Nötigung: Autofahrer aus Würselen muss 4800 Euro Strafe zahlen

Nötigung im Straßenverkehr : Autofahrer aus Würselen muss 4800 Euro Strafe zahlen

Gedrängelt, überholt, ausgebremst: Eine Autofahrt im April 2017 kommt Sportwagenfahrer S. aus Würselen teuer zu stehen.

Als Frau B. an einem Aprilabend 2017 gemeinsam mit ihren Kindern den Öcher Bend verließ, ahnte sie nicht, dass die abenteuerlichste Fahrt des Tages ihr erst noch bevorstand. B. lebt in Alsdorf, und vom Bend aus kommt man dorthin am besten über die Autobahn. Also fuhr sie mit ihrem Opel Astra zunächst auf die A4 und vom Aachener Kreuz auf die A44.

Etwa auf Höhe von Broichweiden erkannte sie im Rückspiegel einen Autofahrer auf der linken Spur, der seinen Vordermann mit der Lichthupe bedrängte. Auf dieser Spur fuhr auch B., und es dauerte nicht lange, bis der drängelnde Wagen, die Sportversion eines 3er-BMW, sie eingeholt hatte. „Der Fahrer hätte meinen Tankstand erkennen können“, berichtet sie knapp zwei Jahre später vor der 1. kleinen Strafkammer des Landgerichts in Aachen.

Verhandelt wird dort wegen Nötigung, denn nach Darstellung von B. blieb es nicht beim Drängeln. Der BMW habe sich zunächst rechts neben sie gesetzt und sie so am Wiedereinscheren gehindert, und als er schließlich vor ihr fuhr, habe er sie auch noch ausgebremst. Kurz darauf verließen beide Fahrzeuge die A44 bei Alsdorf. B. habe am ganzen Körper gezittert, die damals siebenjährige Tochter habe geweint, und der Sohn, elf Jahre alt, habe gesagt: „Mama, ruf die Polizei!“ – er hatte sich das Kennzeichen gemerkt.

So kam es, dass der Fall vor Gericht landete. In dem ersten Verfahren, das vergangenen Spätsommer am Aachener Amtsgericht stattgefunden hat, wurde der Fahrer des BMW wegen Nötigung zur Zahlung von 60 Tagessätzen à 80 Euro verurteilt, also insgesamt 4800 Euro. Außerdem entschied der Richter, dass der Führerschein eingezogen wird. Der Angeklagte ging jedoch in Berufung und der Fall somit ans Landgericht.

Der BMW-Fahrer heißt S., kommt aus Würselen und hat die Fahrt völlig anders in Erinnerung. Mit circa 150 Kilometern pro Stunde in der Stunde sei er damals Richtung Alsdorf gefahren, auf dem Beifahrersitz habe seine Schwester gesessen, erklärt er Richter Markus Vogt. Schon von weitem habe er vor sich den Opel gesehen, der relativ langsam auf der linken Spur gefahren sei, obwohl rechts alles frei gewesen sei, und gebremst. Plötzlich habe die Opel-Fahrerin jedoch ihrerseits scharf gebremst, so dass er auf die rechte Spur habe ausweichen müssen, um einen Unfall zu verhindern. „Ich hatte Temperatur auf Bremse“, erklärt S. dem Richter. Er habe aber nicht die Lichthupe betätigt und auch nicht den Opel ausgebremst.

Opfer von Klischees?

S. macht deutlich, dass er sich als Opfer von Klischeedenken betrachtet. „Ich weiß, dass ich Türke bin und einen fetten BMW fahre. Ich weiß, wie ich aussehe. Entschuldigung, dass ich so breit bin“, sagt er lakonisch. Anders kann er sich das Urteil aus erster Instanz nicht erklären.

Richter Vogt und seine zwei Schöffinnen lassen sich davon nicht beeindrucken, ebenso wenig von der Aussage  der Schwester des Angeklagten, die dessen Darstellung der Autofahrt bestätigt hat. Die Berufung wird verworfen: S. muss die 4800 Euro bezahlen und auch einen Teil der Gerichtskosten tragen. Immerhin wird er seinen Führerschein – nach einem Monat Fahrverbot – entgegen dem ersten Urteil doch zurückbekommen. Denn S. hat keine schwerwiegenden Eintragungen im Bundesverkehrsregister stehen. Vorbestraft war er auch nicht.

Auf eines legt Richter Vogt noch besonderen Wert, als er seine Entscheidung erläutert: „Weder Ihre Nationalität oder Ihr Aussehen, noch dass Sie Sportwagenfahrer sind, spielt dabei eine Rolle“, gibt er dem Angeklagten mit auf den Weg. „Nehmen Sie das bitte ernst.“

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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