Herzogenrath: Offene Ganztagsschule in der Finanzmisere

Herzogenrath: Offene Ganztagsschule in der Finanzmisere

Es ist ein allerletzter Hilferuf, bevor Konsequenzen gezogen werden müssen: „Wir haben gekämpft“, sagt Bernhard Ruhl, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands der Pfarre St. Josef, Trägerin der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Straß.

Personalstunden wurden gekürzt, freiwillige Eigenmittel aus der Pfarre von rund 3000 Euro jährlich eingebracht, die Verwaltungsarbeit ehrenamtlich geleistet, Unterstützungs-Aktionen gestartet und zuletzt ein OGS-Förderverein gegründet. Doch die Ankündigung der Landesregierung, die Zuschüsse für die OGS-Kinder bis zum Jahr 2019 einzufrieren, bedeutet nun das Aus. Nach zehn Jahren unermüdlicher Arbeit im Sinne der Kinder in der Pfarre, fühlen sich die Akteure zum Aufgeben gezwungen.

„Schon vor Übernahme der Trägerschaft haben wir darauf hingewiesen, dass die finanzielle Ausstattung der OGS sehr zu wünschen übrig lässt“, sagt Ruhl. „Von Anfang an war die OGS unterfinanziert.“ In zehn Jahren habe sich daran nichts geändert, konstatiert er in dem Schreiben an die Stadt und die Fraktionen, mit dem er auch schweren Herzens die fristgerechte Beendigung des Kooperationsvertrags ankündigt.

Den letzten Schritt, der den Vollzug bedeutet, möchte er zwar noch nicht tun, „weil wir noch immer etwas Hoffnung auf ein Wunder haben ...“. Doch das müsste schon beträchtlich ausfallen, blickt man auf die Zahlen, die Ruhl den Verantwortlichen bei Stadt und Land vorrechnet: Bei Einführung der OGS 2004/05 habe der Zuschuss bei 1230 Euro pro Kind gelegen, zu zwei Dritteln vom Land, zu einem Drittel von der Stadt respektive Elternbeiträgen getragen. Zehn Jahre später liege der vorgeschriebene Zuschuss bei 1345 Euro. Auf die Jahre verteilt entspreche dies einer Steigerung von einem Prozent. Im Vergleich dazu seien alleine die Lohnkosten für eine Erzieherin von anfangs 10 auf über 21 Euro gestiegen, die nächste Tariferhöhung stehe zum März 2015 an. Ruhl bringt es auf den Punkt: „Das vom Land NRW hochgelobte Modell Offene Ganztagsschule wird nur halbherzig betrieben.“

Es gebe zwar Runderlasse, aber kein Gesetz. Und einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz genauso wenig wie einen Personalschlüssel oder Vorschriften zur Qualifikation der Mitarbeiter. Ruhl fordert, den Pro-Kopf-Zuschuss für OGS-Kinder dem für Kita-Kinder anzugleichen. Die Kopfpauschale für Kita-Kinder sei mit mindestens 3461 Euro weit mehr als doppelt so hoch wie für ein OGS-Kind. Eine Angleichung wäre eine Perspektive für die OGS, „bei der endlich über Qualitätsstandards nicht nur gesprochen werden kann.“ Voraussetzung für Qualität sei Fachpersonal. Das bekomme man aber nicht für einen Hungerlohn.

Ebenfalls große Sorgen macht sich die Schulleiterkonferenz. Sie richtet ihren Blick auch auf die nötige Ausweitung der Betreuungszeiten inklusive Ferien, die Reinigung der Räume und die Bewirtschaftung der Mensen, durch die pädagogisches Fachpersonal gebunden werde. „Schnellstmöglich“, so fordern die Schulleiter, sollten Verwaltung und Politik „alles dafür tun“, um den „drohenden Verlust der OGS-Träger zum kommenden Schuljahr zu verhindern“.

Der Runde Tisch OGS wird im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur am Donnerstag, 23. Oktober, zur Misere berichten. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Ratssaal. Die Akteure aus Straß kündigen vorher eine Protestaktion an.