Würselen: Neue Gesamtschule in Würselen: Emissionsarme Baustelle?

Würselen : Neue Gesamtschule in Würselen: Emissionsarme Baustelle?

Der große Schlagabtausch von Gegnern und Befürwortern des Neubaus der Gesamtschule an der Krottstraße in Würselen blieb aus, aber in der Bürgerinformationsveranstaltung zum Baubeginn wurden weitere interessante Details bekannt.

Zudem nutzten Anwohner die Gelegenheit, angesichts des Großprojekts ihre Befürchtungen zur Minderung der Wohnqualität — nicht nur während der Bauphase, die bis Juli 2019 abgeschlossen sein soll — deutlich zu formulieren. Rund 50 Teilnehmer zählte die Runde im Ratssaal inklusive einiger Stadtratsmitglieder, denen offenbar die „eigenen“ Ausschuss- und Ratssitzungen nicht genügten und die die Bürgerversammlung für weitere Fragen und Diskussionsbeiträge nutzten. Versammlungsleiter Bürgermeister Arno Nelles (SPD) gab die Richtung vor: „Wir haben heute nicht über das Zustandekommen zu diskutieren, sondern wollen informieren, wie der Bau in den nächsten Monaten umgesetzt wird.“

Baustellenzufahrt über die Krottstraße: Anlieger beschweren sich über Dreck durch schwere Lkw. Foto: Karl Stüber

Vorgefertigte Betonteile

Dr. Robin Heidel, Prokurist des Generalunternehmens Goldbeck Public Partner GmbH (Bielefeld), sagte, man habe bewusst die H-Form für das Gebäude gewählt (siehe Schaubild), um besseren Schall- bzw- Lärmschutz zu ermöglichen — mit Blick auf die nahe und viel befahrene K 30 und mit Rücksicht auf die Nachbarn an der Krottstraße. So seien zum Beispiel die beiden Schulhöfe für jüngere und ältere Schüler durch die 105 und 122 Meter langen Schenkel-Bauten abgeschottet.

Eigentlich sollte die Außenfassade nach Vorstellungen des Architekten in einer hellen Farbe gestaltet werden, aber im Abstimmungsprozess habe man dem Wunsch der Stadt entsprochen und eine rote Klinkerfassade gewählt. Projektmanager Simon Holkenbrink (ebenfalls Goldbeck) sagte zu, dass der die Nachbarn nervende „Rüttelstopfer“ (Spezialgerät für Bodenarbeiten), der seit Baubeginn am 23. März auf dem Gelände im Einsatz ist, jetzt endlich abgezogen werden kann. Der Fundamentaushub habe begonnen, es sei aber noch keine Erde abgefahren worden. Am 20. Mai, so die Planung, sollen die vorgefertigten Betonteile installiert werden. Bis September will Goldbeck den Rohbau hochgezogen haben, damit regionale Handwerksbetriebe den Innenausbau vorantreiben.

Kampfmittel seien auf dem Gelände nicht gefunden worden. „Wir garantieren eine schnelle und emissionsarme Baustelle“, versprach er. Zudem lud Holkenbrink Anlieger ein, sich bei Fragen und Problemen an die Bauleitung zu wenden.

Aus Reihen der Betroffenen wurde kritisiert, dass entgegen der Darstellung von Goldbeck die Krottstraße nicht oder nur unzureichend von dem Dreck gereinigt werde, der von Baufahrzeugen stammende Staub werde vom Wind in die Häuser getragen. „Was da bisher abgelaufen ist, ist eine bodenlose Schweinerei!“, zürnte ein Anlieger. Es wurde Besserung versprochen. Holkenbrink informierte darüber, dass sich nachts Fremde auf der Baustelle „bewegen“. Dem wolle das Ordnungsamt der Stadt durch „Streifen“ entgegenwirken.

