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Trotz Corona-Shutdown: Pflegekräfteausbildung gewährleistet

Trotz Corona-Shutdown : Pflegekräfteausbildung gewährleistet

Der Corona-Shutdown hat alle Bereiche des öffentlichen Lebens erfasst. So selbstverständlich auch das Bildungswerk für Soziales und Gesundheit in Würselen. Die Schüler konnten trotzdem aufs Examen vorbereitet werden: online.

Besondere Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen – gerade in der Ausbildung für die Pflege. „Als der Shutdown für die Schulen am 16. März kam und sich abzeichnete, dass wir so schnell nicht wieder regulär öffnen können, mussten wir handeln“, erinnert sich Klaudia Robel, Leiterin und Geschäftsführerin des BSG Bildungswerks für Soziales und Gesundheit in Würselen.

Statt in die Schule zu gehen, arbeiteten die Auszubildenden zunächst einmal in den Pflegeeinrichtungen. „Ein technikbegeisterter Schüler hat uns bei den ersten Schritten unterstützt“, ergänzt Elisabeth Oelmaier, Kurs- und stellvertretende Schulleiterin. Er kannte sich mit einem Videokonferenz-Tool aus, das Lernende und Lehrende unkompliziert nutzen konnten. „Auch deshalb konnten die Auszubildenden des im Schulgründungsjahr 2017 gestarteten ersten Kurses zum Altenpfleger in diesem April ihr Staatsexamen ablegen“, ist Robel stolz. Parallel zum Handeln lernen – das ist aktuell also nicht nur Prämisse für die Ausbildung.

Seit Beginn 2020 wird nicht mehr zwischen Alten- und Krankenpflege unterschieden. Die Inhalte sind zunächst für diese beiden und die Kinderkrankenpflege gleich, und erst im letzten der drei Ausbildungsjahre inhaltlich auf den Bildungsträger ausgerichtet. „Denn grundsätzlich muss jeder zunächst eine Azubi-Anstellung in einer stationären oder mobilen Altenpflegeeinrichtung oder in einem Krankenhaus haben“, erklärt Oelmeier. Der jeweilige Träger bezahlt die Auszubildenden, Land bzw. Bezirksregierung „entlohnen“ die Schule je besetztem Ausbildungsplatz. „Wir sind eine staatlich anerkannte, aber nicht an ein Krankenhaus oder eine kommunale oder kirchliche Einrichtung angebundene Schule. Wir sind eine GmbH.“ Als Klaudia Robel und Geschäftsführer Hans Heuer die Einrichtung gründeten, hätten manche am Erfolg gezweifelt. „Wir haben mit sieben Auszubildenden angefangen und jetzt, gut drei Jahre später, ist unser im September startendes Angebot zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau mit fast 25 Teilnehmenden ausgelastet.“

Das ist Ausdruck der Anerkennung des nicht immer konventionellen Konzepts des Bildungswerks. Genau wie die mit tatkräftiger Unterstützung von Dozenten, Auszubildenden und Geschäftsführung gestalteten Aufenthaltsräume. Sie erinnern eher an ein Bistro oder ein „chilliges“ Wohnzimmer – ausgestattet mit Sofas, Billardtisch und Kicker – als an eine Bildungseinrichtung. „Ein Teilnehmer hat gesagt, wir sind seine Zweitfamilie“, sagt Robel. Kein Wunder, wenn man weiß, dass die Schule in fünf angemieteten Wohnungen eine Fünfer-, zwei Vierer- und zwei Zweier-Wohngemeinschaften anbietet. Das heißt, dort stehen teilmöblierte Einzelzimmer mit Gemeinschaftsküche und -bad sowie WLAN zur Verfügung. „Diese können auch von Teilnehmern unser Weiterbildungsangebote kostengünstig genutzt werden“, so Robel. Trotz zu Jahresbeginn angehobenem Mindestlohn in der Pflege sei die Entlohnung nicht üppig. „Eine kostengünstige Unterbringung für Weiterzubildende kann einen Arbeitgeber motivieren, ihre Angestellten die erforderlichen Bildungsangebote besuchen zu lassen.“

Online von 9 bis 15 Uhr

     Jetzt froh, wieder präsent sein zu können: Elisabeth Oelmaier (l.), stellvertretende Schulleiterin, und Klaudia Robel, Leiterin des BSG Bildungswerks für Soziales und Gesundheit in Würselen.
Jetzt froh, wieder präsent sein zu können: Elisabeth Oelmaier (l.), stellvertretende Schulleiterin, und Klaudia Robel, Leiterin des BSG Bildungswerks für Soziales und Gesundheit in Würselen. Foto: Heike Vollert

Am 20. April startete für etwa 120 Schülerinnen und Schüler in elf Kursen der Unterricht, „online von 9 bis 15 Uhr“, berichtet Elisabeth Oelmaier – und zwar auf allem, was den Schülern zur Verfügung steht: Handy, Tablet, Laptop oder Standrechner. „Wir haben aber auch schnelle Laptops angeschafft, die wir nach Vorlage einer privaten Haftpflichtversicherung verleihen oder die die Schüler unter Wahrung der strengen Hygiene- und Abstandsbestimmungen vor Ort nutzen können.“ Jetzt findet wieder in allen Kursen an je zwei Tagen in der Woche Präsenzunterricht im Bildungswerk statt, der Rest online zu Hause. „Wir vermissen euch“ – steht auf der Tafel im Bistro. „Das gilt für uns Dozenten mit Blick auf die Schüler – und umgekehrt. Und das spürt man bei jedem Wiedersehen“, wissen Robel und Oelmaier stellvertretend für das ganze Kollegium aus Erfahrung.