Herzogenrath: Neue Schiedsfrauen und -männer treten in Herzogenrath ihr Amt an

Herzogenrath: Neue Schiedsfrauen und -männer treten in Herzogenrath ihr Amt an

Menschen zusammenbringen, bevor es zu einem gerichtlichen Prozess kommt. Das ist ihre Aufgabe. In Herzogenrath wurden jetzt Schiedsfrauen und -männer aus ihrem Amt verabschiedet und neue begrüßt.

Dass die Aufgabe ernst genommen wird, daran zweifelt Bürgermeister Christoph von den Driesch nicht. Im Gegenteil. Er glaubt, dass die Schiedsfrauen und -männer sich gewissenhaft um ihr Amt kümmern. Dafür dankte er ihnen bei einer Gesprächsrunde im Rathaus.

Die meisten Schiedsleute bleiben mehrere Jahre dabei, weil, so sagen sie selbst, es eine bereichernde Aufgabe sei. Das bestätigt auch Manfred Grouls, der knapp 20 Jahre Schiedsmann für den Bezirk Merkstein war. „Manchmal bekommen die Leute Streit, ohne dass ein gravierender Grund dahintersteckt“, sagt er.

Sie zum Reden zu bringen und zwischen ihnen zu vermitteln, das habe ihn in all den Jahren angetrieben. „80 Prozent der Fälle, die ich betreut habe, sind positiv ausgegangen“, schätzt er. Es sei auch vorgekommen, dass ein Jahr keiner seine Hilfe in Anspruch genommen hat. Generell werden es immer weniger Fälle, dafür werden diese umso schwieriger.

Schon Leute rausgeschmissen

Maria Theresia Piek, die ihr Amt für den Bezirk Herzogenrath-Mitte und Merkstein nach mehr als 25 Jahren ebenfalls an den Nagel hängt, sieht das genauso. Sie sagt, sie habe sogar schon „Leute aus ihrem Büro geschmissen“, weil die sich unmöglich benommen hätten. „Manche kommen mit vorgefertigten Meinungen aus dem Internet und denken, dass das hier ganz einfach läuft“, sagt sie.

Die müsse man erst einmal aufklären, wie die Gesetzeslage aussehe und welche Möglichkeiten sie haben — oder eben auch nicht. „Viele sind auch nicht mehr bereit, im Vorfeld miteinander zu reden“, sagt Piek. Sie ließen es auf einen Prozess ankommen. Gerade bei Nachbarschaftsstreitigkeiten. Wichtig sei Empathie. Außerdem müsse man sich selbst zurücknehmen können und ein guter Zuhörer sein.

Rainer Spanier, der sein Amt für den Bezirk Kohlscheid nun auch abgibt, würde da gerne mitreden. Allerdings hatte er in den vergangenen fünf Jahren keinen Fall...

Die drei ehemaligen Schiedsleute erzählten denen, die ihr Amt nun neu antreten, von ihren Erfahrungen und Fällen und wünschten ihnen auf ihrem Weg als Vermittler viel Glück.

Der Stadtrat Herzogenrath hatte in seiner Juli-Sitzung insgesamt folgende Schiedsleute benannt: Petra Schürgers und Judith Kettler für den Bezirk Herzogenrath-Mitte; Walburga Reimer und Andreas Billmann für den Bezirk Kohlscheid und Gerd Kemmerling für den Bezirk Merkstein.

Grundsätzlich kann jeder Bürger einer Stadt zum Schiedsmann/-frau ausgebildet werden. In Seminaren werden die Grundregeln der Juristik vermittelt. Vorwissen braucht man dazu nicht. Voraussetzung sind Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, Konflikte, lösen zu wollen.

(kf)
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