Herzogenrath: Pastor Michael Datené: „Kirche hat immer noch viel zu bieten“

Herzogenrath: Pastor Michael Datené: „Kirche hat immer noch viel zu bieten“

Es gebe sie zwar, Geistlichen, die über Jahrzehnte in ein und derselben Pfarre tätig seien, aber die Regel sei das nicht, sagt Pastor Michael Datené. Seinen Wohnsitz hat der 44-Jährige bereits ins Pfarrhaus an der Dürener Straße in Eschweiler verlegt. Die dortige Pfarre St. Peter und Paul ist seine neue Wirkungsstätte. Fast ein Viertel seines Lebens habe er seinen Dienst in Kohlscheid getan, sagt er. Mitte des Monats nimmt er Abschied. Im Gespräch mit Beatrix Oprée blickt er auf Erreichtes und Anstehendes.

Die Anfrage des Bistums bezüglich Ihres Wechsels nach Eschweiler kam recht plötzlich…

Datené: Meine Idee war es auf keinen Fall, ich wäre gerne in Kohlscheid geblieben. Ich hatte mir immer vorgestellt, etwa im Alter von 50 Jahren nochmal über einen Wechsel nachzudenken.

Generalvikar Andreas Frick wollte eine gute Lösung für seine bisherige Pfarre in Eschweiler ...

Datené: Andreas Frick und ich kennen uns noch vom Studium in Rom und haben den Kontakt immer gehalten. So hat der Personalchef des Bistums dann vor Weihnachten bei mir angefragt. Natürlich hätte ich auch Nein sagen können. Aber ich habe viel nachgedacht, gebetet und mit vielen Leuten gesprochen — und bin zur Erkenntnis gekommen: Es wird der Wille Gottes sein.

Überdies habe ich dem Bischof bei meiner Weihe Ehrfurcht und Gehorsam versprochen. In Kohlscheid hätte ich noch viele Dinge voranbringen können. Aber auch in Eschweiler gibt es viel anzupacken. Ich habe Wert darauf gelegt, dass es eine gute Nachfolge für die Pfarre Christus unser Friede gibt. Als ich hörte, dass Pfarrer Rainer Thoma aus Dülken im Gespräch sei, dachte ich mir, dass dies gut passen könne. Es ist beruhigend, dass die Pfarre nicht wieder mit einer Vakanz leben muss, wie es vor meinem Antritt vor fast zehn Jahren der Fall war.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Welche Entwicklung haben Kohlscheids Pfarren genommen?

Datené: Zunächst sollten die fünf Pfarren zur Gemeinschaft der Gemeinden zusammenwachsen. Dann wurden uns die Verwaltungszentren als Unterstützung nahegelegt. Schließlich stand die Fusion an, zunächst von drei Pfarren. Zum Glück sind dann letztlich doch alle fünf zusammen gekommen. Überdies waren wir Mitgründer des Kindergarten-Trägervereins „Pro Futura“, der die drei katholischen Kindergärten St. Katharina, St. Mariä Heimsuchung und St. Mariä Verkündigung verwaltet.

Dann ist da noch KIM, das Sie gerade in Angriff genommen hatten, als der Ruf nach Eschweiler kam ...

Datené: Richtig, das Kirchliche Immobilien-Management: Der Prozess in Christus unser Friede ist im Grunde abgeschlossen, unsere „Rote Liste“ mit dem Bistum abgeklärt. Vier Pfarrbüros — Berensberg, Kämpchen, Bank und Pannesheide — stehen darauf. Sie sind in die Kirchen verlegt worden, die freigewordenen Immobilien wieder vermietet. Nur für Pannesheide müssen wir noch eine Lösung finden.

Das gilt auch für das dortige Jugendheim. Das Jugendheim in Berensberg wird sich über Vermietungen selbst tragen. Auf der Liste steht auch die Hubertus-Kapelle in Pannesheide, die aber keine großen Kosten verursacht. Und natürlich die Kirchen St. Mariä Heimsuchung und St. Mariä Verkündigung. Wir sind dabei, eine Lösung zu suchen, dass weiter in jeder der fünf Gemeinden ein Gottesdienst gehalten werden kann.

Wie könnte solch eine Lösung aussehen?

