Würselen: Neues Mahnmal soll weiterhin zum Frieden aufrufen

Würselen: Neues Mahnmal soll weiterhin zum Frieden aufrufen

Am 1947 errichteten VVN-Mahnmal an der Kreuzung Bahnhofstraße/Nordstraße hatte der Zahn der Zeit derart genagt, dass es baufällig geworden war und schließlich abgerissen werden musste. Angesichts des Unfriedens in der Welt war es Bürgermeister Arno Nelles vor drei Jahren ein Anliegen, das Mahnmal neu zu errichten.

Da der Stadt die finanziellen Mittel fehlen, ergriff der Bürgerverein Bissen (BVB) mit dem Stadtverordneten Winfried Hahn an der Spitze die Initiative zur Errichtung eines neuen Mahnmals in der alten Form. Und so konnte er das neu erstellte massivere Mahnmal, das zum Ortsteil Bissen gehört, jetzt in einem kleinen festlichen Akt der Bevölkerung übergeben. Dazu Hahn: „Es soll nicht nur an die Gräueltaten des Naziregimes erinnern. Vielmehr soll es auch mahnen, damit solche sich nicht wiederholen.“ Er hoffe, dass es ohne Beschädigungen viele Jahre und Jahrzehnte überdauern werde.

Für die Ausführung der sachgerechten Arbeiten bedankte er sich beim Steinmetzbetrieb Ziemons aus Raeren (Belgien) und bei der ortsansässigen Schlosserei Schümann. Sein Dank galt aber auch der Kulturstiftung Würselen, dem Heimatverein Würselen, der Sparkasse Aachen und der VR Bank Würselen sowie allen Würselener Bürgern, die durch ihre Spenden zur Finanzierung des 15 000 Euro teuren Mahnmals beitrugen. 1000 Euro steuerte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschisten Aachen (VVN) — bei. Ursula Best vom Arbeitskreis „Kein Vergessen“ rief in Erinnerung, wie schwer sich wenige Jahre nach Kriegsende die Bevölkerung mit der Errichtung dieses Mahnmals getan habe. Auch in Würselen habe man die Naziherrschaft am liebsten aus dem Gedächtnis verdrängen wollen.

Ursprünglich sollte das Mahnmal auf dem kleinen Platz Wilhelmstraße/Friedrichstraße aufgestellt werden. Was in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt hatte. Deshalb sei als Standort der Kreuzungsbereich an der Bahnhofstraße/Nordstraße gewählt worden. Nach heftigen Debatten habe der Rat beschlossen, die Kosten von damals 4000 Mark aus der Stadtkasse zu finanzieren. Ein Restbetrag von 370 Mark sei bis zuletzt strittig geblieben. Die VVN habe ihn nicht aufbringen können, weil ihre Mitglieder ob der erlittenen Verfolgung seinerzeit meist mittellos gewesen seien. Mit der Errichtung des neuen Mahnmals habe der Bürgerverein Bissen demonstriert, „dass dessen Erneuerung im Interesse von uns allen ist. Es wurde uns ein Ort erhalten, der die Verbrechen des Naziregimes im kollektiven Gedächtnis der kommenden Generationen wach hält.“ Zum Gedenken an die bekannten Opfer nannte Best deren eingravierte Namen: Wilhelm Engels, Anton Hilgers, Leo Oller, Wilhelm Reiss, Josef Schaffrath, Josef Schneiders, Jakob und Emma Voss, Salomon und Henriette Weil, Bernhard und Paula Weil sowie Else Weil und ihrer Kinder Renate und Ruth. „Der Frieden ist auch bei uns gefährdet“, mahnte Bürgermeister Arno Nelles. Er müsse jeden Tag neu erarbeitet, erstritten und erlebt werden.

Nur so könne verhindert werden, dass sich das begangene Unrecht des Naziregimes wiederhole. Dank sagte er allen, die ihren Beitrag zur Erneuerung des VVN-Mahnmals beigetragen haben. Musikalisch umrahmt wurde der festliche Akt der Übergabe durch Iris Donner-Hermanns an der Klarinette, an der Gitarre begleitet von Bernd Bresseler.

(ehg)
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