Herzogenrath: Orgel aus der entwidmeten Kirche St. Marien wird wieder aufgebaut

Herzogenrath : Orgel aus der entwidmeten Kirche St. Marien wird wieder aufgebaut

Sie nahm einmal fast die ganze Wand im Seitenschiff neben dem Altarraum des betont schlichten Kirchenbaus in Beschlag, jetzt sind auf den roten Klinkern nur noch ihre Umrisse zu erkennen: Die angestammte Orgel der Pfarrkirche Herz Jesu in Ritzerfeld hatte sich als reparaturbedürftig und zudem von Schimmel befallen herausgestellt.

Mit rund 100.000 Euro wäre ihre Sanierung zu Buche geschlagen. Zu teuer, befand der Kirchenvorstand. Mit Entwidmung der Pfarrkirche St. Marien in Würselen-Scherberg ergab sich dann eine Lösung, die Verantwortlichen der Pfarren wurden handelseinig.

Der Merksteiner Orgelbauer Werner Gibisch hat das gute Stück in Scherberg dann sorgfältig abgebaut und Pfeife für Pfeife, Brett für Brett in den Seitenschiffen der Herz-Jesu-Kirche zwischengelagert. Dort harren die unzähligen Bestandteile ihres Wiederaufbaus, der in der zweiten Jahreshälfte erfolgen soll. Bis dahin hat Gibisch der Gemeinde eine Truhenorgel als „Notorgel“ zur Verfügung gestellt. „Es handelt sich dabei sogar um sein Meisterstück“, berichtet Ute Kraum, Organistin von Herz-Jesu und St. Benno, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Orgel aus Herz-Jesu indes ist zwischenzeitlich nach Polen verkauft worden. Eine polnische Orgelbaufirma hatte sich auf ein entsprechendes Inserat unter Vermittlung eines Wuppertaler Gebrauchtorgelspezialisten gemeldet. In relativ kurzer Zeit, so Kraum, hatten die Experten aus Polen die Orgel ausgebaut und verladen. „Sie wird nach ihrer Sanierung, und das freut uns besonders, in Polen auch wieder in einer Herz-Jesu-Kirche zu hören sein“, sagt Kraum.

Aus rund 1700 Pfeifen besteht die Scherberger Orgel, die ebenfalls an der Wand rechts neben dem Altar ihren Platz finden soll. „Allerdings in einem anderen Aufbau“, erklärt Herbert Nell, Kantor aus St. Gertrud. Aus gutem Grund: Orgeln müssen zweimal im Jahr gestimmt werden. Das alte Instrument in Herz-Jesu verlangte dem Orgelstimmer dazu schon einiges ab, denn er musste in luftiger Höhe von einem Werk (Orgelschrank) zum anderen klettern. „Das war durchaus lebensgefährlich“, sagt Nell. Und das soll natürlich künftig nicht mehr so sein. Die neue mechanische Orgel sei zudem kompakter als die bisherige elektronische.

Im Anfang war die Vesper

Nell erinnert sich: „Wir hatten in St. Mariä Himmelfahrt vor sechs Jahren auch eine Orgel, deren Sanierung 100000 Euro kostete. Das haben wir damals zum Anlass genommen, den ersten Orgelspaziergang zu veranstalten, um auf die Situation aufmerksam zu machen, den Fokus auf die Orgel zu richten.“ Mit Erfolg, nicht nur im Hinblick auf die Spendenbereitschaft: „Wir hatten auch bei den folgenden Veranstaltungen immer viele Teilnehmer — und schönes Wetter!“ Da man seinerzeit auf der Marienorgel kein ganzes Konzert spielen konnte, wurde in Himmelfahrt eine Vesper gehalten, „dazu reicht ein Register aus“. Mittlerweile sei die Marienorgel fertig, bei der Vesper aber sei es geblieben.

Erstmalig wird in diesem Jahr am Pfingstmontag der beliebte Orgelspaziergang der Pfarrei St. Gertrud zusammen mit der Pfarrei St. Willibrord ausgerichtet, „um die Menschen im Gespräch zusammenzubringen“.