Würselen: „Patient“ Medizinisches Zentrum auf dem Weg der Besserung

Würselen: „Patient“ Medizinisches Zentrum auf dem Weg der Besserung

Ein bisschen wehte auch so etwas wie ein Schwur durch Würselens Altes Rathaus. „Wir schaffen das, trotz schwieriger Rahmenbedingungen“, machen sich die Betreiber des Medizinischen Zentrums (MZ) in Würselen gegenseitig Mut.

Fast 135 Minuten dauerte das Erste Würselener Stadtgespräch. Es war phasenweise hart, jederzeit fair und durch die quicklebendige Moderation auch alles andere als trocken. Karl Stüber, Redakteur unserer Zeitung, hatte einen ganzen Fragenkatalog aufgetischt und (zunächst) sechs hochrangige Referenten zu Wort kommen lassen, um anschließend den „Otto-Normalverbraucher“ oder potenzielle „Kunden“ des MZ mit in die Diskussion einzubinden. Mehr als 130 Teilnehmer mochten sich die Podiumsdiskussion anhören oder sich aktiv einschalten.

Zeit für Fragen: Mitarbeiter und Patienten saßen gleichermaßen im Publikum und nutzten die Gelegenheit für kritische Fragen. Foto: Sigi Malinowski

48.000 ambulante Patienten

Informiert hatten sich die Gäste in unserer Zeitung. Foto: Sigi Malinowski

Zunächst wartete unter dem Thema „Operation MZ — Zukünftige Gestaltung der Krankenhausversorgung für Würselen und Umgebung“ dessen Geschäftsführer René A. Bostelaar mit einem fast 45 Minuten dauernden Vortrag zur Einführung auf. Beide Standorte des MZ, sowohl in Würselen-Mitte als auch in Bardenberg, haben 753 Planbetten, nehmen jährlich 26.000 stationäre und 48.000 ambulant zu behandelnde Patienten auf. Dafür sind insgesamt 1660 Mitarbeiter zuständig. Abrechnungskosten, Personalkosten und Unterhaltung der Häuser „kosten uns sehr viel Geld“, gestand Bostelaar ein.

Voller Saal: Mehr als 130 Menschen fanden zur Veranstaltung in das Alte Rathaus in Würselen. Foto: Sigi Malinowski

Er machte dies an Beispielen fest. „In den vergangenen zehn Jahren sind die Personalkosten beispielsweise für Ärzte um 40 Prozent gestiegen.“ Für etwa 500.000 Einwohner, die die Region zählt, sind — wie an anderen Kliniken auch — zu wenig Ärzte, zu wenig Personal im Einsatz. Dazu kommt, dass die Zimmer in Art und Einrichtung nicht mehr zeitgemäß sind. „Nur wenige Kliniken haben Vorzeigestandard“, erläuterte Bostelaar. Auch das mache neue Wege notwendig. Zumal die Ansprüche der Patienten steigen. „Es ist schon schwierig ein Krankenhaus gewinnbringend zu führen“, räumte er ein. Die besondere Randlage mache das noch mal schwieriger.

Der große Um- und Anbau am Standort Marienhöhe werde im Mai 2014 fertig, die Kosten dafür betragen 22 Millionen Euro. Weitere 18 Millionen Euro — so der Masterplan 2018 — sollen in Bardenberg und am Standort Marienhöhe investiert werden. In Marienhöhe sind 580 bis 600 Betten vorgesehen, das Haus in Bardenberg soll künftig mit 100 sogenannten Akut-Betten (bisher 279 Betten) ausgestattet sein.

Teilabriss der Gebäude

Neu werde das ambulante Operieren sein, und auch Ausbildungszentren für die Krankenpflege und die Altenpflege sollen eingerichtet werden. Ein Teil der Grundstücke wird verkauft, und ein Teilabriss von Gebäuden ist vorgesehen. „Das eingenommene Geld (drei Millionen Euro, d. Red.) wird wieder ins Krankenhaus Bardenberg investiert“, sagte Bostelaar.

