Würselen: Patric Heizmann räumt mit überholten Gesundheitstipps auf

Würselen: Patric Heizmann räumt mit überholten Gesundheitstipps auf

Eines ist Patric Heizmann klar: „Ihr wisst alle, wie gesunde Ernährung funktioniert.“ Und er gesteht deshalb ein: „Da habe ich nicht wirklich viel Neues.“ Aber — warum dann seine Show im Alten Rathaus besuchen?

Die Antwort darauf liefert er in den nächsten zwei Stunden mit seinem Programm „Ich bin dann mal schlank“. Und die vielen „Mhm’s“ und zustimmenden Kopfbewegungen verdeutlichen, dass er damit genau den Nerv des Publikums trifft.

Diäten und schlanke Menschen sind das Sinnbild einer jeden Frauenzeitschrift. Heizmann kennt sie alle, die Tinas, Lauras, Leas und wie sie alle heißen. Jedes Magazin mit dem Ziel, Frauen aufzuzeigen, wie sie dem Ideal nach aussehen sollten. Doch wessen Ideal ist das eigentlich? „Wenn von Ernährung und Bewegung die Rede ist, dann geht es nicht nur um Fragen von dick oder dünn, von Mode und Schönheitsidealen.“

Dafür habe das Thema zu viele Facetten. Vielmehr gehe es um „Körperbewusstsein, bewusstes Essen und Einkaufen, um Gesundheit und die Wertschätzung der Ressourcen, die wir für unser Leben benötigen.“

Mit diesem Ansatz im Gepäck springt Heizmann auf die Bühne und wechselt dort zwischen den Rollen des Entertainers, Autors und Ernährungsberaters. Mit Humor und bildlicher Sprache nähert er sich der Thematik. Es gebe kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem, denn: „Was wir tun, entscheidet unser Bauch und nicht unser Kopf.“

Zumindest nicht auf einen langen Zeitraum gesehen. Und so kommt er schnell auf den Punkt. „Erstens: Essen muss schmecken. Und Zweitens: Essen muss satt machen.“

Dann räumt er auf mit Vorurteilen und falschem Halbwissen. „Die Angst vor Fett hat uns Menschen fett gemacht.“ Viele wichtige Bestandteile für den Körper befänden sich darin, ebenso wie in Eiweiß, das auch noch den Nebeneffekt habe, lange zu sättigen. Außerdem spiele es für das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Wichtig sei hierbei die Regelmäßigkeit. „Sonst holt sich der Körper das Eiweiß woanders her — nämlich aus den Muskeln.“

Mitte des 20. Jahrhunderts verbreiteten Wissenschaftler ihre Erkenntnisse, dass Patienten mit einem hohen Cholesterinspiegel im Blut ein höheres Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkt haben. Fortan galt es, sich bewusster zu ernähren, was bedeutete: möglichst wenig Fett und möglichst wenig Eier. Doch der Erfolg blieb aus. Denn statt Eiweiß und Fett aßen die Menschen verstärkt Kohlenhydrate mit der Folge des Übergewichts.

Mit der bildlichen Erläuterung erreicht Heizmann das Publikum. Er erklärt, beantwortet Zwischenfragen, liefert Hintergründe — auch wenn er bei vielen Bereichen nur an der Oberfläche kratzen kann. Dennoch: Bei einigen schafft er es, einen Schalter im Kopf umzulegen. Mehr über den Kauf von Lebensmitteln und die Zubereitung nachzudenken. Und er versucht, Ängste zu nehmen — unter anderem vor dem noch Mitte des 20. Jahrhunderts gewarnten Ei.

Längst seien die damaligen Ansichten widerlegt und wenn ein Ei derart zahlreiche Stoffe beinhalte, dass dort ein Lebewesen heranwachsen kann, könne das Produkt doch gar nicht so schlecht sein. Heizmann wird es wissen.

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