1. Lokales
  2. Nordkreis

Nordkreis: Pilger leeren Rucksäcke voller Sorgen

Nordkreis : Pilger leeren Rucksäcke voller Sorgen

Hape Kerkeling hat es vorgemacht. In seinem Buch „Ich bin dann mal weg” schildert der Entertainer und Neu-Autor seine Reise auf dem berühmten Jakobsweg und hat damit die Bestsellerlisten erobert. Viele Leser wollen ihm nacheifern und entdecken eine alte christliche Tradition neu: das Pilgern.

Doch nicht allein das spanische Santiago de Compostela muss dabei das Ziel gläubiger Wanderer sein. Wallfahrtsorte gibt es viele - im Juni wird Aachen etwa tausende Pilger anziehen, wenn bei der Heiligtumsfahrt vier besondere Reliquien ausgestellt werden. Doch entspricht der zu erwartende Trubel in der Domstadt dem Geist des Pilgerns? Und wie kann man diesen überhaupt beschreiben?

Erfahrungsschatz

Die Katholische Frauengemeinschaft in Broichweiden organisiert bereits seit Jahren Pilgerfahrten, die Damen verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz. Neben Reisen in das bekannte Kevelaer führen sie ihre Wallfahrten zu nahen Orten wie Moresnet in Belgien oder - wie jüngst kurz nach Ostern wieder - in das kleine Kinzweiler. Zwar versprühe diese Orte nich gerade internationales Wallfahrtsflair, doch machen die Broichweidener Frauen deutlich, dass der Weg das eigentliche Ziel ist.

„Das Erlebnis beim Pilgern und dessen Sinn ist das Erlebnis der Gemeinschaft”, sagt Marlies Jungblut, die schon viele Fahrten mit organisiert hat. „Man betet und singt mit Gleichgesinnten - das hat eine unheimlich stärkende und befreiende Wirkung.”

Zwar gehören auch Kaffee und Kuchen mit zu einer Wallfahrt, doch spirituelle Dinge stehen im Vordergrund. Jungblut: „Man nimmt zu Beginn der Reise einen Rucksack voller Probleme mit.” In der Gemeinschaft könne man diesen dann mit jedem Schritt nach und nach leeren, so dass man sorgenfrei von der Wallfahrt zurückkomme.

„So eine Pilgerfahrt ist immer eine willkommene Unterbrechung des Alltags”, sagt Maria Büttgen. „Oft begibt man sich mit Sorgen und ernsten Anliegen auf den Weg und stellt dann fest, dass es viele andere Menschen gibt, die ähnliche Probleme haben. Das macht es einem selbst dann sehr viel leichter.”

Integration

Maria Büttgen hatte schon das Vergnügen, das berühmte Pilgerstädtchen Lourdes in Südfrankreich zu besuchen. Dort habe sie sich ein wenig integrierter und willkommener gefühlt als etwa in Kevelaer. „Hier in Deutschland bleiben die meisten Pilger unter sich in ihren Reisegruppe.”

Zu den bekannten Ort am Niederrhein fährt Hanni Peters bereits seit einem Vierteljahrhundert und erfreut sich jedes Mal an einem für sie besonderen Erlebnis. Für Annemarie Backes war die diesjährige Tour der Frauengemeinschaft zur Kirche St. Blasius in Kinzweiler die erste Pilgerreise.