Neuer Entwurf für das Singergelände in Würselen

Würselen : Gegenentwurf für das Würselener Singergelände steht zur Diskussion

Wie kann endlich das lähmende Hin und Her um das ehemalige Singergelände beendet werden? Mit Aufgabe des Betriebs der Singer Nadelfabrik wurde im Jahr 2005 ein großes Areal in bester Lage in Würselen-Mitte frei — eigentlich. Die Flächen gehören der Firma Groz-Beckert.

Bislang hat die Stadt Würselen stets gegenüber interessierten Investoren gewusst und gesagt, was sie nicht will und nur sehr allgemein wissen lassen, woran sie baurechtlich denkt. Die alten Fabrikgebäude hat Groz-Beckert zwischenzeitlich abbrechen und den Grund sanieren lassen.

Gerne würde der Eigentümer einem niederländischen Investor das Areal verkaufen, der deutlich mehr hierfür zahlen will, als die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW) zu bieten bereit war. Das von diesem Investor beauftragte niederländische Architekturbüro van Aken hat ein Bebauungskonzept entwickelt, das mittlerweile von der Stadt Würselen ins Ratsinformationssystem öffentlich einsehbar eingestellt worden ist.

Dienstag öffentliche Diskussion

Dieses Konzept und als Vergleich dazu die Vorstellungen der Stadtverwaltung sind Thema im öffentlichen Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag, 28. November. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses auf dem Morlaixplatz.

Die Stadt will eine „Orientierung für eine zukünftige Bebauung“ zur Debatte stellen, die als Grundlage für die weitere Ausarbeitung des entsprechenden Bebauungsplans dienen soll. Auf dieser Basis will die Stadt mit dem Grundstückseigentümer verhandeln, um ihn bzw. einen Investor, der das Gelände von Groz-Beckert kaufen möchte, für die Realisierung zu gewinnen.

Dies geschieht in der Hoffnung, dass eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“, die parallel dazu vorbereitet wird und die auf eine Zwangsmaßnahme (Enteignung gegen Entschädigung) hinauslaufen könnte, nicht mehr notwendig ist — zumal diese eine aufwendige rechtliche Auseinandersetzung mit sich brächte.

Die Verwaltung selbst hat das kommunale „Gegenkonzept“ entwickelt und dabei den bis dahin erkennbaren Willen aus Reihen der Politik verarbeitet. Dabei geht es um die Nutzung, die Dichte (wie viele Wohneinheiten auf welchem Raum) und die Höhe der Gebäude. Ziel der Stadt — so der Vorschlag — ist „ein hochwertiges, innerstädtisches Quartier für unterschiedliche Ansprüche und Bewohner“.

Das Plangebiet umfasst insgesamt knapp 31 000 Quadratmeter. Die Zugänglichkeit zum Kalkhaldenpark soll erhöht und attraktiver gemacht werden. Überwiegend Mehrfamilienhäuser will die Stadt auf dem ehemaligen Industriegelände sehen. 30 Prozent der Wohnflächen sollen für den sozialen Wohnungsbau genutzt werden.

Entlang der Kaiserstraße (hier befand sich der Zugang zur alten Zigarrenfabrik) denkt man bei neu entstehenden Gebäuden im Erdgeschoss an Einzelhandelsgeschäfte, „um zur Stärkung des Haupteinkaufsbereichs Kaiserstraße beizutragen“. In den Obergeschossen will die Stadt Büro- und Praxisräume ermöglichen.

Fahrzeuge sollen über die Kaiser- und die Bahnhofstraße in das Neubaugebiet gelangen, allerdings will die Stadt dabei den motorisierten Verkehr dort auf das Nötigste beschränken. Stellplätze sollen in Tiefgaragen entstehen. Parkplätze für den Einzelhandel will die Kommune „oberirdisch“ eingerichtet sehen.

Ein Fußweg zwischen Kaiser- und Bahnhofstraße soll am Kalkhaldenpark in einen Quartiersplatz münden, steht auf der Wunschliste. Zudem soll ein Fußweg die Anbindung Richtung Lindenplatz und Reckergelände ermöglichen. Die Wege werden demnach durch Bäume zu grünen Achsen.

Der Stadt schwebt vor, die Bahnhofstraße aufzuwerten. Dafür will die Stadt Groz-Beckert einen Streifen von 2,50 m abkaufen, „um allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden“. Vorhandene Bäume an der Bahnhofstraße sollen möglichst erhalten bleiben, weitere Bäume hinzukommen. Dazwischen könnten längs Parkplätze angelegt werden. Auf diese Weise sollen 28 öffentliche Stellplätze zusätzlich entstehen.

188 Wohneinheiten

Entsprechend der vorhandenen innerstädtischen Lage will die Stadt eine „vergleichsweise dichte Bebauungsstruktur“ zulassen. Allerdings soll durch geschickte Anordnung der Häuser und gezielte „Grünelemente“ eine hohe Wohnqualität gewährleistet werden.

Als Begrenzung der Bahnhofstraße will die Stadt baurechtlich „Gebäuderiegel“ in unterschiedlicher Länge ermöglichen, die nebenbei „als natürlicher Schallschutz“ für dahinter liegende Häuser dienen.

Mit Blick auf die vorhandenen Häuser im Umfeld sollen die neuen Gebäude nicht mehr als drei bis vier Vollgeschosse haben dürfen. Die Stadt Würselen hat ausgerechnet, dass so 188 Wohneinheiten entstehen können, nebst 1300 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Einzelhandel.

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