Herzogenrath: Neue Aufgaben: Reicher Erfahrungsschatz hilft

Herzogenrath: Neue Aufgaben: Reicher Erfahrungsschatz hilft

Ein Terminplaner an der Wand, Schreibutensilien mit Rodas Stadtwappen, Locher, Heftklammern und eine Kaffeemaschine direkt neben dem Computerbildschirm: Zweckmäßig und ganz auf Arbeit ausgerichtet präsentiert sich das frischbezogene Büro des neuen Ersten Beigeordneten der Stadt Herzogenrath.

Persönliche Bilder und Deko-Gegenstände? „Hatte ich nie“, sagt Hubert Philippengracht. „Nur ein Bild von meiner Familie — das werde ich noch aufstellen.“ Eine stattliche Reihe an Terminen und auch erste Ausschusssitzungen hat er schon hinter sich gebracht, seit er am 1. Mai sein Amt in Nachfolge von Birgit Froese-Kindermann angetreten hat. Überall offen aufgenommen worden zu sein, freut ihn besonders, sagt er mit gewinnendem Lächeln. 55 Jahre ist er alt, verheiratet, Vater einer Tochter — und parteilos, „bewusst“, wie er sagt.

In der Alsdorfer Stadtverwaltung begann er einst seine berufliche Laufbahn, ein Jahr vor Alfred Sonders, der heute dort Bürgermeister ist. Philippengracht indes zog es nach fünf Jahren, in denen er unter anderem im Jugendamt Erfahrungen sammelte, zum Kreis Aachen, wo er zunächst im Ausländeramt tätig war.

Seinerzeit war schon einmal eine große Flüchtlingswelle zu bewältigen, viele Asylbegehrende wurden damals an mehreren Orten vorstellig. Mit Kontrollen in den Unterkünften und Aktenabgleichen versuchten die Behörden, dem beizukommen, Philippengracht leitete die entsprechenden Maßnahmen in Eschweiler.

Zehn Jahre lang war er später in der Organisationsabteilung des Kreishauses tätig, unter anderem auch Schriftführer im Kreistag und Kreisausschuss. „Da habe ich die kommunalpolitische Arbeit kennengelernt“, sagt er. Unter seiner Ägide wurde das Gesundheitsamt zentralisiert, der schulpsychologische Dienst in Zusammenhang mit der Erziehungsberatung neu aufgestellt und das Straßenverkehrsamt nach Würselen verlagert, das in Folge, noch vor Bildung der Städteregion, einen Zweckverband mit dem Aachener Amt bildete.

Das heutige Amt für Immobilienmanagement und Verkehr war seine nächste Station, unter anderem zuständig für die Sporthallenvergabe, Hausmeisteraufgaben und das klassische Gebäudemanagement sowie schließlich auch für die 114 Kilometer Kreisstraßen. Projekte wie die Vennbahntrasse, der Premiumradweg Aachen-Jülich und aktuell der Radschnellweg Aachen-Heerlen — mit Gabelung von Herzogenrath nach Kerkrade — fielen in seinen Aufgabenbereich.

„Ich selbst bin eigentlich weniger ein Radfahrer“, bekennt Philippengracht. Eher ein Fußballer: 25 Jahre lang war er Jugendtrainer bei Eintracht Warden, später auch Funktionär. Um die Anlage des Kunstrasenplatzes habe er sich im Namen des Vereis noch gekümmert, erzählt er, „dann war Zeit für Jüngere“. Selbst gekickt hat er natürlich auch: in der Jugend und bei den Senioren.

Heute allerdings joggt er lieber, weil man das besser mit den Arbeitszeiten koordinieren kann. Am liebsten in den Sonnenaufgang hinein, eine Stunde Richtung Blausteinsee und zurück. „Da bekommt man den Kopf frei“, sagt er. Und offenbar die nötige Dosis Adrenalin, um bereits in aller Frühe hochmotiviert am Schreibtisch zu sitzen.

„Ich bin positiv überrascht, wie viele Menschen ich in Herzogenrath auch über den Sport schon kannte“, stellt er fest. Manfred Borgs etwa, den vielfach engagierten Geschäftsführer des Stadtsportverbands. „Ich kann verstehen, dass der SSV jetzt darauf drängt, wieder alle Turnhallen nutzen zu können“, sagt Philippengracht, der als neuer Sportdezernent jetzt auch für diese Fragen Lösungen finden muss. Ein Vabanque-Spiel, denn: „Wer kann schon voraussagen, wie sich die Flüchtlingssituation entwickeln wird?“ Wahrscheinlich, so schätzt Philippengracht, werde die Städteregion nicht mehr als Erstaufnahmestelle gefragt sein,so dass in absehbarer Zeit immerhin die Dreifachturnhalle an der Bardenberger Straße wieder geöffnet werden könne. Die gemäß politischem Prüfauftrag ergänzend anstehende Optimierung des Sportstättenangebots ist nur eine der vielen weiteren Baustellen, die in Herzogenrath auf den neuen Beigeordneten warten. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die topografische Lage: „Andere Städte sind kompakter“, da könne man leichter auf den ein oder anderen Sportplatz verzichten. „Herzogenrath aber ist über 15 Kilometer wie eine Perlenkette aneinandergereiht. Das müssen wir im Sportstättenentwicklungsplan berücksichtigen, denn die Entfernungen sollten nicht zu groß werden.“

Auf die Frage nach seinem Eindruck von der Rodastadt insgesamt, stellt der neue Erste Beigeordnete heraus: „Das Glas in Herzogenrath ist deutlich mehr als halbvoll!“ Die Sportstätten seien in einem guten Zustand, auch wenn haushalterische Schwierigkeiten zu überwinden seien, die Schuldenlage nicht so hoch wie in anderen Städten, was auch für die Grundsteuern gelte: „Doch das alles geht zur Zeit offenbar leider etwas unter in der Stadt!“

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