Pflegeberufe sollen für Abiturienten attraktiv werden

„Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit“ : Pflegeberufe sollen auch für Abiturienten attraktiv werden

Vor etwa 16 Jahren hat Thomas Kutschke als Dozent am Fachseminar für Altenpflege des damaligen Kreises Aachen angehende Altenpfleger mit dem Thema interkulturelle Pflege vertraut gemacht. Jetzt ist er zurückgekehrt, aber in neuer Funktion.

Der 51-jährige gelernte Krankenpfleger, Pflegewissenschaftler und Pflegepädagoge ist seit dem 1. Oktober Geschäftsführer der neu gegründeten Gesellschaft „Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit“ (BZPG).

In dieser Gesellschaft soll die per Gesetz ab 2020 vorgegebene „generalistische Pflegeausbildung“ umgesetzt werden. Will heißen: Die bisher getrennten Bereiche Krankenpflege-, Kinderkrankenpflege- und Altenpflegeausbildung werden dann zusammengeführt. In die neue Gesellschaft gehen zunächst – ab 1. Januar 2019 – das städteregionale Fachseminar für Altenpflege mit derzeit rund 300 Schülerinnen und Schülern sowie die am Fachseminar angesiedelte Fort- und Weiterbildung ein.

Ein Jahr später soll dann die Krankenpflegeschule des Rhein-Maas-Klinikums Würselen, an dem die Städteregion zu 50 Prozent Teilhaberin ist, mit derzeit etwa 150 Auszubildenden folgen. Für insgesamt 500 bis 600 Schülerinnen und Schüler soll das Bildungszentrum ausgelegt werden, gebaut werden soll es in Würselen-Bardenberg.

Er will die Pflegeberufe internationaler ausrichten und attraktiv für junge Leute mit Studienberechtigung machen: Thomas Kutschke, Geschäftsführer des neuen Bildungszentrum. Foto: Jutta Geese

Für seine neue Aufgabe ist Thomas Kutschke gut gerüstet: Die vergangenen 13 Jahre war er Geschäftsführer der kbs Akademie für Gesundheitsberufe in Mönchengladbach, von 2002 bis 2004 Leiter des Bildungszentrums der Kliniken Maria Hilf GmbH Mönchengladbach, und davor war er unter anderem an der damaligen Krankenpflegeschule des St. Antonius Hospitals Eschweiler und des Krankenhauses Linnich tätig. Seit 2015 ist er zudem Beauftragter des Präsidiums der Hochschule Niederrhein zur Entwicklung eines dualen Studiengangs Pflege.

Auch in seiner Freizeit spielt das Thema Pflege für Thomas Kutschke eine große Rolle: Seit zehn Jahren engagiert er sich in Berufsverbänden ehrenamtlich, unter anderem ist er Landesvorsitzender des Bundesverbandes „Lehrende Gesundheits- und Pflegeberufe“ und stellvertretender Vorsitzender des Pflegerates NRW. „Ich glaube, beides – meine beruflichen Erfahrungen und mein ehrenamtliches Engagement – haben letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass ich den Zuschlag für die Stelle erhalten habe“, sagt Kutschke.

In der Städteregion will Thomas Kutschke das, was ihm in Mönchengladbach wichtig war, fortsetzen, sagt er und zählt drei Punkte auf: erstens die Integration von Migrantinnen und Migranten in Pflegeberufe, zweitens die internationale Ausrichtung der Ausbildung und drittens das Thema Steigerung der Attraktivität der Ausbildung und damit Gewinnung von Auszubildenden mit Fachhochschul- oder Hochschulreife.

„Es gibt eine große Gruppe von jungen Menschen aus Migrantenfamilien, für die der Pflegeberuf eine Perspektive bietet“, sagt Thomas Kutschke auch, aber nicht nur mit Blick darauf, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen mit ausländischen Wurzeln wächst. Generell sei es wichtig ist, dass Pflegende um kulturelle Unterschiede wissen, um das Verhalten der von ihnen zu Pflegenden richtig interpretieren zu können.

Sein Vorhaben, im neuen Bildungszentrum Austauschprogramme zu etablieren, begründet Kutschke so: „Es weitet den Blick, wenn Auszubildende Praktika im Ausland machen und eine andere Kultur kennenlernen.“ Eine solche internationale Ausrichtung mache zudem die Ausbildung für Abiturienten attraktiv, glaubt Thomas Kutschke. Auf ein reines Studium setzt er dabei aber eher nicht. „Ich würde erst einmal über ein duales Konzept nachdenken“, sagt er „Aber der Ball liegt bei den Hochschulen.“

Gleichwohl beobachtet er genau, wie sich die Diskussion um die Akademisierung der Pflege entwickelt, aus dem Blickwinkel seines Berufsverbandes ebenso wie jetzt aus dem Blickwinkel des Geschäftsführers eines neuen Bildungszentrums, das ein hohes Interesse daran hat, dass an den Hochschulen in der hiesigen Region entsprechende Angebote aufgebaut werden.

Erste Gespräche hat Thomas Kutschke auch schon darüber geführt, ob das neue Bildungszentrum sich öffnen sollte oder sogar öffnen muss für die Ausbildung in weiteren Berufen im Gesundheitsbereich. Spruchreif ist da natürlich noch nichts. Aber, sagt Thomas Kutschke: „Ich halte es für klug, wenn das neue Bildungszentrum nicht nur eine Pflegeschule wird. Es weitet den Blick, wenn verschiedene Berufe unter einem Dach ausgebildet werden.“ In einer größeren Schule könne man auch differenziertere Angebote machen, Lehrmittel effektiver nutzen und sei attraktiver für Partnerschulen im Ausland.

Thomas Kutschke betont, dass es nicht darum gehe, bestehende Schulen zu verdrängen. „Aus meiner Verbandstätigkeit kennen ich alle Schulleiter in der Region. Jede Schule hat ihre Existenzberechtigung. Es geht mir um gute kollegiale Zusammenarbeit.“ Es geht aber sicherlich auch darum zu schauen, wo neue oder zusätzliche Bedarfe gedeckt werden können. „Ich denke, wir müssen jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um die Pflegeberufe attraktiv zu machen. Wir selbst wollen ja auch eines Tages gut gepflegt werden. Und wenn wir jetzt nichts tun, sind wir später mal die Gekniffenen.“

Dass er eine Schule aufbauen kann, hat Thomas Kutschke in Mönchengladbach gezeigt. „Als ich damals dort anfing, gab es fünf Mitarbeiter und 80 Schülerinnen und Schüler. Jetzt sind es 50 Beschäftigte und rund 500 Schülerinnen und Schüler. Und es gab damals auch eine Pflegereform.“

Eigentlich könnte er doch jetzt die Früchte seiner Arbeit dort genießen. „Aber es reizt mich einfach, nach 16 Jahren eine neue Herausforderung anzunehmen“, sagt Thomas Kutschke. „Und mit Anfang 50 bin ich auch noch jung genug.“ Dass seine neue Wirkungsstätte in Würselen deutlich näher an seinem Wohnort Engelsdorf bei Jülich liegt als Mönchengladbach und er dadurch weniger lang fahren muss, ist ein schöner Nebeneffekt für den dreifachen verheirateten Vater.

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