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Baesweiler: Nicht nur Maria und Josef im Mittelpunkt

Baesweiler : Nicht nur Maria und Josef im Mittelpunkt

Die Zeit drängt. In einer Stunde muss die Kirche frei sein, weil eine Trauerfeier ansteht. Doch von Abschied und Endlichkeit im Leben ist an diesem Morgen absolut noch nichts zu spüren. Eine, eigentlich die Geschichte übers Leben wird in der Pfarrkirche St. Martinus geprobt.

Heute dürfen die Viertklässler der Katholischen Grundschule Oidtweiler ihr Weihnachtsstück erstmals auf der richtigen „Bühne” durchspielen. Gisela Giani hält das Manuskript in der Hand. Die Rektorin weiß, dass alle 13 Kinder ihren Text drin haben. Aber, so sind Lehrer eben, die Erfolgskontrolle spielt auch mit.

Auf dem Gang zwischen den Bänken haben sich die Darsteller breit gemacht. Sie reichen sich das Mikrofon gegenseitig an und sprechen, gestikulieren. „Halt! Bitte etwas mehr Betonung”, greift Gisela Giani plötzlich ein. Den inbrünstigen Ruf nach „Saraaaah” macht sie vor, als habe sie selbst jahrelang nichts anderes getan als Theater zu spielen.

Die Kinder, die einen sehr disziplinierten Eindruck machen, nehmens an - und schon klappt es bedeutend besser. Die manchmal etwas piepsigen Stimmen hallen nun durchs Kirchengebäude. Während Gisela Giani keinen Moment stillsitzt, hört Organist und Kirchenmusiker Helmut Esser nur zu. Der Chorleiter wird am Heiligen Abend an der Orgel sitzen und die jungen Laienmimen begleiten.

Gute Vorschläge

Ganz unbefangen positioniert sich die Gruppe um den Altar, noch eine Empore seitlich höher klettert Alexandra Reinartz. Nun kommt ihr Part. Der Verkündungsengel Sarah macht seine Sache ausgezeichnet. Garniert mit Lob von der zweifachen Mutter Gisela Giani. „Ganz toll machst du das”, sagt sie und baut Alexandra auf.

Lara Dackweiler, die Kleinste, tritt eher schüchtern vor, brilliert aber mit feiner Beobachtungsgabe. „Es wäre besser wenn wir alle nach oben gucken und nicht nur auf Maria und Josef”, schlägt sie vor. Auch das gibt ein Extralob von Frau Lehrerin, die den doppelten Probengang insgesamt sehr straff hält.

Dass es dennoch salopp im Gotteshaus sprachlich zugeht, unterlegt ein Satz von Frau Giani. „Mariechen und Jupp, jetzt seid Ihr dran”, bittet sie Maria (Inken Gottschalk) und Josef (Stefan Freisinger) zum Einsatz. Wie „detailgetreu” die Hirtenkinder ihre Rolle nehmen, lässt sich an Lisa Ullrich erkennen. Die kleine Maid gähnt „in echt” ermüdet. Die Erklärung liefert Gisela Giani: „Als Hirtenkind ist man schließlich eine halbe Nacht auf dem Feld.”

Als die Regisseurin dann nach der Puppe - dem Jesuskind - fragt, kommt noch mal Leben in die Gruppe. Jedes Mädchen hat mindestens eine zuhause, die brauchbar ist.
Das Thema scheint auszuufern, aber Rektorin Giani schaut auf die Uhr - und spricht plötzlich ein „Tabuthema” an. „Wer kommt denn Montag und Dienstag zu den abschließenden Probe?” Was für eine Frage! Alle acht Mädchen und fünf Jungen natürlich, trotz Ferien. Da wird der letzte Schliff verabreicht. Und am Heiligen Abend um 16.15 Uhr ist Premiere der „Hirtenkinder”.

In der Kinderchristmette stehen sie im weichen Rampenlicht der kleinen und schönen Kirche. Dafür wird Gisela Giani mit ihrer kompletten Familie aus Aachen kommen. Im sicheren Gefühl, „meine Kinder machen das schon”. Vielleicht werden sie etwas mehr Lampenfieber haben. Eine Bitte klingt ihnen jedoch allen im Ohr. Wie von Gisela Giani empfohlen: „Zeigt Begeisterung!” Schließlich ist ein Stern geboren.