Auf Karl Stübers Frage, „wie rot sind die Zahlen eigentlich“ antwortete Helmut Etschenberg: „Sie sind besorgniserregend, aber nicht trostlos.“ Etschenberg klang optimistisch, als er sagte: „Wir haben Perspektiven, dass wir wieder in gute Zahlen hineinwachsen“, stellte er für den Jahresabschluss 2013 die „schwarze Zahl“1,2 Millionen Euro in Aussicht. Etschenberg mahnte nochmals an, „wenn wir nichts tun hat das Haus keine Zukunft. Wir sind in der Verantwortung etwas zu unternehmen.“ Dies nimmt der Städteregionsrat so ernst, dass er auf die Frage, was er machen würde, wenn die Knappschaft aussteigt, antwortete: „Gegebenenfalls würden wir das Haus dann auch allein übernehmen.“ Außerdem betonte er, „der Masterplan 2018 ist ein gutes Konzept, so dass wir keine Beschlüsse kippen werden“.

Der Ärztliche Direktor Prof. Christoph Kosinski bejahte, dass es Probleme macht, an zwei Standorten zu arbeiten. „Das macht uns zum Teil langsam, und die Aufenthalte werden länger“. Zudem muss man sich die Frage stellen, „wie viel Personal brauchen wir?“ Dem Ärztemangel zu begegnen, sei auch eine Frage der Perspektive. „Durch die Nähe zur Aachener Uniklinik sind wir auch in dieser Hinsicht auf einer guten Seite.“ Viele Mediziner, die in Aachen studiert hätten, würden in der Region bleiben.

Klar positionieren

Dr. Lothar Franz Nossek, Allgemeinmediziner mit Diabetologischer Schwerpunktpraxis in Alsdorf und Vorsitzender der Kreisstelle Kreis Aachen der Ärztekammer Nordrhein, vertritt die Sichtweise und Interessen der niedergelassenen Ärzte im Umfeld des MZ. Er bekräftigte: „Das MZ stellt ein wichtiges Zentrum dar, mit dem viele niedergelassene Ärzte sehr gerne zusammenarbeiten.“ Nossek fügte an, „es ist nur positiv, wenn sich das MZ hier klar postiert“.

Sowohl Würselens Bürgermeister Arno Nelles als auch der Vorsitzende der Kaufmannschaft und Gewerbetreibenden in Würselen Mitte (Arge), Manfred Wirtz, machen sich keine Sorgen, dass es durch die Umstrukturierung des Bardenberger Hauses zu Kaufkraftverlust kommt. „Was der Masterplan vorsieht, wird für die Stadt Würselen positiv sein“, sagte Arno Nelles. Die neuen Ausbildungsstätten werden nach seiner Sicht „für eine gute Frequenz sorgen“.

„Ich denke, dass die Investitionen dafür sorgen, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sieht auch Wirtz den Planungen nicht pessimistisch entgegen. Denn 1600 Arbeitsplätze „sind auch 1600 Kunden für uns“.

Das Thema Arbeitsplätze und mögliche betriebsbedingte Kündigungen sowie der Abriss der Turnhalle am Betriebsteil Bardenberg, die (fehlende) Besetzung der Pforte, mögliche Schließung der Apotheke oder die Abweisung von Patienten in der Umzugsphase gehörten unter anderem zum Fragenkatalog. Die Sorge, dass Patienten abgewiesen werden müssen, entkräftete Kosinski, „ich bin der Überzeugung der Umzug wird reibungslos funktionieren“. Bezogen auf das Gesamtprojekt rief Manfred Wirtz: „Ihr schafft das!“

Was halten Sie, liebe Leser, von der Umstrukturierung des MZ? Schreiben sie uns Ihre Meinung unter www.leser-meinung.de.

(mas)
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