NRW-Arbeitsminister Karl Laumann beim IG BCE-Regionalforum in Alsdorf

Regionalforum der IG BCE: NRW-Arbeitsminister Karl Laumann warnt vor überhasteten Kohleausstieg

Ein buntes Programm und viele Erinnerungen zeichnen die Jubilarehrung des IGBCE-Regionalforums in der Alsdorfer Stadthalle aus. In Zeiten politischen Drucks wird die Bedeutung der Kohle betont.

Schier unglaubliche Zahlen prangten neben den Namen von Karl Christ und Leo Wachten, beides Mitglieder in der Ortsgruppe Würselen-Herzogenrath der IG BCE. Seit 80 Jahren sind Wachten und Christ Gewerkschaftsmitglieder – gelebte Geschichte in einer wechselvollen Epoche. Zusammen mit 90 weiteren stolzen Jubilaren traf man sich in der Alsdorfer Stadthalle zum Ehrenfest. Neben den städtischen Vertretern der Kommunen Alsdorf, Würselen, Herzogenrath und Übach-Palenberg konnte Moderator Detlef Loosz (ehemaliger Bezirksleiter IG BCE Alsdorf) mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Claudia Moll sowie der SPD-Landtagsabgeordneten Eva-Maria Voigt-Küppers prominenten Besuch begrüßen. Ferner hatte sich NRW-Minister Karl-Josef Laumann als Festredner angekündigt.

Im traditionellen „Wechselspiel der Grußworte“ war Würselen in diesem Jahr an der Reihe. Bürgermeister Arno Nelles, selbst langjähriges Gewerkschaftsmitglied bei den Kollegen von ver.di, betonte die unveränderte Wichtigkeit von Gewerkschaften. Ihr maßgeblicher Anteil an sozialer wie gesellschaftlicher Veränderung mache die Gewerkschaft keinesfalls zu einem „Relikt der Vergangenheit“. Die Gesellschaft habe sich laut Nelles dennoch weiterentwickelt. Ihm bereite der Trend Sorge, dass die Menschen sich immer mehr als Einzelkämpfer versuchen, anstatt sich in einer größeren Masse vertreten zu lassen. Die Gemeininteresse seien mehr als die Summe der Einzelinteressen.

Karl-Josef Laumann hat in seiner Position als Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in den vergangenen Monaten mit Blick auf das rheinische Braunkohlerevier viel mit dem Thema Kohleförderung zu tun gehabt. Mit dem traditionellen Bergmannslied „Auf Kohle gebor’n“ nebst einer imposanten Bildergalerie aus dem „Kumpelleben“ wurde das Plenum eingestimmt. „Ohne Euch wären wir in NRW nicht da, wo wir heute sind“, lobte Laumann die Verdienste der Gewerkschaftler. In Bezug auf das in den Medien allseits präsente rheinische Braunkohlerevier mahnte er vor einem „überhasteten Ausstieg“. Zehntausend tarifgebundene Arbeitsplätze müssten sicher bleiben. Auch die Schließung der letzten Zechen im Ruhrgebiet stelle die Landesregierung vor ähnliche Herausforderungen.

Der Arbeitsminister mahnte an, dass die Braunkohle noch eine ganze Zeit gebraucht würde: „Jeder Realist weiß, dass die erneuerbaren Energien den Bedarf derzeit nicht decken können.“ Als Arbeits- und Sozialminister stehe er in der Verantwortung,Arbeitsplätze und soziale Versorgung zu sichern. Loosz stimmte dem Festredner in diesem Punkt vollends zu und forderte explizite Vorschläge seitens der Regierung, wie die Pläne für den Ausstieg und die Zeit danach aussehen könnten.

Im Jubiläumsjahr der Tarifautonomie und des Frauenwahlrechts (jeweils 100 Jahre) setzte Laumann zu einer kleinen „Zeitreise“ an. In Zehn-Jahres-Schritten erläuterte er Anekdoten der Gewerkschaftsgeschichte. Die Jubilare fanden sich in ihren Eintrittsjahren 1938, 1948, 1958 usw. wieder. Die beiden Ehrenjubilare Christ und Wachten erlebten die dunkle Zeit der NS-Herrschaft 1938 bis 1945 noch am eigenen Leib. „Wir werden uns immer gegen Menschenverachtung von Rechtsaußen zur Wehr setzen“, bekräftigte Laumann. Das „Feierabendbier“ diente während der Zeitreise als „ökonomischer Maßstab“. Kostete es 1948 mit der Währungsreform noch 40 Pfennige, stieg dieser Preis bis 1978 schon auf das doppelte an. Im Gegenzug stiegen auch die Wochenlöhne der Bergmänner – nicht zuletzt aufgrund der Gewerkschaftsarbeit.