Datené: Für Bank hat es eine Ausschreibung gegeben, fünf Architekturbüros haben Entwürfe zur Mehrfachnutzung der Kirchenräume eingereicht. Mit Blick auf Kämpchen gibt es Gespräche mit der evangelischen Gemeinde bezüglich der gemeinschaftlichen Nutzung von Immobilien.

Auch in Sachen Pastoral hat sich viel getan in zehn Jahren ...

Datené: Unter anderem wurden die Gottesdienstordnungen mehrfach angepasst, personelle Veränderungen und unsere zeitweise Aushilfe in Baesweiler — wir waren ja anfangs drei Geistliche, die in St. Katharina zusammen ihre erste Pfarre übernommen hatten — waren die Gründe dafür. Überdies wurde die Organisation der Messdiener neu aufgebaut, in Mariä Heimsuchung etwa gab es seinerzeit keine mehr. Jetzt hat die Gesamtgemeinde Christus unser Friede wieder 130 Messdienerinnen und Messdiener.

Die Kommunion- und Firmvorbereitungen haben wir ausgebaut, zum Schluss hatten wir ein sehr gelungenes Konzept mit vielen erlebnisreichen Veranstaltungen, die den Kindern viel gebracht haben. Dazu gehörten Besuche im Aachener Dom und in Museen, Wanderungen oder eine Wallfahrt.

Sie haben auch neue Gottesdienstformen erprobt …

Datené: Sehr erfolgreich bieten wir Familien-Wander-Messen an für Menschen aller Altersgruppen. Gemeinsam unterwegs zu sein und den Glauben zu leben, am Wochenende den Alltag mit dem Glauben zu verbinden, ist der Grundgedanke. Elemente des Gottesdienstes werden in eine Wanderung integriert, mit der Eucharistie als abschließendem Höhepunkt. Die Resonanz war immer sehr groß, es war eine sehr schöne Erfahrung. Neben der Kinderbibelwoche zu Ostern haben wir als zweites Standbein Kikifax etabliert, die Kinderkirchenferienaktion. Basteln, Spielen, Filme und ein Schlussgottesdienst stehen da auf dem Programm.

In Kooperation mit der evangelischen Gemeinde haben wir rund neun Jahre lang ein Schulbibelprojekt angeboten, mit Aktionen zu biblischen Themen. Das Ziel: Die Kinder lernen uns kennen und sehen, dass Glauben Spaß machen kann. Dabei sollten sich natürlich die nichtchristlichen Kinder nicht ausgeschlossen fühlen. Themen wie zuletzt die Heiligtumsfahrt sind nicht nur in aller Munde gewesen, sondern auch für Muslime bedeutsam, die ja ebenfalls auf Wallfahrten gehen. Der Tenor: Wir sind alle unterwegs.

Ökumene ist für Sie offenbar ein großes Thema …

Datené: Sie ist mir ans Herz gewachsen. Und sie hat eine lange Tradition in Kohlscheid: mit den Taizé-Gebeten, dem ökumenischen Gottesdienst zum Stadtfest, dem ökumenischen Konveniat, einem Gottesdienst am Buß- und Bettag oder dem großen Projekt „Mein Kreuz“ vor einigen Jahren.

Gelebte Ökumene, kindgerechte Glaubensvermittlung — die Kirche hat sich stark verändert. Und dennoch wenden sich immer mehr Menschen von ihr ab. Warum?

Datené: Ich glaube, dass die Kirche den Menschen heute immer noch viel zu bieten hat. Das erlebe ich vor allem zu den Eckpunkten des Lebens — Taufe, Hochzeit, Beerdigung. Und eben einmal im Jahr zu Weihnachten. Wenn Sie so wollen, ist dies ja auch eine Form des regelmäßigen Gottesdienstbesuches. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, Kontakt suchen.

Viele zeigen auch deutlich an: „Wir sind zwar nicht immer in der Kirche, haben aber dennoch unseren Glauben.“ Gerade ältere Menschen finden im Glauben Zuversicht und eine Kraft, die ihnen das Leben ermöglicht. Gerade bin ich von der Messdienerfahrt zurück: „Zehn Tage auf den Spuren des Franziskus in Rom und Assisi“.

