Würselen: Pappeln im Wald geringelt

Würselen: Pappeln im Wald geringelt

Ob Biber im Würselener Stadtwald am Werk waren, das wollten Spaziergänger schon von Försterin Susanne Gohde wissen. Eine ganze Reihe von Pappeln würden doch derartige Spuren aufweisen. Das Dementi kommt aber sofort: Die possierlichen Nager haben nicht ihre Spuren im großen Stil hinterlassen.

„Das sieht erst einmal schlimm aus”, räumt Susanne Gohde ein, „aber langfristig sichern wir damit diesem wertvollen Niedermoor das Überleben.” Moore haben unter anderem als Kohlendioxidspeicher enorm wichtige Funktionen. Die Stawag betreibt im Würselener Forst das Wasserwerk Reichswald. Im Rahmen der Verlängerung des Wasserrechts, 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser dürfen im Jahr gefördert werden, wurde von der Kölner Bezirksregierung vom Versorger die Finanzierung eines umfangreichen landschaftspflegerischen Begleitplans zum Schutz des Niedermoors verlangt. Eine Absenkung des Grundwasserspiegels zeigte bereits negative Auswirkungen.

Nun soll mit verschiedenen Maßnahmen gegengesteuert werden. So werden nach Angaben von Susanne Gohde die Entwässerungsgräben und Dränagesysteme, die einst aufwändig angelegt wurden, jetzt verschlossen, damit der Wasserspiegel in dem Moor wieder steigt. Forstwirte haben Hand angelegt, mit Kettensägen die Bäume „geringelt”, informiert die Försterin. Von umfangreichen Pappelfällungen unweit des Forsthauses Laukamp ist ein immerhin etwa sechs Hektar großes Areal betroffen. Pappeln, die obendrein faulig sind, werden entlang der Wege gefällt. Teilweise können sie noch als Brennholz für Selbstwerber aufgearbeitet werden. In den Randbereichen werden dann Roterlen angepflanzt.

Pappeln abseits der Wege werden geringelt. Die Försterin erklärt: „Dabei werden Streifen der Rinde samt Kambium am unteren Teil des Stammes ringförmig entfernt. Hierbei wird der Saftstrom unterbrochen, das heißt der Transport der Assimilate zu den Wurzeln gestoppt. Der Baum stirbt aber erst in den nächsten drei Jahren ab, da die Versorgung der Krone mit Wasser und Mineralien weiter ungestört erfolgt. Die Wurzel stirbt aufgrund der fehlenden Assimilate erst später ab. Bis dahin bieten die Pappeln Specht und Co. ein Tummelfeld als Brut- und Nistbäume.”

Beim Waldzustand konnte landesweit eine erfreuliche Entwicklung festgestellt werden. 38 Prozent der Bäume sind inzwischen ohne Schäden. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Verbesserung von sieben Prozentpunkten. Stark bis sehr stark geschädigt sind 21 Prozent der Bäume (-4 Prozent). Den Trend kann Försterin Susanne Gohde bestätigen.

Mehr von Aachener Zeitung