Sorge hat nach Angaben einer Nachbarin der Bodenaushub ausgelöst. Eine schwarze Schicht sei im Erdreich zu erkennen gewesen, die ohne besondere Sicherungsmaßnahmen vom Bagger ausgehoben wurde. Lothar Winkler (Gebäudewirtschaft der Stadt Würselen) bestätigte, dass Altlasten festgestellt worden seien. Das Erdreich, das für die Fundamente herausgeholt worden sei, sei beprobt worden. Die Auswertung der Proben liege noch nicht vor.

Danach richte sich, auf welche Art von Deponie der Aushub zwecks Entsorgung gebracht werde. „Sie wissen also noch gar nicht, was das da genau ist!?“, lautete die erstaunte Reaktion auf diese Aussage. Besagte Nachbarin sorgte sich um ihren Enkel, der im Garten spielte. Beim Aushub habe es stark gestaubt. Wasser zur Bindung sei nicht eingesetzt worden.

Zum Erstaunen der Bürger konnte die Verwaltung erst nach mehrmaligem Nachfragen und aufwendigem Messen und Nachrechnen annährend den Zuschnitt des verschränkten Baugeländes benennen. Winkler sowie Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen versuchten die Werte aus den Plänen maßstabsgerecht zu deuten.

An der engsten Stelle betrage der Abstand von dem Baukörper der neuen Schule (Erdgeschoss plus zwei Obergeschosse) etwas mehr als zehn Meter. „Das Grundstück ist angesichts der Ausmaße der Schule viel zu klein!“, lautete die Kritik. Die Gesamtschule ist 55 Meter breit.

Es wurde daran gezweifelt, dass 51 Parkplätze bei rund 70 Lehrern und den zu erwartenden Oberstufenschülern (ab 18 Jahre) ausreichen. „Die werden das ganze Umfeld zuparken“, wurde befürchtet. Nelles hielt entgegen: „Die 51 Parkplätze entsprechen dem Bedarf.“ Linienbusse der Aseag würden die neue Schule nicht anfahren, sondern an Haltestellen im Umfeld stoppen. Die Schüler würden die letzten Meter zu Fuß zurücklegen.

Laut Bürgermeister Nelles sei es nicht möglich, die Schule von der nahen Kreisstraße 30 (Willy-Brandt-Ring) anzufahren, musste er einen Nachfragenden enttäuschen, der so auf Entlastung der Wohnstraßen gehofft hatte. Es handele sich um eine „überörtliche Straße“. Dort seien zusätzliche Einmündungen in kurzen Abständen nicht genehmigungsfähig.

Auf fünf Züge erweiterbar

Ein Lehrer berichtete aus seiner Zeit an der Realschule. Erfahrungsgemäß sei nur ein geringer Anteil von Eltern zu erwarten, die mit den Wagen ihre Kinder zur Schule bringen. Auch die Zahl von 150 Abstellplätzen für Fahrräder sei nicht zu gering. Zumal, wie es seitens Goldbeck hieß, eine Erweiterungsfläche für 50 weitere Räder vorhanden sei.

Die Gesamtschule wird zunächst weiter vierzügig „gefahren“. Laut Goldbeck-Mitarbeiter Heidel sei bei Bedarf eine bauliche Erweiterung um mehrere Klassen möglich, ohne den Schulbetrieb für Monate lahm legen zu müssen.

Teilnehmer des Infoabends zweifelten daran, dass die Schule nur mit einer Belüftungs-, aber ohne Klimaanlage, wie von Goldbeck geplant, für Lehrer und Schüler zumutbar betrieben werden könnte. Befürchtet wurde, dass bei hohen Temperaturen Fenster geöffnet werden müssten — mit entsprechenden Auswirkungen auf den Grad der Lärmemissionen. Verwiesen wurde auf das Beispiel Euregiokolleg. Dort gebe es aufgrund einer erfolgreichen Klage eines Anwohners auf einer Seite „keine Fenster mehr“.

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