Auch hier war zu spüren, dass die Suche nach einem geglückten Leben für die Jugend sehr große Bedeutung hat. Wenn man nicht überall das Etikett „katholische Kirche“ draufklebt, merken doch viele, dass der Glaube das ist, was vielen hilft. Aber es ist klar, dass wir nicht mehr an 100 von 100 rankommen. Nicht mehr jeder ist Kirche und Glauben gegenüber aufgeschlossen. Das nimmt schon zu, das stimmt.

Und wie erklären Sie sich letztlich die vielen Austritte?

Datené: Hier kommen viele Dinge zusammen. Ein Grund bringt das Fass zum Überlaufen, aber die Tropfen, die vorher schon drin waren, sind nicht von derselben Machart. Viele sehen Kirchenbesuche für ihr Leben nicht mehr als so bedeutsam an. Es mag auch sein, dass die Antenne zu Gott, der Draht zum ewigen Leben, zwar noch da, aber mehr oder weniger verschüttet ist. Die Kirchensteuer ist für viele ein Problem.

Früher gab es das Schlagwort „Jesus ja, Kirche nein“. Und manche haben schlechte Erfahrungen mit Gottes „Bodenpersonal“ gemacht. Es gibt sicher noch viele andere individuelle Gründe. Aber die Reaktionen, die wir erhalten, wenn wir die Ausgetretenen anschreiben, gehen in diese Richtung.

Welche vordringlichen Aufgaben hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger?

Datené: In Sachen KIM haben wir gute Vorarbeit geleistet, bis in die Sommerferien war auch ich noch daran beteiligt. Die erste große organisatorische Aufgabe, die mein Nachfolger zu begleiten hat, ist die Umnutzung kirchlicher Immobilien. Ansonsten denke ich, dass die Gemeinden sehr gut zusammengewachsen sind. Natürlich gibt es immer noch Dinge, wo manchen der Zugang zu anderen Gemeinden schwierig wird. Das Kennenlernen noch mehr zu fördern, ist daher eine Aufgabe.

Ich würde mir wünschen, dass das gute Kommunionvorbereitungskonzept fortgeführt wird. Bei vielem bin ich sicher, dass es weitergeht, etwa die „Kirche für Kinder — Kirche für Sie“, einst aus Pannesheide übernommen, mit Kinderbetreuung während des Wortgottesdienstteils, oder die „Kirche für alle“ in St. Katharina.

Personell ist Ihr Weggang nicht der einzige Wechsel in Kohlscheid ...

Datené: Eigentlich ist es ein Aderlass: Pastoralreferent Mijo Repar ist in Ruhestand getreten, und die ebenfalls langjährige Gemeindereferentin Gerlinde Lohmann hat andere Aufgaben im Bistum übernommen. Für kurze Zeit wird die neue Pastoralreferentin Hannelore Peters alles zusammenhalten müssen.

Ohne mein engagiertes Pastoralteam und ohne die Hilfe durch Pater Hubert Ennenga und vorher schon durch den Pfarrer im Ruhestand Nico Dobbelstein wäre die Arbeit in den fünf Kirchen so nicht möglich gewesen. Dafür bin ich allen sehr dankbar. Mit dem neuen Pastor Rainer Thoma wird am Sonntag, 27. September, die neue Gemeindereferentin vorgestellt.

Was hat Ihnen zuletzt ganz besondere Freude bereitet in Kohlscheid?

Datené: Der „Action Day“. Hier ging es darum, in 48 Stunden gemeinschaftlich etwas zu schaffen. In Kooperation mit einem Künstler und den Jugendlichen sind die sechs Graffiti-Tafeln im neuen Pfarrgärtchen hinter dem Katharina-Haus entstanden. Über dem Projekt steht zwar Kirche, aber es war für alle gedacht, nicht nur Pfadfinder oder Messdiener. Es war ein Erfolg und sollte jedes Jahr stattfinden — was durch den Wechsel jedoch nicht möglich war.

Und was erwartet Sie selbst nun in Ihrer neuen Pfarre?

Datené: St. Peter und Paul in Eschweiler besteht aus vier Gemeinden. Zwei Kirchen, St. Michael und Herz-Jesu, sind vor den Sommerferien entwidmet worden. Gotteshäuser sind neben St. Peter und Paul noch St. Antonius Röhe und die Kapelle des St. Antonius-Hospitals. Ich werde mit offenen Augen, Ohren und offenem Herzen auf die Gremien und die Menschen in den Gemeinden zugehen.