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Nordkreis: Hoher Krankenstand in den Stadtverwaltungen

Stadtverwaltungen weisen hohen Anteil an Fehlzeiten auf : Sorge um Gesundheit der Bediensteten

Das Thema brachte FDP-Fraktionschef Björn Bock in seiner Rede zur Verabschiedung des städtischen Haushalts quasi en passant aufs Tapet: die hohen krankheitsbedingten Ausfallzeiten in Herzogenraths Stadtverwaltung.

9,44 Prozent haben diese im Jahr 2018 betragen, wie seine Partei eruiert hatte. Zum Vergleich führte Bock den durchschnittlichen Krankenstand bei den gesetzlichen Krankenversicherungen an, der 2018 bei 4,28 Prozent lag: „Das ist deutlich weniger als die Hälfte“, so Bock, der auch noch die Quote bei den Beschäftigten des Landes NRW heranzog, die für 2017 mit 7,24 Prozent ausgewiesen wird. Und da habe der Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) „erheblichen Handlungsbedarf“ angezeigt.

Wobei zu bedenken sei, so Bock, dass bei den Landesbediensteten auch Berufsgruppen seien, die besonders hohe Fehlzeiten „bedingt durch ihre Tätigkeit“ aufwiesen, etwa Polizei, Vollzug oder Lehramt. Bocks besorgter Blick auf den Gesundheitszustand der städtischen Bediensteten galt nicht nur einem aus Krankheit resultierenden finanziellen Verlust, den er auf „mehr als 1 Million Euro“ bezifferte.

Vielmehr gehe es ihm um die Mitarbeiter selbst, betonte er: „Das, was wir tun können als Stadt, dass die Menschen in der Verwaltung gesund bleiben und sind, sollte getan werden“, forderte er Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) auf, „im nächsten zuständigen Ausschuss seine Überlegungen darzustellen, wie dieses Thema angegangen werden soll“. Des Bürgermeisters Replik im Stadtrat war eine Klarstellung: „Uns beunruhigt dieses Thema auch.“ Es gebe Einzelfälle mit chronischen Erkrankungen und andere Fälle, „die wir uns anschauen müssen“.

Behördenmitarbeiter, so belegt es die Statistik, sind generell häufiger krank als andere Arbeitnehmer. Das Gehalt aber läuft – zunächst – auf Kosten der Steuerzahler weiter. Eine weitere Folge für die Allgemeinheit: Die Bearbeitung von Vorgängen verzögert sich, Akten bleiben liegen.

Die Stadt Herzogenrath steht mit hohen Personalausfallzeiten aber bei weitem nicht alleine. In der Stadt Köln etwa, so berichtete der Stadtanzeiger im vergangenen Jahr, fehlten täglich durchschnittlich 1500 Bedienstete. Und im Nordkreis? Rodas Krankenstand wird von dem in Würselen übertroffen: 2018 lag der (einschließlich Stadtentwicklungsgesellschaft) bei durchschnittlich 12,42 Prozent. Er war im Vergleich zu den Vorjahren höher, so teilt Stadtsprecherin Miriam Ameri mit, „was vor allem auf eine höhere Anzahl an Langzeiterkrankten zurückzuführen ist“: 2016 betrug die Quote 9,75 Prozent, 2017 waren es 11,71 Prozent,

In Alsdorf ergab sich im vergangenen Jahr eine Krankenquote von 9,40 Prozent. Anders gesagt: Bei 617 Beschäftigten gab es 13.166 Krankentage. (bei 140.052 Soll-Arbeitstagen). Deutlich wird eine erhöhte Zahl an Erkrankungen beim Eigenbetrieb Technische Dienste (Quote 14,63 Prozent zu 8,70 Prozent bei der Stadt samt Nebenstellen). 2017 hatte die Krankenquote in Alsdorf bei 603 Beschäftigten 9,21 Prozent betragen (Technische Dienste 13,25 Prozent, Stadt 8,73 Prozent).

Ausnahme Baesweiler

In Baesweiler indes sind die Krankenzeiten erheblich niedriger: 2017 wurden dort je Mitarbeiter durchschnittlich sieben Fehltage verzeichnet, was teilweise auf längere Krankheitszeiten Einzelner zurückzuführen sei, zum Beispiel wegen Operationen, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens darlegt. Was einen Krankheitsanteil von 3,74 Prozent ausmachte. Der 2018 noch gesunken ist, da waren es durchschnittlich 5,27 Fehltage, also ein Anteil von 2,88 Prozent.

Alldieweil: Baesweiler hat weder eine hauptamtliche Feuerwache noch städtische Kindergärten. Und genau dies sind – zusammen mit Technischen Betriebsämtern – Bereiche, in denen in der Regel höhere Ausfallzeiten anfallen.

So erläutert es auch Herzogenraths Erster Beigeordneter und Personaldezernent Hubert Philippengracht. Schwangere Arbeitnehmerinnen etwa sind in Kitas einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Zum Schutz von Mutter und Ungeborenem sind daher besondere Beschäftigungsverbote zu beachten. Bei Feuerwehr und Rettungsdienst stellen Schichtdienst und psychische Beanspruchung in gefährlichen Einsätzen besondere Belastungen dar.

Konkret ließen sich die einzelnen Krankheiten alleine schon aus Datenschutzgründen nicht spezifizieren, schränkt Philippengracht ein und stellt fest: „Die hohe Ausfallquote im Rathaus hat aber sicher auch etwas mit gewachsener Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung zu tun.“ Faktoren wie stete Erreichbarkeit, unter anderem durch den heute üblichen E-Mail-Verkehr, spielten da eine erhebliche Rolle. „Früher schickte man einen Brief und hatte dann eine Woche Ruhe. Heute kommt direkt die Antwort, erwartet jeder, dass alles sofort erledigt wird.“

Um auf die offenkundige wachsende Belastung der Mitarbeiter in der Stadtverwaltung zu reagieren, so kündigt Herzogenraths Personaldezernent an, wolle man im Rathaus im Mai als ersten Schritt Schnupperkurse im Sinne des Gesundheitsschutzes anbieten. Angedacht sind Leitfäden mit Fokus auf die Ausgestaltung eines gesunden Arbeitsplatzes, zur aktiven Pausengestaltung, zur Ergonomie am Arbeitsplatz und zur Förderung eines gesunden Rückens. Sollten diese Angebote auf die entsprechende Resonanz stoßen, wolle man sie in der zweiten Jahreshälfte ausbauen.