Baesweiler: Polizisten-Mangel beklagt: „1. Nordkreisforum“ zur Inneren Sicherheit

Baesweiler: Polizisten-Mangel beklagt: „1. Nordkreisforum“ zur Inneren Sicherheit

Es bleibt ein Dauerbrenner: Sicherheit und Sicherheitsempfinden. Ein lokaler und städteregionaler Fokus auf das Thema wurde beim „1. Nordkreisforum“ zu Innerer Sicherheit gelegt. Zur Diskussionsrunde in der Alten Schmiede in Baesweiler geladen hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Hendrik Schmitz.

Bürgermeister Dr. Willi Linkens zitierte eingangs aus der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistik für die Städteregion. Von 2055 Wohnungseinbrüchen in der Region entfielen auf Baesweiler „nur“ 59, damit liege Baesweiler auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie Kalterherberg. Eine sehr gute Bilanz. Dennoch sei natürlich „jeder einzelne Einbruch zu viel“.

Nicht nur der Schaden an Wertsachen sei zu beklagen, sondern auch der Schwund des subjektiven Sicherheitsgefühls, womit Linkens ein bestimmendes Thema des Abends gleich vorwegnahm. Hier seien eine stärkere Präsenz der Polizei vor Ort, aber auch lokale Beratungsangebote wünschenswert.

Hendrik Schmitz gab das Thema Sicherheitsempfinden dann auch direkt in die Runde seiner geladenen Gäste. Zunächst stellte Ludwig Voß von „Zuhause sicher“ das von ihm repräsentierte Netzwerk vor. Gerade gegen Wohnungseinbruchsdelikte könnten sich Wohnungs- oder Hausinhaber wappnen und mehr Sicherheit im Haus führe auch zu einem besseren Gefühl, gerade wenn es im eigenen Umfeld schon zu Vorfällen gekommen ist.

Die Verbindung von Wohnungseinbruchsdelikten und Sicherheitsempfinden griff Kurt Bültmann vom Bund Deutscher Kriminalbeamter auf. Er nannte den Wohnungseinbruch einen der „gravierendsten Delikte im Persönlichkeitsbereich“.

Neben Maßnahmen des Selbstschutzes sei vor allem eine verbesserte Aufklärungsquote vonnöten, um das Vertrauen in der Bevölkerung zu steigern. Der an dieser Stelle oft angeführte Mangel an Polizisten ist auch für Bültmann ein Grund für die niedrige Quote. Dieser sei aber nicht nur durch neue Stellen zu beheben. Noch öfter am Abend wurde gefordert Kriminalbeamte weniger an den Schreibtischen und mehr im aktiven Dienst einzusetzen. Gregor Golland, CDU-Mitglied im Innenausschuss des Landtages, ergänzte dazu, dass er für faktische Sicherheit wie verbessertes Sicherheitsempfinden eine härtere Strafverfolgung anstrebe.

Ein zweiter Themenkomplex befasste sich mit der Grenznähe. Die gute Autobahnanbindung der Region erschwere eine konsequente Verfolgung. Gewerkschafter Bültmann lobte in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit den belgischen Kollegen, während es mit der niederländischen Seite auf Grund anderer Priorisierung von Delikten nicht so reibungslos funktioniere.

Für die beiden Abgeordneten Schmitz und Golland ist die in NRW nicht eingesetzte Schleierfahndung das Mittel der Wahl in Grenzlagen. Hierbei können Personen ohne offensichtlichen Verdacht kontrolliert werden. Auf Zustimmung stieß dies auch bei Bültmann, der die im Zuge der Terrorabwehr kurzfristig eingeführten Grenzkontrollen als Beispiel hervorhob. Hier sei zwar kein Terrorist in die Maschen gegangen, dafür haben die Strafverfolgungsbehörden einige andere Delikte aufdecken können.

Organisierte Banden bildeten das dritte und letzte Thema des Forums. Hier bestünden Netzwerkstrukturen mit hoher Mobilität und Flexibilität, so Bültmann. Diese seien nur aufwendig und schwierig zu ermitteln. Gregor Golland geht da mit dem technologischen Fortschritt und sieht im Einsatz spezieller Software ein Mittel in diesem Bereich die Aufklärung zu verbessern. Das „predictive policing“ genannte Instrument könne anhand der Analyse bisheriger Falldaten wahrscheinliche nächste Ziele berechnen.

Zum Schluss des Forums wurde ein Fenstereinbruch mit Schraubenzieher nachgestellt. Das Netzwerk „Zuhause sicher“ hatte dafür ein Beispielfenster bereitgestellt. Danach konnten sich Interessierte aus dem Publikum noch über Sicherungsmöglichkeiten in ihrem eigenen Zuhause informieren.

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