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Würselen: Potenzial zum Sparen von Energie ist groß

Würselen : Potenzial zum Sparen von Energie ist groß

Eine Vorreiterrolle soll die Stadt Würselen einnehmen, wenn es um das Thema Energieeffizienz geht. Deshalb hat sie auf Initiative von Bürgermeister Werner Breuer das „Energieleitbild Stadt Würselen” auf den Weg gebracht.

„Wir müssen heute handeln, wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern eine intakte und eine sichere, vor allem aber bezahlbare Energieversorgung ermöglichen wollen” so Breuer. In Zeiten steigender Energiepreise und einer spürbaren Veränderung des Klimas könne man sich Verschwendung nicht mehr leisten. „Wir müssen Energie effizienter einsetzen!”

Das Energieleitbild, mit dem die Weichen für Würselens energiepolitische Zukunft gestellt werden sollen, soll Maßnahmen zur Optimierung der Energieversorgung und zur Senkung des Energieverbrauchs vereinen. Als erster Schritt dazu wurde eine Status-Quo-Expertise in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Gregor Krause von der Fachhochschule Aachen und der Aachener Firma Adapton Energiesysteme erstellt. Unterstützung kommt vom regionalen Energieversorger EWV.

Dass es in Würselen ein großes Einspar- und Energiepotenzial gibt, belegt die Energiebilanz der Gegenwart. Demnach wurden 2007 in Würselen 620.000 Kilowattstunden Wärmeenergie und 176.000 Kilowattstunden elektrische Energie verbraucht.

Dabei entfielen 64 Prozent des Wärmeenergieverbrauchs auf die privaten Haushalte, pro Kopf sind das 11.900 Kilowattstunden pro Einwohner, im Bundesdurchschnitt sind es 10.100 Kilowattstunden je Einwohner. Beim Stromverbrauch sind es 34 Prozent. Die Analyse des Gesamt-Energieverbrauchs weist einen Anteil der Wärmeenergie von 80 Prozent aus.

In Würselen wurden 2007 insgesamt (ohne verkehrsbedingte Emissionen) rund 260.000 Tonnen Kohlendioxid emittiert. Pro Einwohner liegt Würselen damit unter dem Bundesdurchschnitt. Dagegen liegt - so Professor Dr. Gregor Krause - der temperaturbereinigte Pro-Kopf-Wärmeverbrauch in Würselen um 35 Prozent über dem Vergleichswert der Bundesrepublik.

Laut Breuer dürfte die Ursache dafür „in der vergleichsweise schlechten Isolierung älterer Gebäude liegen.” Es habe etwas mit der Struktur der Gebäude zu tun, die in den 60er und 70er Jahren entstanden seien, betont Krause. Der Bürgermeister schloss die städtischen Gebäude nicht aus. Auch sie wiesen einen unverhältnismäßig hohen Energieverbrauch und somit Ansatzpunkte für Sparmaßnahmen auf dem Energiesektor auf.

Dass die Stadt mit ihrem Energiemanagement bislang gute Erfolge erzielt habe, betont der zuständige Sachbearbeiter Thomas Kasnitz. Die Verwaltung habe schon viele Anstrengungen, nicht zuletzt durch das Bonus-System, unternommen. Seit 2001 habe man bei der Wärme 18 Prozent sowie bei Strom und Wasser zehn Prozent einsparen können. Wenn man mit leuchtendem Beispiel voranschreiten wolle, müsse der eingeschlagene Weg weitergegangen werden. Zumal sich laut Kasnitz die Einsparungen auch in Euro und Cent niederschlagen: 180.000 Euro pro Jahr gegenüber 2001. „Die Ideen sind vorhanden, allein die finanziellen Mittel reichen angesichts der desolaten Haushaltslage nicht aus.”

Mit der Bestandsnahme der Energiesituation soll es aber nicht getan sein. Krause: „Sie soll nicht wie zwei Drittel aller Expertisen in einer Schublade landen.” Nun müsse man an die privaten Verbraucher heran. Dass die steigenden Energiekosten sie zu Energiesparmaßnahmen veranlassen werden, davon geht er aus. Es sollen aber darüber hinaus Empfehlungen ausgesprochen werden, die sie dazu motivieren und animieren sollen. Deshalb soll in einem zweiten Schritt untersucht werden, welche Maßnahmen in naher Zukunft in Würselen umgesetzt, wo - so Breuer - moderne, sparsame Technologien zur Senkung des Energieverbrauchs eingesetzt werden können.

Dass weitere Schritte in Richtung Energieeinsparung zwingend erforderlich sind, darin ist sich die Arbeitsgruppe mit dem Bürgermeister einig. Es könnte laut Breuer für das große Neubaugebiet Mauerfeldchen eine zukunftsweisende Energieversorgung entwickelt werden. Akzente seien auch bei den Singer-Höfen möglich. Der Bürgermeister regt an, dass sich die Stadt am Programm „Energieeffiziente Stadt”, das vom Land aufgelegt worden ist, beteiligt. Bei Neubaugebieten gehöre das Thema Energieeffizienz von Anfang an ganz oben auf die Agenda.