Herzogenrath: Pannesheide und Bierstraß: Eltern bekunden ihr Misstrauen

Herzogenrath: Pannesheide und Bierstraß: Eltern bekunden ihr Misstrauen

Der Andrang war so groß, dass der Hausmeister eigens für diesen Termin gedruckte Eintrittskarten für den Ratssaal — „gültig für eine Person“ — verteilte. Wer jünger als 14 war, wurde von vornherein ausgeschlossen. Weswegen alle Eltern, die ihren Nachwuchs mitgebracht hatten, wieder abrücken mussten.

Unter anderem die Zahl der Schuleingangsklassen stand auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur (BSK) am Donnerstagabend. Grund genug für die besorgten Eltern der Grundschulen Pannesheide und Bierstraß, die Bürgerfragestunde für ihr Anliegen zu nutzen. Denn in Folge der einstimmig beschlossenen Prüfaufträge zur Haushaltskonsolidierung, die auch die Schullandschaft mit einschließt, und diversen Anmerkungen über eine „mögliche Folgenutzung“ der Grundschule Pannesheide im jüngsten Bau- und Verkehrsausschuss wollten die Eltern wissen, was denn jetzt Sache sei.

„Wie ist es nun um die Grundschule Pannesheide bestellt?“, machte ein Vater frank und frei den Auftakt zur Fragerunde. Zunächst sei nur über die Zahl der Eingangsklassen zu bescheiden, stellte Ausschussvorsitzender Bruno Barth (SPD) fest, dass sich zunächst nichts ändere. Was indes die Zukunft der Schulen angehe, verwies er auf „eine der nächsten Sitzungen“.

Sondersitzung Mitte Mai

Im Nachgang des Ortstermins der Kleinen Kommission des Bauausschusses in der Pannesheider Schule — auf Grundlage des von Ingenieur Bernhard Grawe vorgelegten Brandschutzkonzepts — soll es Mitte Mai eine Sondersitzung geben. Er gehe davon aus, so Barth, dass die dann beschlossenen Brandschutzmaßnahmen „zeitnah umgesetzt“ würden.

„Was tun Sie, damit die Eltern sich wieder für die Grundschule Pannesheide entscheiden?“, hakte ein anderer Vater — unter Applaus des Auditoriums — beharrlich bei Politik und Verwaltung nach. Was Bürgermeister Christoph von den Driesch mit der Feststellung konterte: „Es gibt keinen Beschluss, in dem drin steht, dass die Schule in Pannesheide geschlossen wird.“ Stadtweit 23 Eingangsklassen seien für das kommende Schuljahr zu bilden, dafür müsse der Schulträger nun die passenden Gegebenheiten schaffen. Mit Verweis auf das strukturelle Defizit von 2,5 Millionen Euro bei den städtischen Finanzen kennzeichnete von den Driesch es aber auch als „gut und richtig“, dass nunmehr alle Bereiche in der Stadt unter die Lupe genommen würden und es dabei „keine Tabuthemen“ geben dürfe.

Bierstraß im Juni Thema

In Bezug auf die Grundschule Bierstraß, im Verbund mit der Regenbogenschule, wollte ein weiterer Vater wissen, ob denn bei eventuellen Schließungsgedanken auch schon bedacht sei, was passiere, wenn jenseits des Gewerbegebiets Nordstern gebaut werde? Ausschussvorsitzender Barth, der sich als Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands des Trägervereins der örtlichen Offenen Ganztagsschule (OGS) in Sachen Schule Bierstraß zunächst generell als befangen erklärte, kündigte an, dass — auch auf seinen Wunsch hin — dem Thema Bierstraß/Regenbogenschule in der kommenden Ausschusssitzung ein eigener Tagesordnungspunkt gewidmet werde.

Und der Bürgermeister erläuterte mit Blick auf die von den Eltern misstrauisch beäugte Verteilung der angemeldeten Schüler innerhalb dieser Verbundschule, dass die Schule an der Bierstraße schon vor Jahren nur habe gerettet werden können, indem sie zum Teilstandort der Regenbogenschule an der Leonhardstraße gemacht worden sei. Und dies habe ein Schulleiter bei der Verteilung von Schülern und Lehrern eben auch zu berücksichtigen.

Nicht festlegen wollte sich der Verwaltungschef bezüglich des Zeithorizonts, den eine Mutter schließlich erfragte. „Spätestens zu Weihnachten“ sollten die Entscheidungswege gefunden sein, gab von den Driesch vor. Woraufhin die Bürgerin erinnerte, dass aber bereits Mitte November die Schulanmeldetermine anstünden, bis dahin sollte die Verunsicherung bei den Eltern aufgehoben sein. Darauf drängte im Zuge der folgenden Tagesordnung schließlich auch Dr. Manfred Fleckenstein (SPD): „Die Bürger haben recht“, drängte er, in punkto Schulentwicklungsplanung „Tempo machen“ zu müssen. Die Vergabe der Erstellung eines Schulentwicklungsplans erfolgte denn auch einstimmig im nichtöffentlichen Teil der Sitzung an ein externes Büro.

Einen Punkt stellte CDU-Stadtverordneter Stefan Becker noch klar heraus: Die Zahlen der zu erwartenden Flüchtlingskinder fehlen. Von rund 2000 Anträgen auf Familienzusammenführung wisse er städteregionsweit. Die Städteregion sei jedoch nicht in der Lage, die Zahl der möglichen Zuzüge in die einzelnen Kommunen zu prognostizieren, hatte Fachbereichsleiter Josef Poqué ebendort in Erfahrung gebracht.

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