Herzogenrath: „Ömmesöns”-Volk erobert Chris´ Festung

Herzogenrath: „Ömmesöns”-Volk erobert Chris´ Festung

Ihre Krawatten hatten sie vorsichtshalber im Wagen gelassen: Im dunklen Anzug wirkten Bürgermeister Jos Som und Beigeordneter Chris Kuikman aus der Schwesterstadt Kerkrade ein wenig verloren, nicht zu sagen exotisch mitten im quirlig-bunten Treiben vor dem rodastädtischen Rathaus.

Das war längst verbarrikadiert, als die Gäste von jenseits der Grenze in der dunkelblauen Dienstlimousine vorfuhren. Vor dem närrischen Ansturm noch schnell hinter die Reihen der Bastion zu schlüpfen, war denn auch nicht so einfach...gelang nach beharrlichem Klopfen an die Glastür aber doch noch. Oben in den Fenstern des SPD-Fraktionszimmers hielten unterdessen Käptn Chris und seine Crew trotzig die Stellung. Auf die vorwitzige Bemerkung des Ersten Bürgers, die Jecken müssten sich schon ein bisschen mehr anstrengen, rückte unerbittlich die Merksteiner Konfetti-Kanone vor.

Lautstarke Salven erschütterten den Widerstand der Honoratioren, der topgelaunte Kämmerer („Wir haben nur noch 800 Euro, aber die werden heute versoffen!”) war zu diesem Zeitpunkt schon längst in den Fängen der Stadtgarde-Damen. Schließlich schwenkte die Vize-Bürgermeisterin die weiße Fahne, und Sobczyk und Co wurden auch noch in Fesseln gelegt. Damit er nicht ganz so fad aussah, hängte sich Jos Som schnell noch Krepp-Bänder in Rodas Stadtfarben über sein gedecktes Outfit.

Im Nu hatte das Narrenvolk das Rathausfoyer in Beschlag genommen. Die Schlüsselübergabe war reine Formsache. Natürlich nicht ohne Kapitulationsurkunde: „Liebe Ömmesöns-Brüder und -Schwestern”, verkündete unter anderem Kämmerer Det, dass das Prinzen- und das Verwaltungsvolk eine Doktorarbeit zusammenzimmern und an der Uni Bayreuth einreichen werden, damit sie alle zusammen die Doktorwürde tragen können.

Vize-Bürgermeisterin Resi hatte das Wohl der Rathausbediensteten im Sinn, von denen viele im Foyer das Freibier gleich meterweise unters Volk brachten: Die Seniorenresidenz gegenüber dem Rathaus sei eigens gebaut worden, damit die städtischen Mitarbeiter auch mit 90 noch arbeiten könnten. Zwecks Barrierefreiheit werde noch ein Sessellift nachgerüstet.

„Einmal am Rhein” schaukelte fröhlich das ganze Rathaus, nachdem vier stattliche goldene Schlüssel die Besitzer gewechselt hatten. Den ersten nahm Samanta I., Kinderprinzessin der Ritzerfelder Jonge, in Empfang. Es folgten das Dreigestirn aus Kohlscheid mit Prinz Lars I., Bauer Manni und Jungfrau Rafaela, Rodas Tollitäten Jochen I. und Bärbel I. sowie Merksteins Dreigestirn Prinz Oliver I., Bauer Wilfried und Jungfrau Josi (mit Roda-Stadtwappen-Söckchen). Grenzüberschreitend unterstützt wurden sie von Prins Michiel I. aus Kirchroa.

Als Lars und Gefolge zum Mikro griffen und das Dreigestirn-Lied „Wo wör sind, is Party” anstimmten, gab es kein Halten mehr. Mit unter den Schunklern: die Noppenberger rund um Heimatvereinsvorsitzendem Helmut Königs - stilecht als „Mafia von Merkstein” ausstaffiert.