1. Lokales
  2. Nordkreis

Podiumsdiskussion mit Professor Dr. Aladin El-Mafaalani

Viele Teilnehmer, lebhafte Debatte : Großes Interesse am Thema Integration in Würselen

Mit dieser Resonanz haben die beiden Geschäftsführerinnen der Integrationsagentur (IA) Würselen, Pelin Yigit und Catrin Renzelmann, nicht gerechnet: Rund 120 Bürgerinnen und Bürger diskutierten lebhaft und konstruktiv über die Integrationsarbeit in Würselen. Seit genau einem Jahr besteht die Integrationsagentur Würselen in Trägerschaft des Vereins „Türöffner“.

Die erste Bilan fällt aus Sicht vieler Akteure positiv aus. Das Thema „Stark für Würselen – Chancen und Herausforderungen gemeinsam gestalten“ nahmen die Teilnehmer sehr ernst. Pelin Yigit umriss kurz Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Integrationsagentur. Ein herzlicher Gruß galt Bürgermeister Arno Nelles, der diese Initiative sehr begrüßte und sich über das große Interesse an dieser Diskussion freute. Bevor Professor Aladin El-Mafaalani das Wort ergriff, präsentierte „Türöffner“ einen Film von Sabine Keller, der die „Migrationsgeschichten“ von drei in Würselen lebenden Familien zeigte.

Es war für alle Zuschauer bewegend, teils humorvoll, sehr anschaulich, diese persönlichen Berichte über Beweggründe zur Migration. Diese Themen griff Professor Aladin El-Mafaalani in seinem lebhaften Vortrag auf: Das aus seiner Sicht bestehende „Integrationsparadox“ besage, „dass gesellschaftliche Konflikte im Zusammenhang mit den Zuwanderungsbewegungen nicht dadurch entstehen, weil die Integration von Migranten und Minderheiten fehlschlägt, sondern weil sie zunehmend gelingt“. Dieser Ansatz biete einen Kontrapunkt zu momentanen gesellschaftlichen Diskussionen. In allen Einwanderungsgesellschaften beobachte El-Mafaalani diese Auseinandersetzung darüber, was die offene Gesellschaft ausmacht und wer dazu gehört. Er sehe die heutige Gesellschaft in dieser Hinsicht besser denn je zuvor. Streitkultur statt Leitkultur möchte er im Diskurs anregen. Abschließend appelliert der Soziologe, die Zukunft nicht zu vergessen: Nie sei so viel über die Gegenwart nachgedacht worden wie heute. Das Vergessen der Zukunft jedoch gehe einher mit dem Verlust von Hoffnung.

In der anschließenden Podiumsrunde kamen neben dem Referenten der Würselener Bürgermeister Arno Nelles und Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis zu Wort. Die Moderatorin des Abends, Ivy Owusu-Dartey, regte die Beteiligten an, die Situation vor Ort in Würselen zu betrachten. Catrin Renzelmann berichtete, dass die erst ein Jahr bestehende Integrationsagentur bereits viele Projekte und Prozesse angestoßen habe, „um Zugewanderten mehr Teilhabe zu ermöglichen, Begegnung zwischen Ansässigen und Zugewanderten zu schaffen und Prozesse der interkulturellen Öffnung voranzutreiben“.

Bei der Arbeitsplattform Migration, einem Zusammenschluss der Wohlfahrtsverbände in Stadt und Städteregion, sieht Heike Keßler-Wirtz eine sehr konstruktive Zusammenarbeit. Die Situation der Geflüchteten in Würselen sei laut Cagdas Türkyilmaz, Sozialhelfer für Asylbewerber der Stadt Würselen, insbesondere für Menschen mit einer Duldung aber noch sehr verbesserungswürdig.

Zum Ende der Runde wurden Chancen und Herausforderungen für die Zukunft benannt, so soll ein Runder Tisch „Integration in Würselen“ bereits im Januar 2019 starten, um alle Verantwortlichen und Betroffenen im gemeinsamen Gespräch zusammen zu bringen.

(ro)