Sanierung: Parkplätze in der Würselener Innenstadt werden noch länger fehlen

Sanierung : Parkplätze in der Würselener Innenstadt werden noch länger fehlen

Der Ärger um Parkplätze in der Würselener Innenstadt dauert an. Aktuell geht es um Verzögerungen bei der Sanierung des Parkdecks an der Neuhauser Straße „zu Füßen“ des Rathauses und vor einer Reihe von Geschäften, Praxen und Kanzleien.

Nachdem schon die hierfür veranschlagten drei Monate Bauzeit nicht ausgereicht hatten und laut Stadtverwaltung auch der September noch für die Arbeiten genutzt werden sollte, ist nun klar, dass die Sanierung sich bis Ende Oktober, Anfang November hinzieht, wie Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen auf Nachfrage unserer Zeitung sagte.

Noch am Donnerstagvormittag sei das weitere Vorgehen bei einer Baubesprechung mit der ausführenden Firma Thema gewesen. Grund für den zeitlichen Mehraufwand ist der Zustand der oberen Konstruktion, genauer der Umfang der Beschädigung der Abdichtung. Nachdem die Steine und die Splittschicht entfernt worden waren, sei erst klar geworden, welcher Aufwand betrieben und welches Material eingesetzt werden muss. Auslöser für die Sanierungsarbeiten war, dass sich der Steinbelag unter dem Druck der dort ein- und ausparkenden Fahrzeuge gelöst hatte und die Deckschicht undicht geworden ist, so dass Wasser in die darunter liegende Ebene vordrang. Nun hat sich herausgestellt, so von Hoegen, dass die Entwässerung nicht mehr durch Leitungen in der Konstruktion der Parkgarage, sondern über die Oberfläche Richtung Neuhauser Straße erfolgen muss.

Hierzu muss ein homogenes Gefälle (zwischen ein und drei Prozent) entstehen und eine spezielle Betonmischung aufgebracht werden. Darüber wird dann Gussasphalt aufgebracht. Der Beton soll erst auf seine Druckfestigkeit geprüft werden, bevor er großflächig aufgebracht wird. „Dafür kann keiner etwas. Das konnte keiner ahnen. Deshalb erwägt die Stadt Würselen nicht, gegenüber der Firma Regressansprüche zu stellen“, sagte der Beigeordnete und bat zugleich um Verständnis für die Verzögerung, zumal genügend — ebenfalls gebührenpflichtige — Ersatzparkplätze im Bereich des Zugangs zur ehemaligen Zigarrenfabrik am Rande des Singergeländes an der Kaiserstraße zur Verfügung stünden.

Diese Sichtweise trifft aber offenbar auf Kritik. Bereits nachdem die Stadt Würselen vor Monaten das untere Parkdeck an der Neuhauser Straße auf Dauer an ein benachbartes Fitnessstudio vermietet hatte und dadurch über 50 Stellplätze für die Nutzung durch die Allgemeinheit weggefallen waren, hatten andere Mieter ihrem Unmut über die Reduzierung der Stellplätze gegenüber unserer Zeitung Luft gemacht, weil die Stadt die Mietkosten partout nicht anteilmäßig senken wollte.

Aus Sicht der Verwaltung könnten ja Unzufriedene ihre Verträge fristgerecht kündigen. Es würde genügend andere Interessenten geben, hieß es seinerzeit. Man habe die Betroffenen beizeiten über die Änderung informiert. Mit Sperrung der oberen Parkpalette an der Neuhauser Straße zwecks Sanierung hat sich die Lage nochmals verschärft. Zwar hatte das Fitnessstudio auf Betreiben der Kommune vorübergehend für drei Monate die untere Parkebene wieder öffentlich nutzbar gemacht. Diese Regelung endete Anfang September. Ab dann wurde wieder ein Schrankenbetrieb eingeführt. Wer seitdem dort sein Fahrzeug abstellt, aber nicht Mitglied bzw. Kunde des Fitnessstudios ist, muss 15 Euro Tagespauschale berappen, um mit seinem Gefährt die Tiefgarage wieder verlassen zu können.

Die Verzögerung bei der Sanierung der oberen Parkebene an der Neuhauser Straße in Würselen hat Folgen: Die Vereinbarung mit einem Fitnessstudio, das die untere Parkebene vorübergehend für die Allgemeinheit zur Verfügung stellte, ist ausgelaufen. Foto: Stüber

Stadtsprecher Bernd Schaffrath bestätigte auf Nachfrage, dass dies vermehrt zu Beschwerden geführt habe.

Klage steht im Raum

Zu den Kritikern gehört beispielsweise der Geschäftsmann Herbert Kaussen-Lingens, der sein Büro mit mehreren Mitarbeitern in unmittelbarer Nähe an der Rathausstraße betreibt. Auch Kaussen-Lingens ist Dauerparker und muss dafür 360 Euro im Jahr berappen. Der Parkausweis gelte zwar auch für die Parkhäuser an der Lehn- und Klosterstraße, aber freie Stellplätze seien dort kaum noch zu finden. Er hat mittlerweile einen weiteren Parkplatz weiter außerhalb angemietet.

Ob nun Bürgermeister Arno Nelles (SPD) in dieser Sache eine Untätigkeitsklage in die Amtsstube flattert, steht noch nicht fest. Die Würselener Anwältin und Anliegerin Angelika Moers hatte im eigenen und im Namen von 15 weiteren betroffenen Geschäftsleuten Nelles bereits im Januar wegen der Dauervermietung von Stellplätzen an das Fitnessstudio angeschrieben und beklagt: „Unsere Patienten, Klienten und Mandanten finden auf dem Morlaixplatz keinen Parkplatz mehr.“

Ihre Forderung lautet wie bereits berichtet: „Wir halten die Vermietung von 50 Prozent der öffentlichen Parkfläche an ein privates Unternehmen für rechtswidrig und beantragen, das untere Parkdeck des Morlaixplatzes der Öffentlichkeit mit sofortiger Wirkung zugänglich zu machen.“ Da Nelles diesem nicht Folge leistete, droht Moers mit einer Unterlassungsklage vor dem Verwaltungsgericht.

Nelles hingegen ist sich keines Versäumnisses bewusst. Er beruft sich auf einen entsprechenden Beschluss des Stadtrates. Auch der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss habe sich regelkonform mit dem Thema auseinandergesetzt. Noch ist nicht klar, ob Moers wirklich Klage einreicht. Sie wollte dies noch mit ihren Mandanten klären. Geschäftsmann Kaussen-Lingens sagt dazu, seitens anderer Juristen habe es geheißen, dass eine Schadensersatzklage von Betroffenen gegen die Stadt wohl mehr Sinn machen würde. Der Ärger um Parkplätze in der Würselener Innenstadt geht so oder so in die nächste Runde.

Mehr von Aachener Zeitung