Nordkreis: Nur in der Baesweilerer Pfarrei wird nicht gewählt

Nordkreis : Nur in der Baesweilerer Pfarrei wird nicht gewählt

„Jetzt staubt’s“ — so lautet das Motto der GdG-Ratswahl im Bistum Aachen. Was sagen Vertreter der Gemeinden im Nordkreis dazu?

„Kirche sollte aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und mehr in der Welt der Menschen heute ankommen“, wünscht sich Erdmute Söndgen, Apothekerin aus Alsdorf und ehrenamtliche Mitarbeitern der Großgemeinden St. Castor und Johannes XXIII. in Alsdorf. Beide verfügen über je fünf weitere Pfarreien. „Wir haben 15 neue Kandidaten zur Wahl des neuen GdG-Rats“, ergänzt Pastoralreferentin Bärbel Schumacher. „Das ist sehr erfreulich — vor allem, weil junge Leute dabei sind.“

Für Gottfried Jansen ist die Brücke zwischen Kirche und Pfarrheim in Setterich ein schönes Symbol für das Wirken von Kirche innen und außen.

Für Söndgen, Vorsitzende des Wahlausschusses, ist es Ehrensache, sich für die Kirche einzusetzen. Trotz ihres anstrengenden Berufs findet sie Zeit für den Familienliturgiekreis und die Firmkatechese.

„Wir wollen in unseren Gemeinden am Ball bleiben“, sagt auch Schumacher. Dass dies gelingt, zeigen Angebote wie die Kleine Offene Tür, die Messdienerarbeit, Aktionen der Kolping-Familie, das Sonntagsfrühstück für Alleinstehende, das Trauercafé. „Menschen vor Ort sollen konkret erfahren, dass wir sie in ihren Anliegen ernst nehmen. Wir sind da ganz nah bei Papst Franziskus, der sagt, dass Kirche an die Ränder der Gesellschaft gehen muss. Da weist der Papst uns einen guten Weg“, sagt die engagierte Pastoralreferentin.

„Zeitprobleme“

In den sieben Gemeinden der Großpfarrei St. Marien Baesweiler haben sich keine Kandidaten zur Verfügung gestellt. „Vor allem junge Menschen haben Zeitprobleme. Für sie wird es immer schwieriger, sich zu binden und Verpflichtungen einzugehen“, erklärt Pfarrer Ferdi Bruckes.

Dass in Baesweiler am Wochenende nicht gewählt wird, ist für ihn aber nicht tragisch. „Wir haben fähige Leute, die bereit sind, weiterzumachen“, sagt er.

Einer davon ist der GdG-Ratsvorsitzende Gottfried Jansen aus Setterich. „Eine Gemeinschaft der Gemeinden sollte Brücken von der Kirche zu den Menschen bauen“, sagt er. „Wie können wir Jugendliche für Kirche begeistern? Eine Frage, der wir nachgehen — nicht zuletzt durch neue Projekte, etwa den Chor für Jugendliche — initiiert von Pfarrer Ferdi Bruckes und dem Musiker Christoph Leuchter.“

Auch der von der Pfarre initiierte Treff für Flüchtlinge im Settericher Pfarrheim werde gut angenommen: „Kirche muss sich auf Menschen zubewegen. Hier wünsche ich mir noch mehr frischen Wind.“

„Mittlerweile klappt es gut“

17 Bewerberinnen und Bewerber — davon fünf neue — gibt es in der GdG St. Sebastian Würselen, zu der insgesamt acht Pfarreien gehören. „Der Umstellungsprozess — weg von den einzelnen Pfarrgemeinden und hin zu einer Gemeinschaft der Gemeinden — war von Höhen und Tiefen geprägt“, sagt Diakon Dennis Rokitta. „Doch mittlerweile klappt es sehr gut.“ Er nennt ein Beispiel: „Um den Weißen Sonntag gab es anfangs große Debatten. Jede Pfarrei wollte an diesem Termin Erstkommunion feiern. Wir entschieden uns dann für unterschiedliche Termine jenseits des Weißen Sonntages. Und dann passierte etwas sehr Erfreuliches: Die Eltern der Kommunionkinder wollten den Weißen Sonntag wieder haben und erklärten sich bereit, gemeinsam in St. Sebastian zu feiern.“ Wo er am liebsten den Besen in der Kirche schwingen würde? „Wir dürfen nicht verlangen, dass Menschen zu uns kommen, wir müssen zu ihnen gehen“, antwortet Dennis Rokitta. Dazu gehören niedrigschwellige Angebote, die zunächst nichts mit Kirche zu tun haben, etwa der Kunsthandwerker- oder der Weihnachtsmarkt: „Hier machen wir mit — durch Gesprächsangebote und Aktionen.“

„Ganz ohne Erwartungsdruck“

Zur GdG Herzogenrath-Merkstein gehören drei Pfarreien. Pastoralreferent Klaus Aldenhoven setzt auf menschliche Begegnungen. Dazu gehörten Hausbesuche — nicht nur in Trauerfällen, sondern auch wenn Familien neu zugezogen seien, erklärt er. „Menschen freuen sich, wenn man ihnen offenen begegnet — ganz ohne Erwartungshaltung und ohne Druck, am nächsten Sonntag die Messe besuchen zu müssen.“