Niederbardenberg: Accordia sorgt sich um ihre Zukunft

Sportplatz Niederbardenberg wird bebaut : Accordia räumt mit Auflösungsgerüchten auf

Der Beschluss ist einstimmig: Mit der vorgestellten Bebauung des Sportplatzes in Niederbardenberg zeigten sich alle Fraktionen im Umwelt- und Planungsausschuss einverstanden. Was indes die Zukunft der Accordia angeht, war nicht Thema an diesem Abend ...

Als „sehr ausgewogen“ kennzeichnete Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) das Vorhaben, den Aschenplatz an der Forstumer Straße mit öffentlichem Parkraum, einem Bolzplatz samt Möglichkeit fürs Festzelt der Niederbardenberger Maijungen sowie Wohnbebauung zu bestücken. Lob für die Planer gab es auch von Stefan Becker (CDU). Vereinbarungen zu treffen, damit das Brauchtum der Maijungen auch mit Blick auf neue Anwohner dauerhaft gesichert sei, wurde als Anliegen geäußert. Und dass der neue Spielplatz groß genug ausfällt respektive auf der Fläche Wohnraum für mittlere bis kleine Einkommen entsteht, waren weitere Vorgaben aus dem politischen Raum. Das Vorhaben als „sehr schönes Startobjekt, das wir gemeinsam mit der Stadtentwicklungsgesellschaft beginnen können“ und das mit einer schwarzen Zahl enden werde, freute den Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda.

Was denn mit dem Vereinsheim der Accordia geschehe, das man auf einem schönen Foto in der Tageszeitung habe sehen können, fragte Erich Pelzer, beratendes Mitglied seitens des Stadtsportverbandes, noch  nach. Und Johannes Kempen (SPD) wollte wissen, ob denn mit den betroffenen Vereinen gesprochen worden sei, und wann die Accordia bereit sei, den Platz zu räumen? Ein Aspekt, in den sich der Technische Beigeordnete nicht einmischen wollte: Der Dialog werde geführt, verwies er auf den passenden Fachausschuss im Dezernat des Ersten Beigeordneten Hubert Philippengracht.

Mit Spannung war das ganze Geschehen von Vertretern der Accordia im Zuschauerraum verfolgt worden. Die im Anschluss an die Sitzung gegenüber unserer Zeitung monierten, die Berichterstattung über die Neunutzung des Platzes habe Gerüchte entfacht, die Accordia stehe vor der Auflösung ... Gerüchte, für die unserer Zeitung indes nie Anlass geboten hat, die aber offenbar in Herzogenrath die Runde machen.

Beim Ortstermin auf dem Sportplatz haben Vorsitzender Josef Begiebing und Geschäftsführer Thomas Fliegen am Mittwoch Klartext geredet: Dass es noch drei andere Vereine in der Stadt mit nur einer Seniorenmannschaft gebe. Und wie die Accordia im Jahr 2012 aufgrund der Neustrukturierung der Kreisligen vom letzten Platz der Kreisliga B in die Kreisliga C verschoben worden sei, was aufgrund der darauf basierenden Spielerabwanderung zwei Jahre später einen weiteren Abstieg in die Kreisliga D zur Folge gehabt habe. Und dass man ehrgeizig spare, um die finanziellen Grundlagen für einen Wiederaufstieg zu schaffen. Von Auflösung könne also gar keine Rede sein, im Gegenteil. Allerdings, so Fliegen, sei der Accordia mehrfach nahegelegt worden, mit einem anderen Verein zu fusionieren. Mit Blick auf das Angesparte habe man sich damit aber auf gar keinen Fall einverstanden erklärt. Und dem Stadtsportverband vor geraumer Zeit vielmehr signalisiert: „Bevor wir gezwungen werden zu fusionieren, lösen wir uns auf!“ Ob aus dieser im Affekt ausgesprochenen Feststellung das Gerücht von der geplanten Auflösung wurde? Wer weiß.

Pokale aus erfolgreicheren Zeiten: Zurzeit steht der Accordia noch ein Thekenraum zur Verfügung, der mit viel Eigenleistung ausgebaut wurde. Foto: Beatrix Oprée

Der Accordia-Geschäftsführer betont indes: „Wir wollen uns ja gar nicht querstellen, sind ja gar nicht gegen eine Bebauung des Aschenplatzes mit preisgünstigen Wohnungen!“ Doch noch sei nicht klar, wie die Accordia an der avisierten neuen Spielstätte, nämlich dem Rasenplatz am Schulzentrum der Städteregion, die dringend benötigten Einnahmen durch Getränkeverkauf erzielen könne. Auf dem angestammten Platz steht dazu ein mit viel Eigenleistung ausgestatteter Thekenraum zur Verfügung, der dem mittlerweile verstorbenen früheren Landrat Walter Meyer gewidmet ist. Dessen Porträt genauso an der Wand hängt wie Andenken an Jubiläen und ein altes Foto der Gründungsmannschaft von 1919. Über der Theke steht die Sammlung von Pokalen aus erfolgreicheren Zeiten.

Schon 2016 sei dem Verein seitens der großen Koalition zugesagt worden, dass er am Schulzentrum eine Möglichkeit erhalte, Getränke und Snacks zu verkaufen. „Doch jetzt“, so Begiebing, „will niemand mehr davon wissen!“ Auf Nachfrage unserer Zeitung bei Bürgermeister Christoph von den Driesch lässt sich vielleicht erklären, warum: Denn dieser zeigte sich höchst verwundert, dass die Accordia nicht etwa im kommenden Jahr auf dem Platz erst noch ihr Hundertjähriges feiern und sich dann auflösen wolle ... So sei es „vom Verein kommuniziert“ und auch im Zuge der Sportstättenentwicklungsplanung immer diskutiert worden. Einem festen Aufbau zwecks Getränkeverkauf am Platz des Schulzentrums habe die Städteregion eine Ansage erteilt, eine mobile Lösung sei daher in Betracht gezogen worden, „die aus bisheriger Sicht ja auch nur übergangsweise gewesen wäre“, so von den Driesch. Dass die Accordia sich gar nicht auflösen wolle, sei für ihn eine ganz neue Erkenntnis, so der Bürgermeister, der für sich und die Verwaltung betont, dies aber auch nie offensiv nach außen getragen zu haben. Nun, so seine Zusage, müsse im Sinne einer Lösung für den Verein neu überlegt und auch mit der Städteregion gesprochen werden. „Einen mobilen Kiosk hatten auch wir ja schon ins Gespräch gebracht“, sagt wiederum Thomas Fliegen. „Wir haben fast alle Anhängerkupplungen, das wäre gar kein Problem für uns.“

Von den Tischen aus kann das Publikum das Spielgeschehen verfolgen. Foto: Beatrix Oprée

Wie immer das Missverständnis zustande gekommen ist, es lässt sich offenbar lösen. Und Mitte Januar, so berichtet Accordia-Präsident Begiebing, sei ein Gespräch anberaumt, bei dem sich der – zurzeit abwesende – Erste Beigeordnete über den Stand der Dinge erkundigen wolle.

Mehr von Aachener Zeitung