Herzogenrath: Nur der Rassismus wird hier ausgegrenzt

Herzogenrath: Nur der Rassismus wird hier ausgegrenzt

„Überdenke Deine Einstellung noch mal!”, diesen dringenden Tipp gibt Arved S. allen, die mit rechtsradikalen und rassistischen Tendenzen sympathisieren.

Der Zehnjährige hat einen erstaunlichen Durchblick und vertritt mit Vehemenz seinen Wunsch nach einem friedvollen Zusammenleben der Menschen. Denn schließlich ist jeder anders, also hat jeder ein Recht zu leben.

Arved ist Mitglied des Kinderparlaments in der Grundschule Pannesheide. Dass hier der Kampf gegen Rechtsextremismus Chefsache ist, wie Schulsozialpädagogin Christiane Hauschulz es ausdrückt, ist deutlich spürbar. Schulleiterin Monika Wallbrecht ist es erklärtes Anliegen, dass der Anschluss ihrer Schule ans Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage” seit 2005 auch erfolgreich mit Leben gefüllt wird.

Die Mitgliedschaft der Schule im Herzogenrather Bündnis gegen Rechts, per Schülerunterschriften unter der Charta „Herzogenrath - Ort der Vielfalt: Bunt statt Braun” besiegelt, ist äußeres Zeichen für gezielte Aktivitäten, aber auch die alltäglichen Selbstverständlichkeiten, die den Schülerinnen und Schülern im Zeichen des konfliktfreien und von Respekt voreinander bestimmten Zusammenlebens in allen Klassen vermittelt werden.

Im Großformat hängt die Charta der Vielfalt nun im Fenster des modernen Schulanbaus an der Pannesheider Straße. Damit jeder nachlesen kann, dass in diesem Haus und bei denen, die darin lehren und lernen, Rassismus und Vorurteile keine Chance haben.

Persönlich hatten die Kinder die Karte bei Bürgermeister Christoph von den Driesch im Rathaus abgeholt. Und am Freitag wurde sie dann feierlich aufgehängt. Damit auch wirklich alle wissen, was sich dahinter verbirgt, hatte die Schulleiterin zudem eine der regelmäßig stattfindenden „Kinder-Unis” einberufen, die stets Forum sind für gesellschaftspolitische Themen. „Unsere Schüler lernen deswegen schon früh, über den Tellerrand zu schauen”, freut sich darüber auch Schulsozialarbeiterin Christiane Hauschulz.

So haben die Schüler auch den Zug der Erinnerung besucht, der Ende März 2011 am Herzogenrather Bahnhof Station gemacht hat. Dass die Nationalsozialisten Kinder ihres Alters bei Nacht und Nebel abholen und deportieren ließen - für Schüler in Deutschland ist das heutzutage unvorstellbar. Umso mehr hat es Arved bewegt, als er von der Zwickauer Terrorzelle gehört hat: „Da mussten zehn Menschen sterben...”

Sofort hat er sich freiwillig gemeldet, als es darum ging, für die „Kinder-Uni” eine Infothek zum Thema „Rechtsextremismus” auszuarbeiten. Selbstsicher trägt er seinen Mitschülern seine Erkenntnisse vor, an denen er anderthalb Tage gearbeitet hat. Ein Schaubild gehört dazu, mit Porträts etwa von Albert Einstein („ser war Jude und unheimlich intelligent. Deswegen war er auch sehr wichtig”) oder von Mesut Özil („der für Deutschland Fußball spielt, und dessen Eltern Türken sind”).

Aber auch zwei Fotos von Neonazis hat er aufgeklebt, um zu erklären, was ein Hitlergruß ist und woran man Rechtsextremisten überhaupt erkennen kann. „Braune sehen die Welt total eintönig. Aber sie ist ja nicht nur braun, sondern bunt!”, stellt er mit erstaunlichem Weitblick fest. Sein Fazit: „Alle Leute, die gegen Rechtsextremismus sind, sollten das zeigen!”

„Was Neonazis machen, ist einfach unfair”, sagt Kinderparlamentarierin Eileen S. „Denn jeder hat das Recht, hier zu sein.” Der zehnjährige Lukas H. wechselt die Perspektive: „Deutsche Nazis haben etwas gegen Türken. In der Türkei gibt es vielleicht auch Extremisten, die was gegen Deutsche haben. Dann könnte man erfahren, wie das ist!” Parlamentarier Leon K. stellt fest: „Jeder Ausländer ist genauso sympathisch wie Deutsche!”

Das Fazit der Schüler: Jeder, der den anderen achtet, „hat ein Recht auf unserer Schule zu sein!” Und wer andere ausgrenzen will, der braucht eine klare Ansage. Oder hat hier nichts zu suchen. Darauf können alle stolz sein.