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Nordkreis: Portugiesischer Kampfhahn braucht Liebe

Nordkreis : Portugiesischer Kampfhahn braucht Liebe

Idylle ist der einzig treffende Ausdruck für diesen Nachmittag. Die Tiere des Gnadenhofs „Arche” in Würselen-Euchen dösen zufrieden in der Sonne oder futtern ihre Näpfe leer.

Die Kinder sitzen nach getaner Arbeit an einem Tisch im Hof und knüpfen mit der Jugendgruppenleiterin Natascha Schäpers (16) bunte Freundschaftsbänder. „Kinder sind unsere Zukunft”, sagt Peter Küppers, Vorsitzender der „Arche”. Kinder sind es vor allem, die den Tieren auf dem Gnadenhof ihren Lebensabend schön gestalten, sie hegen, pflegen, streicheln. Zurzeit sind es 53 Kinder und Jugendliche, die sich - in feste Gruppen eingeteilt - wechselweise um die tierischen Bewohner der „Arche” kümmern. Hilfe, die dringend gebraucht wird.

Die siebenjährige Julia rupft zu allererst einmal das saftigste Gras von einer Wiese für ihren Jacolino aus. Jeden Donnerstag ist das Hängebauchschwein ihr Pflegetier. „Ich füttere ihn und bürste ihn und mache ihm die Hufe sauber”, erzählt sie stolz. Seit zwei Monaten hilft sie mit 14 weiteren Kindern aus der Gruppe bei der Tierpflege mit. Sie ist mittlerweile auch schon richtig fit in der Stallarbeit.

Dass alles richtig gemacht wird, dafür sorgt an diesem Tag unter anderem die 15-jährige Gruppenleiterin Laura. „Erwachsene”, sagt Peter Küppers, „halten sich aus der Tierpflege möglichst heraus, beaufsichtigen lediglich die Kinder und erledigen andere anfallende Arbeiten, die nicht direkt mit den Tieren zusammenhängen oder zu schwer für die Kinder sind.”

Eine Aufgabe, die wichtig für die Kinder ist und den Tieren, die oft ein schweres Leben hinter sich haben, gut tut. „Die Kinder sind mit ganzem Herzen dabei und entwickeln in der Gruppe ein sehr gutes soziales Verhalten. Krank sind unsere Tiere selten. Die Kinder haben wirklich heilende Hände”, meint Peter Küppers.

Dass dies so ist, dafür ist Dixi der beste Beweis. Mit 29 Jahren ist das Pferd das älteste Tier auf dem Gnadenhof. Mit einem Drehsyndrom nach zehn Jahren als Longenpferd retteten es Privatleute vor dem Schlachter und brachten es zur „Arche”. Anfangs drehte Dixi sich fast 24 Stunden immer wieder um die eigene Achse, war fast blind. Mittlerweile verbringt Dixi das zehnte Jahr auf dem Gnadenhof, und ihr geht es wieder prächtig.

Pferde, ein Esel, der portugiesische, handzahme Kampfhahn Julien, viele andere Hähne, Hühner aus Legebatterien, Gänse, Ziegenböcke und frei lebende, früher verwilderte Katzen bewohnen das rund 20.000 Quadratmeter große Areal der „Arche”. Das riesige Grundstück wird dem Verein kostenlos vom Eigentümer für die Arbeit zur Verfügung gestellt.

Jedes Tier ist vermittelbar, solange es nicht bereits drei Jahre auf dem Gnadenhof lebt. Der Verein bleibt auch bei den vermittelten Tieren Eigentümer bis zu deren Tod. So kann es auch schon mal passieren, dass ein Tier zurückgeholt wird - wie etwa Jacolino, dem es bei den neuen Besitzern gar nicht gut ging. Umso mehr freuen sich die Kinder, denn das Hängebauchschwein ist eindeutig eins der begehrtesten Pflegetiere. Jeden Tag hat das Schweinchen eine andere „Pflegemutter”.

Denn alle Kinder haben an dem Wochentag, an dem sie auf dem Gnadenhof mithelfen, ihr eigenes Pflegetier, um das sie sich neben der Gruppenarbeit individuell kümmern können. Aber auch Regeln müssen natürlich eingehalten werden. Pünktliches und regelmäßiges Erscheinen ist auf jeden Fall wichtig, „denn sonst leiden die Tiere darunter”, erklärt Küppers.