler insgesamt besuchen die Albert-Schweitzer-Schule. 25 Prozent von ihnen sind ausländische Kinder. „Auch hier in Würselen, gar nicht weit entfernt, finden sich immer wieder Schmierereien mit Hakenkreuzen oder ähnlichen rechtsradikalen Symbolen. Deswegen wollten wir auch diese Projektwoche machen, in der sich die Jugendlichen intensiv auseinandersetzen. Sie haben nun einen stärkeren persönlichen Bezug zum Thema”, ist sich Lehrerin Eva Paul sicher.

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