Alsdorf: Neue Radwege geplant: Autos sollen Radfahrern Platz machen

Alsdorf: Neue Radwege geplant: Autos sollen Radfahrern Platz machen

Na, das wird wohl reichlich Widerspruch, wenn nicht sogar massiven Ärger aus Reihen der Mariadorfer geben. Die Städteregion Aachen will auf einer Länge von rund zwei Kilometern entlang der Eschweilerstraße, die durch Mariadorf führt, für einen beidseitigen Radweg sorgen, indem Lücken geschlossen werden.

Da es sich um eine „Kreisstraße“ (K 10) handelt, ist als Straßenbaulastträger die Städteregion für diese Verkehrsverbindung zuständig. Dazu wird die Städteregion Aachen am 6. November eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Aula der Europahauptschule an der Pestalozzistraße anbieten (Beginn 19 Uhr), um Anregungen und Bedenken zu sammeln.

Die klar definierten Bahnen für Radler sind auf den ersten Blick sicherlich ein einleuchtender Plan, rollen doch täglich rund 13.000 Fahrzeuge über diese Straße, die Mariadorf wie ein Messer in zwei Teile teilt und erhebliches Gefährdungspotenzial birgt, wie Hubert Philippengracht, bei der Städteregion Amtsleiter Immobilienmanagement und Verkehr, deutlich machte. Durchaus plausibel verwies er darauf, dass nicht nur viele Menschen im Bereich der engen Randbebauung die Straße kreuzen, sondern auch Radler und Fußgänger dem Straßenverlauf folgen. Da sei es sinnvoll, etwas für die Sicherheit zu unternehmen.

Philippengracht konnte sich indes einen Seitenhieb in Richtung Stadt Alsdorf nicht verkneifen, die angesichts der eigenen sehr angespannten Finanzlage das Einvernehmen mit der geplanten massiven Erhöhung der Städteregionsumlage (eher symbolisch, da kommunalrechtlich folgenlos) verweigert und ihrerseits durch Ratsbeschluss die Städteregion zu einem selbstkritischerem Umgang mit den Geldern der angehörigen Kommunen aufgefordert hat. Schließlich würde ja die Städteregion für das Geld, das Alsdorf abführe, auch als „Gegenleistung Geld in die In-frastruktur“ investieren, meinte er. Das ist grundsätzlich sicherlich richtig, kam aber im Ausschuss als Belehrung an. Taktisch unklug!

SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Loosz, dessen Gruppierung im Stadtrat die absolute Mehrheit stellt und wie auch die Vertreter der anderen Ratsvertreter weiß, wie die Bevölkerung in den jeweiligen Wahlbezirken tickt, prophezeite dem Gast Philippengracht: „Sie werden massive Probleme mit den Stellplätzen bekommen. Wenn die Anwohner in die Informationsveranstaltung kommen, werden Sie viel Spaß haben!“

Parkplätze fallen weg

In der Tat wird das Vorhaben der Städteregion den Parkraum beschränken. Zum einen sollen in der Summe einige Parkplätze wegfallen, zum anderen in engeren Passagen die derzeit bis zu 2,75 Meter breiten Parkstreifen per Markierung auf noch zwei Meter eingeschränkt werden, um Platz für Radlerspuren zu schaffen. Die angestrebte Parkbreite sei absolut ausreichend, führte Peter Krückels vom Städteregionsamt Immobilienmanagement und Verkehr aus. Auf der rund zwei Kilometer langen Ausbaustrecke existieren bereits auf einem Kilometer Länge Radwege. Die sollen nach Auffassung der Städteregion nur noch in einer Richtung gelten. In die andere Richtung sollen entsprechend Spuren für Radfahrer angelegt bzw. markiert werden. Grundsätzlich sicherlich keine schlechte Idee.

In Höhe Feldstraße will man eine Querungshilfe für Fußgänger anlegen und grundsätzlich viele Einmündungen in die Kreisstraße „entschärfen“ und das Abbiegen kenntlicher ordnen. Positiv kam auch an, dass in einem Zuge die Asphaltdeckschicht in einigen Abschnitten erneuert werden soll, was rund 200 000 Euro kosten soll. Weitere rund 400.000 Euro wird nach Berechnungen der Städteregion die Optimierung der Radwege kosten.

Die Baumaßnahmen sollen im Sommer 2015 starten und rund drei Monate dauern.

Ausgespart bleibt vorerst ein kurzes Teilstück auf Höhe Einmündung Blumenrather Straße, wo mehrere Straßen zusammenlaufen. So lautet der Plan. Die Vision mit einem Zeitfenster von rund zehn Jahren gemäß Städteregionsmann Philippengracht: Anlegen eines Kreisverkehrs! Logischer Weise wären da andere Investitionen falsch angelegt.

Peinlich ist, dass die Vertreter der Städteregion keine Aussage darüber treffen konnten, ob die Kreisstraße im Bereich Mariadorf ein Unfallschwerpunkt ist. Philippengracht gab an, dass hierzu keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen. Zudem konnte auch die Aussage der Planungsbehörde, dass die Verkehrsverbindung K 10 im Bereich Mariadorf von vielen Radfahrern genutzt werde, ebenso wenig belegt werden.

Auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Heinrich Plum (SPD) wurde kleinlaut eingeräumt, dass man diese nicht gezählt habe, aber ein an der Sitzung teilnehmender Vertreter der Städteregion in Alsdorf wohne und dies so mitbekommen habe. Das klingt nach Ausgabenpolitik nach dem Verfahren: Feuchten Finger in die Luft halten, um die Windrichtung und -stärke zu ermitteln!

„Mischmasch“ kritisiert

Selbst der ehemalige Radwegebeauftragte der Stadt Alsdorf, Oliver Schmidt-Schwan (Die Linke), der als konsequenter Verfechter der Fortbewegung per Pedaltritt gilt, stellte der Planung der Städteregion eine schlechte Note aus. Er sprach von problematischen „Mischmasch“ zwischen ausgebautem Radweg und markiertem Randstreifen auf der Fahrbahn. Da sollte man doch einheitlich nur Randstreifen markieren, um die Radler und Autofahrer nicht zu verwirren, was letztlich auch kostendämpfend wirken würde.

Unterm Strich wollen nun Städteregion und Stadt Alsdorf abwarten, was bei der Bürgerinformationsveranstaltung am 6. November geschieht, um im Sinne einer „kommunalpolitischen Familie“ zu entscheiden.

Mal sehen, ob sich die traurige Erkenntnis bewahrheitet, dass gerade bei „Blutsbanden“ das Einvernehmen nur schwer zu erzielen ist…

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