Aachen: Neuer Brückenbau soll für Pferde kein Hindernis darstellen

Aachen: Neuer Brückenbau soll für Pferde kein Hindernis darstellen

Der erste Brückenschlag über die Wurm ist ins Auge gegangen. Es war mehr ein kleines Kunstwerk des niederländischen Architekturbüros Nox um Lars Spuybroek mit geschwungenen Palisaderhölzern und einer Art Auge im Boden, das im Zuge der Euregionale an der sogenannten Wolfsfurth gebaut werden sollte - und nie gebaut wurde.

Auch nicht drei Jahre nach besagter Euregionale. Es war nicht das einzige Euregionale-Projekt, dass Kritiker auf den Plan rief, vor allem Amateurreiter monierten das Bodenfenster, das ihnen gewiss die Pferde scheu machen würde. Die Fantasie des Entwurfs scheiterte aber auch an der Umsetzung. Ein Prototyp fiel laut einer städtischen Vorlage für die Bezirksvertretung Laurensberg durch, erforderlichen Nachbesserungen kam das Rotterdamer Büro nach Angaben der Verwaltung nicht nach. Seitdem ist es ruhig geworden um die Wolfsfurth. Ein Provisorium steht dort - länger als geplant.

Fristlos gekündigt

Der Architektenvertrag/Ingenieurvertrag mit dem Büro Nox vom Juni 2008 wurde außerordentlich und fristlos im August 2010 gekündigt. Um einen Streit um die Urheberrechte des Entwurfs auszuschließen, musste sich zudem vom dem Design der Brücke verabschiedet werden. Der Entwurf für das etwa 190.000 Euro teure Bauwerk landete quasi im Papierkorb. Dafür liegen nun neue Pläne auf dem Tisch - der Bezirksvertreter und der Politiker des Planungsausschusses.

Der zweite Anlauf im Brückenschlag an der Wurm wird also erfolgen. Diesmal liegt eine weniger ausgefallene Planung vor - und doch mehr als ein 08/15-Bau. Verantwortlich dafür sind das Statikbüro Bollinger + Grohmann, B+G Ingenieure GmbH, das schon als Nox-Partner am ersten Entwurf beteiligt war, und die Frankfurter Architekten des Büros o5. Deren 20 Meter lange Verbundbrücke hat eine im Grundriss S-förmig geschwungene Fläche mit einer Breite zwischen 3,80 Meter im Auflagebereich und 5,50 Meter in Brückenmitte. Damit soll sie einerseits Aufenthaltsfläche in der Brückenmitte schaffen - allerdings ohne Bänke, gegen die sich Reiter ausgesprochen hatten. Andererseits wird die neue Brücke auch von Landwirten mit ihren Traktoren befahrbar sein. Ein Fenster oder Ähnliches wird es nicht geben. Stattdessen wird der Boden in Beton gegossen, auf den Asphalt aufgetragen wird. Dieser Gussasphaltbelag werde, so die Verwaltung, mit Pigmenten betongrau eingefärbt, um das gewünschte homogene Erscheinungsbild des Brückenbaukörpers zu erreichen. Für Pferde sollte diese Bauweise kein Hindernis darstellen.

Ein Stahlgeländer ist 1,20 Meter hoch und um zwölf Grad nach innen geneigt. Zwischen den geneigten Geländerpfosten verlaufen unterschiedlich geneigte horizontale Lamellen, die zu einer im Verlauf der Brücke variierenden Wahrnehmung von „offen” zu „geschlossen” führen. Dieser Effekt verleiht der Brücke eine besondere Dynamik.

Und so spricht die Verwaltung unterm Strich von einem zwar ungewöhnlichen, aber sich dennoch zurückhaltenden, in die sehr schöne Flusslandschaft einfügenden Entwurf. Über den muss nun aber noch die Politik beraten. Die Baukosten werden mit rund 130.000 Euro beziffert, das Geld soll vorhanden sein. Mit dem Baubeginn kann Ende Juli, mit der Fertigstellung kann im September gerechnet werden - wenn die Politik keine Hindernisse mehr sieht.