Würselen: Orden-Verleihung: Martin Schulz tief bewegt

Würselen: Orden-Verleihung: Martin Schulz tief bewegt

Mit der 32. Verleihung des Sonderordens „Närrischer Grenzlandschild“ an den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, landete die KG „Au Ülle“ in der in den Europa- und den Stadtfarben festlich dekorierten Aula an der Klosterstraße einen Volltreffer. Für den Vizepräsidenten des Bundes Deutscher Karneval, Rolf Peter Hohn (Düren), bestand kein Zweifel: „Sie wird nicht nur in die Annalen der Gesellschaft, sondern auch unseres Bundes eingehen.“

Durch seine Eloquenz, mal in Mundart und mal im geschliffenen Hochdeutsch, seine Schlagfertigkeit und seinen unschlagbaren Mutterwitz drückte der Ordensträger der Veranstaltung seinen unverwechselbaren Stempel auf, als er in Episoden und Anekdoten die Menschen seiner Heimatstadt, in der er elf Jahre lang Bürgermeister war, und damit auch sich selbst charakterisierte und wortreich karikierte. „So wie wir sind, sind wir einmalig auf der Welt“, stellte Schulz fest.

Na, was steht denn eigentlich drauf? Preisträger Martin Schulz (2.v.r.) wirft einen forschenden Blick auf die Auszeichnung.

Zur Verleihung des bundesweit anerkannten Ordens begrüßten Senatspräsident Harald Matthäus und „Ülle“-Präsident Achim Mallmann, die sich die lockere Moderation „teilten“, eine Reihe von Vorgängern: Stadtdirektor a.D. Albert Cramer, den Präsidenten des Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise, Reiner Spiertz, und den Ex-Präsidenten des Bonds Carnevalsverenigingen Limburg, Jo Hundscheidt, Aachens Ex-Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden sowie den Ülle-Ehrenpräsidenten Dieter Pütz. Durch Repräsentanten vertreten waren die Stadtgarde Öcher Penn und die Große Karnevalsgesellschaft Erkelenz. Neben Bürgermeister Arno Nelles machten aus der Politik unter anderem die Landtagsabgeordneten Eva-Maria Voigt-Küppers und Hendrik Schmitz sowie die Mitglieder des Städteregionstages, Doris Harst und Günter Kuckelkorn, ihre Aufwartung. Der düvelstädtische Karneval wurde durch den Weidener und den Bardenberger Prinzen, Cor I. (Lataster) und Heiner I. (Laven), repräsentiert.

In der Laudatio würdigte Senatspräsident Matthäus die heimatliche Verbundenheit, die der Präsident des Europäischen Parlaments heute noch lebe. Nach der Schule und den Hausaufgaben habe es Martin wie viele seiner Altersgenossen auf den Bolzplatz gezogen. Schnell habe er sich zu einem Straßenfußballer entwickelt, der später bei der „Rhenania“ seine sportliche Heimat gefunden habe. Eine Mannschaft zusammen zu halten, das sei im Alter von 15 Jahren schon seine Stärke gewesen. „Er stoppte damals schon die rechten Stürmer. Das hat sich bis heute nicht geändert.“

In der Schule sei er schon früh durch seine Beredsamkeit und sein Sprachtalent aufgefallen. Seine Schlitzohrigkeit habe sich der Ordensträger ebenfalls erhalten, wofür Matthäus das eine oder andere Beispiel sprechen ließ. Mit 31 Jahren war Schulz seinerzeit der jüngste Bürgermeister einer Stadt. Seine erste Ordensverleihung erlebte er 1976 mit, als der Würselener Bürgermeister Wilhelm Gülpen mit ihm ausgezeichnet wurde, gerade mal 21 Jahre alt. Matthäus: „Heute tritt er in den Kreis unserer Bürger ein, die sich Verdienste um und für die Kommune Würselen erworben haben. Sei es in Politik, Sport, Brauchtum, Kultur, Wirtschaft oder Karneval.“ Nach Jupp Derwall, Wilhelm Gülpen, Heinz Wacker, Friedel Schwartz, Albert Cramer und Dieter Pütz erhalte er als siebter Würselener die hohe Auszeichnung seiner Heimatgesellschaft Au Ülle.

Auf die Heimatverbundenheit stimmten die „Wöschelter Prinzen“ das Würselener Heimatlied an. Dann hängte der Senatspräsident dem zu ehrenden Würselener Bürger den „Grenzlandschild“ um, setzte ihm die Senatskappe auf und verlas die Urkunde. Standing Ovations! Tanzmariechen Larissa (Kever) wartete zu seiner Ehre charmant mit einem rassigen Tanz auf.

„Die Nähe zu den Menschen hat Dich immer ausgezeichnet“, meldete sich Bürgermeister Arno Nelles im Namen der Würselener Bürger zu Wort. Dass ihm der Orden so wichtig sei, ehre ihn und spreche für seine große Liebe zu seiner Heimatstadt. Den Au Ülle gratulierte er zur Wahl. Schulz trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

„Wir ehren heute einen bodenständigen Menschen, der mit beiden Füßen in Würselen und im Aachener Grenzland verwurzelt ist“, überbrachte „Vize“ Rolf-Peter Hohn die Glückwünsche des Bundes Deutscher Karneval. „Der ranghöchste Präsident in Europa ist unter der Narrenkappe der Au Ülle einer von uns geworden. Bleiben Sie sich selbst und ihrer Heimatstadt Würselen treu“, überreichte Hohn den Orden der „Närrischen Europäischen Union“.

„Eine wunderbare Stadt“

Dass Propheten in ihrer Heimatstadt nichts gelten, habe die KG Au Ülle durch die Verleihung der hohen Auszeichnung an Martin Schulz widerlegt, sagte Verbandspräsident Spiertz. „Wir sind stolz darauf, solche Persönlichkeiten in unserem Verbandsgebiet zu haben“, gratulierte er im Namen von 30.000 Karnevalisten aus 160 Mitgliedsvereinen. „In bin stolz darauf, ein Würselener zu sein“, bedankte sich Schulz für die außergewöhnliche Ehre. Er habe in Würselen alles gelernt, was man im Leben brauche. Dabei habe er auch tiefe Täler durchschreiten müssen. „Wir haben uns in der Kommunalpolitik geschlagen wie die Kesselflicker, aber immer einen gemeinsamen Weg gefunden.“ Seine Hommage an Würselen: „Wir sind eine wunderbare Stadt, und Würselener Platt ist Weltsprache.“

Nicht nur der 32. Ordensträger startete Angriffe auf die Lachmuskeln. Vor ihm tat es schon der Sprach- und Musik-Comedian Joachim Jung, der als Liselotte Lotterlappen und als Hans-Heinz Hammelböck ein starkes Debüt gab. Die Damengarde der Gesellschaft präsentierte sich im neuen lilaweißen Outfit. Den musikalischen Rahmen gestaltete die 22-köpfige Bigband Baesweiler.

(ehg)
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