Zur Ehrung der versammelten Mitglieder auf der Bühne hatte sich zur Überraschung der Jubilare die „Minis“ der KG Scharwache Alsdorf angemeldet. Allen geehrten wurde von den jungen Tänzern eine Blume überreicht. Nach Beendigung des offiziellen Teils wurde allen Besuchern ein attraktives Rahmenprogramm geboten. Mit Wicky Junggeburth, der Showtanzgruppe Dancefire (Tanz der Vampire), den „Silvercats“, und den IG BCE „Höppedancern“ war für jeden etwas dabei.

Sie wurden geehrt:

IG BCE Ortgruppe Alsdorf-Kellersberg-Busch:

Dieter Dransfeld, Hermann-Josef Esser, Hans-Josef Gassert, Helga Häußler, Franz-Heinz Hufschlag, Bernd Kaufmann, Franz Kolvenbach, Berta Lalla, Michael Niessen, Hubert Ramhorst, Jürgen Rieger, Khalladi Sadequi, Helmut Schädler, Kasper Steffens, Rudolf Thieron, Walter Winter (alle 40 Jahre).

Peter Claßen, Wilhelm Dohms, Manfred Offermanns, Selahattin Subasi (alle 50 Jahre).

Rolf Bergs, Günter Leimbach Wilhelm Schiffers, Hans-Dieter Schneider (alle 60 Jahre).

Andreas Beuckers, Herbert Feilen, Gottfried Lauterbach, Heinz Neyzen, Hans Reiss (alle 70 Jahre).

IG BCE Ortgruppe Boscheln:

Udo Dyttko, Harald Wagner (alle 25 Jahre).

Helmut Altwasser, Karl-Heinz Berens, Franz-Josef Dedeus, Ralf Hanrath, Michael Herbst, Seref Ünsal, Günter Wagner (alle 40 Jahre).

Karl-Heinz Gruschwitz (60 Jahre).

IG BCE Ortgruppe Frelenberg/Geilenkirchen/Prummern:

Klaus Botta, Jakob Netterdorn, Hans-Peter Van Duijnhoven (alle 40 Jahre).

IG BCE Ortgruppe Herzogenrath-Würselen:

Siegmund Grocholl, Danuta Kowalczyk, Hans-Dieter Maintz, Jürgen Morgenstern, Petra Peil, Nami Sahin, Mehmet Sever (alle 25 Jahre).

Hans-Günter Becker, Hermann Becker, Karl-Heinz Diederen, Fatima Guesgens, Helmut Junggeburth, Klaus Kube, Daniel Lynen, Friedhelm Mandel, Peter Meyer, Volker Schippschak (alle 40 Jahre).

Elisabeth Buendgens, Josef Karner (alle 50 Jahre).

Manfred Bogner, Uwe Lübben, Constantin Pernot, Franz-Heinz Thelen (alle 60 Jahre).

Arthur Lang, Karl Thomas (alle 70 Jahre).

Karl Christ, Leo Wachten (alle 80 Jahre).

IG BCE Ortgruppe Übach-Palenberg:

Robert Bohn, Thomas Hene, Christof Maniurka, Peter Mitschke, Hasan Palaz, Holger Stiebing (alle 25 Jahre).

Peter Baur, Giuseppe Dente, Günter Gävert, Arnold Jansen, Robert Lenz, Peter Loehning, Mike Pelster, Klaus Weissborn (alle 40 Jahre).

Alois Böhm, Werner Coslar, Esref Gökce, Horst Piotrowski, Rudi Schachteli (alle 50 Jahre).

Herbert Beisecker, Dieter Hufnagel, Anton Olszewski (alle 60 Jahre).

Franz Kudzelka (70 Jahre).

(yl)
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