Baesweiler: Preisgekrönte Autorin liest aus „Kinshasa Dreams“

Baesweiler: Preisgekrönte Autorin liest aus „Kinshasa Dreams“

Gespannt lauschten rund 60 Jugendliche Autorin Anna Kuschnarowa, die aus ihrem Roman „Kinshasa Dreams“ vortrug. Die Lesung war eine Initiative der Landeszentrale für politische Bildung sowie dem Verband der Bibliotheken des Landes NRW in der Alten Scheune der Burg Baesweiler.

„Eine unserer Aufgaben besteht darin, die Bürger für demokratisches Engagement in Staat und Gesellschaft zu gewinnen“, erklärte Klaus Kaufmann von der Landeszentrale.

Kuschnarowa erblickte 1975 in Würzburg das Licht der Welt. Nach ihrem Studium der Ägyptologie, Germanistik und Prähistorischen Archäologie in Leipzig, Halle/Saale und Bremen lehrte sie zehn Jahre lang an deutschen Universitäten. Heute ist sie freie Autorin und Fotografin. Für „Kinshasa Dreams“ erhielt sie Auszeichnungen wie den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2013 und den Friedrich-Ger-stäcker-Preis für Jugendbücher 2014. Auf eindrucksvolle Weise beschreibt Kuschnarowa Widrigkeiten, die Flüchtlinge aus Afrika in Europa erleben — ein sehr aktuelles Thema. „Kinshasa Dreams“ handelt von Jengo, der mit seiner Mutter bei den Großeltern in Kinshasa lebt, der Vater arbeitet im Norden des Kontinents.

Es ist eine spannende Geschichte von großen Träumen, der Kraft der Familie, von Güte, Zivilcourage, aber auch Niedertracht und Aberglaube. Jengo will einmal ein berühmter Boxer wie sein großes Vorbild Muhammad Ali werden. Sein Großvater bestärkt ihn, besucht mit ihm jene Halle, in der Ali den „Jahrhundertkampf“ ausgetragen hat, und ermöglicht ihm Trainingsstunden. Als der Großvater stirbt, hinterlässt er ihm ein wenig Geld. Jengos Vater wird von Rebellen getötet, seine Mutter verschwindet, er soll bei Onkel und Tante aufwachsen. Der Junge flieht vor Exorzismus. Er will nach Paris, wo seine Mutter sein soll. Eine leidvolle Reise beginnt, auf der er auch an radikale Islamisten gerät. Nach zwei Jahren erreicht er sein Ziel, muss sich in Frankreich aber als Illegaler durchschlagen, stets in Angst vor Entdeckung.

Bei den jungen Zuhörern herrschte Schweigen. Die bildreichen Beschreibungen Kuschnarowas zeichneten ein krasses Bild von der Lebenswirklichkeit vieler Flüchtlinge in Europa. So sah man vielen Jugendlichen ihre Betroffenheit an, und Nachdenklichkeit, die nachwirken wird.

(bk)
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